National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF Graphics   Japanese English
0312 China : vol.2
China : vol.2 / Page 312 (Color Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000260
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

betrachtenden anderen Theilen der Grossen Ebene zeigen, dass ähnliche Gebilde,
wie wir bei Peking kennen gelernt haben, in weiter Verbreitung vorkommen. Hier
sei nur so viel erwähnt, dass wir den Loss nicht nur in viel bedeutenderer und
typischerer Entwickelung an zahlreichen Stellen der Zone zwischen dem Gebirgs-
rand und der Ebene antreffen werden, sondern dass er auch innerhalb der letzteren
grosse Strecken allein einnimmt. Ich erinnere an den Tshang-shan (S. 182) und
den Gebirgsrand im Osten von Tsi-nan-fu (S. 199 ff.), wo wir ihn bereits fanden.
In manchen anderen Gegenden werden wir die Steppenbodenstructur noch chara-
kteristischer ausgeprägt sehen. Da nun überdies zusammenfassende Argumente
uns später zeigen werden, dass das nördliche China in der Lössperiode höher über
dem Meere lag als gegenwärtig, und die jetzigen Flüsse, obgleich im Wesentlichen
in uralten Canälen fliessend, ausgetrocknet waren¹), so müssen wir annehmen, dass
dort, wo jetzt die Grosse Ebene sich ausbreitet, eine weite Steppe war, auf welcher
der Boden durch das Festhalten der auf atmosphärischem Wege zugeführten festen
Theile vermittelst der Grasvegetation in derselben Weise wuchs, wie dies gegen-
wärtig in Central-Asien stattfindet, und dass die Flüsse, als sie später durch ver-
mehrten Niederschlag ihre alten Betten wieder einnahmen, sich darüber hinwalzten
und weite Auswaschungen schufen, welche, ebenso wie die natürlichen Depressionen
des Steppenbodens, mit Alluvien erfüllt wurden. Zugleich fand eine theilweise
Senkung unter das Meer statt, welche die Ursache des vermehrten Niederschlags
gewesen sein mag. Die Abdachung, auf der Peking liegt, wurde jedoch nach der
Steppenperiode vom Meer nicht bedeckt, sonst hätte der Loss abgespült werden
müssen. Der höchste erreichte Küstenstand war zwischen Peking und Tien-tsin.
Weitere Veränderungen geschahen nur noch durch die Thätigkeit des Wassers,
indem die wiedergebildeten Flüsse sich auch hier in den Steppenboden, und zwar
wegen der Steilheit der Abdachung tief, eingruben, ihre Betten erweiterten und
darin Alluvien ablagerten.

Die hier erörterten Gesichtspunkte für die physikalische Betrachtung der Ebene
von Peking dürften einige Bedeutung für das Verständniss der wirthschaftlichen
Verhältnisse, sowie auch der Verbreitung der Pflanzen und der niederen Thiere,
haben. Auf die erreichten Schlussfolgerungen werden wir später zurückkommen;
sie geben uns Stützpunkte für die klimatische und geologische Geschichte des
östlichen China in den jüngsten Perioden.

Auf eine topographische Beschreibung des ebenen Theils der Umgebungen
von Peking, welche die Flussläufe, die menschlichen Ansiedelungen und das Netz
der Verkehrsstrassen berücksichtigen würde, glaube ich hier um so eher verzichten
zu dürfen, als wir eine vortreffliche, durch werthvolle Notizen über den Ackerbau,
den Pflanzenwuchs und die Geschichte bereicherte Schilderung der Gegend von
Dr. Bretschneider's kundiger Hand erhalten haben²).