National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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innehabt hat und noch heute besitzt. Zur Zeit der Blüthe der Jesuiten-Missionen
unter Kaiser Kang-hsi, und dann noch einmal unter Kien-lung, stand Peking im
Glanz da. Jetzt ist dieser vorüber; denn er hängt wegen der willkürlich festge-
setzten Lage nicht von Gewerbsfleiss, Handel und den Fluctuationen der Bevölkerung
des Reiches, sondern allein von dem Grad der Macht des Herrschers ab. Aber
die Thatsache selbst, dass die europäische Reisende von der Stadtmauer herab
das grosse Werk von Kublai-Khan bewundern kann, weist uns auf den wunderbaren
Fortschritt, welcher neben diesem Verfall stattgefunden hat, indem die letzte Phase
in der Geschichte von Peking, seit dem Jahr 1860, durch die Anwesenheit euro-
päischer Gesandtschaften und die Ausbreitung europäischer Bildungsmomente in
ihr bezeichnet wird.
Verlassen wir die Stadt und ihre Geschichte¹), um unsern Blick, noch immer
von unserem unvergleichlichen Standpunkt aus, über das Menschenwerk hinaus zu
richten in die Landschaft, in welche die schöpferische Kraft eines Despoten die
Stadt gesetzt hat. Ein Kranz herrlich geformter Berge zieht sich in weitem Halb-
kreis von Westen über Norden nach Osten. Bis zu ihrem Fuss ist ebenes Land.
Nach Süden schweift der Blick in gleichem Halbkreis über unabsehbare Ebenen.
Fassen wir Beides näher in's Auge, um die geographische Lage von Peking zu
verstehen und das Problem seiner seit dem 13ten Jahrhundert fast stetigen Wahl
zum Herrschersitz zu ergründen.
Durch zehn Breitengrade dehnt sich die Grosse Ebene mit ihren Verzweigungen
aus, und einzelne ihrer südlichen Buchten reichen noch um 1½ Grade weiter. Im
Norden verhältnissmässig schmal beginnend, erreicht sie ihre grösste Breite im
Süden, wo Ning-po an der Küste und I-tshang-fu am Yang-tsze zehn Längengrade
von einander entfernt sind. Peking liegt daher an der Spitze eines nahezu gleich-
schenkligen Dreiecks und sendet seine Strassenzüge, von denen einer ein Wasser-
weg ist, in Radien nach der Basis. Diese wird im Wesentlichen von dem Unterlauf
des Yang-tsze gebildet, während in der halben Höhe des Dreiecks der Hwang-hô
bald einen südlicheren, bald einen nördlicheren Lauf genommen hat. Dadurch
beherrscht Peking die Unterläufe der beiden Hauptströme nebst zwei der ausge-
dehnteren Strombecken (Kan-kiang und Hsiang-kiang), welche dem Yangtsze von
Süden her Tribut zuführen. Unter den achtzehn Provinzen des Reiches sind neun
im Besitz von Theilen der Ebene (nämlich Tshili, Shantung, Honan, Hupéi, Hunan,
Kiangsi, Tshekiang, Nganhwei, Kiangsu), und eine andere (Shansi) grenzt daran.
Während jene neun Provinzen ein physikalisch zusammengehöriges Ganzes bilden,
das von dem Scheitelpunkt aus beherrscht werden kann, ist der Rest des Reiches
in Theile gegliedert, die nur in Folge der historischen Entwickelung gemeinsame
Interessen haben. Denn nicht nur isolirt der Tsin-ling-shan den Nordwesten (das
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