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0374 China : vol.2
China : vol.2 / Page 374 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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hoch und schroff, auf. Es sind die Oberflächenformen Central-Asiens, die wir vor
uns haben. Aber das Gebiet, welches wir durchwandern werden, scheidet sich in
zwei sehr verschiedene Theile. Im nördlichen findet ein Abfluss nach dem Meer
nicht statt. Daher ist der Charakter der Steppe auch in der Vegetation, in dem
stetigen Wachsen des Bodens durch atmosphärische Zufuhr fester Stoffe, in dem
Vorschreiten der Nivellirung, in der Gleichförmigkeit der Bodenfläche der Mulden,
in der Existenz von Salzseen in den tiefsten Theilen der letzteren, gewahrt. Da-
gegen vermögen in dem Gebiet, welches zwischen der Grenze der Abflusslosigkeit
und dem Nankóu-Gebirge liegt, Schutt und Staub nur noch örtlich ein Wachsen
des Bodens hervorzubringen; die Gewässer fliessen nach dem Meere ab, und dieser
Umstand ist hinreichend, um den zerstörenden Agentien den ersten Platz einzu-
räumen. Flüsse durchziehen die Stellen, wo einst abflusslose Salzseen waren, und
die sanftgeschwungene Fläche einer jeden Mulde ist von zahlreichen tief und senk-
recht eingerissenen Schluchten durchfurcht, welche in der früher dargestellten Weise
von unten nach oben wachsen¹). Die Salze sind grossentheils ausgelaugt, und der
Boden ist dadurch culturfähig geworden. Unendliche Lössmassen sind in die Flüsse
gelangt und, wo diese das Land überschwemmen oder sich zu Seen ausbreiten
konnten, als Alluvien abgelagert worden.

Wir haben daher das mongolische Centralgebiet, von dem wir nur
einen kleinen Strich berühren werden, von den Uebergangslandschaften zu
unterscheiden, welche nördlich vom Nankóu-Gebirge beginnen. Am ausgespro-
sten trägt den Charakter derselben das ganze weitverzweigte Stromgebiet, aus
welchem der in seinem Unterlauf uns schon bekannte Yung-ting-hô oder Hun-hô
entsteht. Dieser Name ist hier oben nicht bekannt. Sang-kan-hô und Yang-hô
sind die Benennungen der beiden grössten Flüsse. Sie vereinigen sich zum Yung-
ting-hô, welcher in der engen Strecke durch das Nankóu-Gebirge auch Lu-kou
genannt wird. Die Hauptadern des Stromsystems zeigen einen unvollkommenen
Parallelismus, welcher, wie wir sehen werden, seine Wiederholung in den Gebirgen
findet. Eine eigenthümliche Beziehung besteht zwischen den Flussläufen und den
Lössbecken. Nicht nur durchströmt ein Fluss häufig mehrere der letzteren, indem
er einer uralten, durch die trennenden Felsriegel gebrochenen Bahn folgt, welche
während der Steppenperiode verstopft war, sondern es kommt auch häufig vor,
dass ein und dasselbe Becken nicht dem durchfliessenden Strom allein angehört,
sondern in seinen höheren Theilen andere Flüsse entspringen, welche durch Fels-
spalten in der Einfassung entweichen.

Flüsse, welche Lössbecken durchströmen, setzen viel Sand ab, während sie
die thonigen Bestandtheile des Bodens weiter hinabführen. Daher sind ihre Betten
innerhalb der Becken in der Regel breit, sandig, und oft in mehrere Arme getheilt,
auch wenn die Strömung rasch ist. Der Durchbruch zu dem nächstfolgenden
Becken ist zuweilen sehr eng, theils durch Felsen, theils durch hohe Lösswände