National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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In der Geschichte von China hat das Stromgebiet des Sang-kan-hö seine
Rolle als Uebergangsland gerechtfertigt. Wenn ein Andrängen der Nomaden von
Norden her stattfand, hat es sich stets als schwierig erwiesen, seinen Besitz zu
behaupten. Suchte man auch die Mauer dadurch wirksamer zu machen, dass man
auf Aussichtspunkten zu ihren Seiten befestigte Beobachtungsthürme errichtete, von
denen aus ein vertheidigendes Heer leichter nach den Angriffspunkten geleitet
werden konnte, so hat doch die Befestigung sich nicht als hinreichend erwiesen,
da sie auf grosse Strecken zu wenig durch die natürlichen Verhältnisse unterstützt
wurde. Erst viel weiter landeinwärts, im Nankóu-Gebirge und dem durch Quer-
rücken mit ihm verbundenen Parallelzug des Man-tóu-shan in Shansi, bot sich eine
natürliche Befestigungslinie, deren wenige Durchlasspunkte leicht vertheidigt
werden konnten. Daher wurde hier ein anderer Zweig der Grossen Mauer erbaut.
Gegen Tshili hin war sie vollkommen wirksam, in der zu Shansi gehörigen Strecke
aber schwieriger zu halten. Gelang es einer feindlichen Uebermacht, die Barrière
hier zu durchbrechen, so konnte ihr weiteres Vordringen bis Tai-yuén-fu kaum
mehr gehindert werden. Daher wurde noch ein dritter Zweig der Grossen Mauer
errichtet, welcher die Zugänge aus dem mittleren Shansi gegen die Grosse Ebene
sperrt. Er bildet, soweit er reicht, die Grenze zwischen Shansi und Tshili.
Der Besitz des Sang-kan-Gebietes ist daher für die Chinesen in früherer Zeit
nie sehr fest gewesen. Es wurde überhaupt erst unter der Tshóu-Dynastie von
den Grenzfürsten im mittleren Shansi den Nomadenvölkern abgenommen, so dass
Tsin-Shi-Hwang-ti es seinem Reich einverleiben konnte. Aber nachher benutzten
die Steppenvölker gern die Zeiten innerer Unruhen, um sich wieder in den Besitz
des Landstrichs zu setzen. Dies hat wiederholt bis in die neuere Zeit statt-
gefunden, zum letzten Mal noch bei den Bewegungen, welche der Thronbestei-
gung der jetzigen Dynastie vorangingen. Wir bemerkten oben [S. 60, 61], dass
die Mantschu unter ihrem Fürsten Tai-tsung im Jahr 1634 im Bündniss mit mon-
golischen Stämmen von Norden her eindrangen und auf einem Zug über Pau-ngan
nach Tai-tshóu das Land verwüsteten, sowie dass dieser Fürst im folgenden Jahre in
Hsüen-hwa-fu den Titel Hwang-ti zuerst annahm. Aber trotz dieser Erfolge ver-
mochte er nach Peking nur als verrätheriscker Bundesgenosse des Kaisers zu
kommen; denn den Uebergang über das Nankóu-Gebirge konnte er durch Gewalt
nicht erzwingen.
Berichte über Theile des in Rede stehenden Gebietes sind mehrfach gegeben
worden. Die russischen Gesandtschaften durchzogen es häufig auf der Linie von
Kalgan nach Peking. Die dürftigen Beschreibungen, welche sie uns hinterlassen
haben, waren ausreichend zu einer Zeit, als man über das Land überhaupt noch
fast gar nichts wusste, sind aber für heutige Anforderungen durchaus unzureichend.
Dasselbe gilt von den Erzählungen Gerbillon's. Den ersten Anhalt zu einem
Verständniss der Bodenbildung und des Gebirgsbaues gab Pumpelly in seinem oft
genannten Werk, welches auch den Grundriss einer geologischen Karte enthält.
Für zoologische Forschung war die Reise wichtig, welche der Lazarist Armand David
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