National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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nördliche Shensi, Kansu und das südwestliche Shansi von dem gesammten Süden,
sondern dieser ist wieder in sich selbst durch die Anordnung von Gebirgen und Flüssen
in bestimmte Theile gesondert. So sind z. B. die Interessen des Flussgebietes des
oberen Hau, des Beckens von Sé-tshwan, und der Provinzen Kwangsi und Fo-kièn
vollkommen heterogen und finden eine Vereinigung nur in der von Peking beherrsch-
ten Gruppe der neun Provinzen, um welche sie sich ordnen. Wir nennen diese,
die Grosse Ebene und ihre unmittelbare Umgebung umfassende Gruppe die
innere, im Gegensatz zu der äusseren Gruppe, oder vielmehr halbmondförmigen
Zone von Provinzen, welche sich wie eine Reihe von Kammern, die auch in sich
noch in Kämmerchen getheilt sind, um einen grossen Saal lagern, mit dem sie
durch schmale Eingangsthüren verbunden sind. Die äusseren Provinzen sind von
einander so geschieden, dass es nicht schwer ist, sie von der inneren Gruppe aus
in Botmässigkeit zu halten, obgleich nach jeder von ihnen nur einzelne, zum Theil
schwierige Saumpfade führen, und die Flussschiffahrt nach ihnen langsam und oft
gefährlich ist. Der mohamedanische Aufstand in Yunnan blieb ebenso isolirt wie
der von Shensi und Kansu, und Beide konnten leicht unterdrückt werden. Dasselbe
ist stets mit Rebellionen in Sé-tshwan, in Kwangsi, Kwangtung und Fokièn der
Fall gewesen. Gefährlich für den Bestand des Reiches wurde ein Aufstand nur,
wenn er entweder in dem Gebiet der inneren neun Provinzen entstand, oder, von
einer der äusseren ausgehend, in jenes Gebiet übergriff. Dann nahm er stets schnell
bedeutende Dimensionen an und war entweder schwer zu bewältigen, wie in der
Geschichte der letzten dreissig Jahre die Aufstände der Nieu-fei und Tai-ping, oder
er wurde überhaupt nicht bezwungen und führte einen Wechsel der Dynastie herbei.
Wenn es somit klar ist, dass, in Folge der allgemeinen geographischen Anord-
nung, eine wirksame Beherrschung des chinesischen Reiches bei dem gegenwärtigen
Stand der Communicationsmittel nur von der Grossen Ebene aus dauernd geschehen
kann, so sind doch die einzelnen Punkte in ihr keineswegs in gleicher Weise zum
Sitz der höchsten Regierungsgewalt geeignet: und wiewohl dem häufig von Euro-
päern ausgesprochenen Wunsch einer Verlegung der kaiserlichen Residenz nach
Nan-king eine gewisse Berechtigung in mehrfacher Hinsicht nicht abgesprochen
werden kann, so wäre sie doch von chinesischer Seite jetzt noch ein politischer
Fehler. Denn in China concentrirt sich der Inbegriff aller staatlichen Macht in
der Person des Kaisers selbst. Daher bindet sich an den Ort, wo er wohnt, auch
praktisch die höchste politische und moralische Machtentfaltung. Wäre China
allseitig isolirt, so würde der geeignetste Sitz derselben im Mittelpunkt des Landes
sein, z. B. in der Ebene von Hu-kwang. Allein da es, mit Ausnahme der bis in
die neueste Zeit ernstlichen Angriffen nie ausgesetzt gewesenen Seeseite, von eifer-
süchtigen Nachbarn umgeben ist, und die Sicherung der Peripherie daher ein
Hauptfactor für den Bestand des Reiches ist, so wird der Schwerpunkt der Macht
gegen diejenige Grenze hin verrückt werden müssen, wo die äusseren Gefahren
am grössten sind. Nun sind im Süden und Westen die Nachbarn in sich zersplit-
tert und schwach, so dass es den Provinzialregierungen überlassen werden kann,
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