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0404 China : vol.2
China : vol.2 / Page 404 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Eine in mancher Beziehung ähnliche Formation werden wir im südlichen China bei King-
tö-tshönn¹ kennen lernen.

Tektonik des Wu-tai-shan. — Trotz der Flüchtigkeit und Lückenhaftigkeit
meiner Aufnahme scheint es mir nicht zweifelhaft, dass ich ein sehr mächtiges Schichten-
system einmal von unten nach oben, und das andere Mal in umgekehrter Folge verquerte,
so dass in Einem Fall eine grossartige Ueberstürzung vorliegen muss. Es ist von Interesse,
das mechanische Problem derselben zu betrachten.

Die Magneteisensandsteine lagern in einem Theil des Durchschnittes zu unterst, im
anderen zu oberst. Es tritt zunächst die Frage heran, welches von beiden Verhältnissen
normal ist, und welches auf Umkehrung beruht. Auf den ersten Blick könnte der Paralle-
lismus des Fallens der Schichten im nördlichen Theil mit denen des Gneiss zu der Vermu-
thung führen, dass dort die normale Folge von unten nach oben erhalten ist. Eine Reihe
von Argumenten jedoch sprechen für das Gegentheil. Das erste beruht in dem sehr bedeu-
tenden Uebergewicht, welches der südliche Theil in Hinsicht auf stratigraphische Ent-
wickelung über den nördlichen hat; das zweite in der Einfachheit, mit welcher eine Ueber-
stürzung des letzteren erklärt werden kann, während die gegentheilige Annahme zu unlös-
baren Schwierigkeiten führt. Ein drittes dürfte in der Ueberlegung gegeben sein, dass
der überstürzte Theil die bedeutendsten Umwandlungen zeigen sollte. Solche sind für
den nördlichen in der falschen Schieferung gegeben, welche dem südlichen fehlt, ferner
in der feinen Faltung der Schichten, welche sich dort nicht findet, und in dem Vorhan-
densein senkrechter Absonderungsflächen, welche einen in der Horizontale wirkenden Sei-
tendruck anzeigen; endlich in dem Vorkommen von Quarzgängen. Auch kann man a priori
im Allgemeinen erwarten, dass die grössten Störungen zunächst der Grenze des bedeu-
tendsten Widerstandes stattgefunden haben werden. Die widerstandleistende feste Masse,
gegen welche hin der Seitendruck stattfand, ist aber in diesem Fall in den flachen Gneiss-
gewölben des Mao-tön-shan und der Nordflanke des Wu-tai-shan klar angezeigt.

Nehmen wir zum Ausgang der Betrachtung die festen Gneissgewölbe als gegeben, und
natürlich von einer die jetzige überragenden Höhe an; es kommt nicht darauf an, ob die
Wölbungen, oder mindestens die schwachen Faltungen des horizontal gelagerten Theils der-
jenigen am Wu-tai-shan, durch denselben Seitendruck gleichzeitig gebildet wurden. Zur Seite
des Gneiss lagere ein Schichtensystem, das von unten nach oben aus den Gliedern a, b, c be-
steht, wobei c die Magneteisensandsteine enthalte; und es finde ein Seitendruck von Süden
oder Südosten her statt — so konnte eine nach Norden oder Nordwesten überstürzte
Welle in solcher Weise gebildet werden, dass die Schichtgruppe c als Unterstes auf den
Gneiss zu liegen kam, während b und a mit südlichem Fallen sich anschlossen. Die
Verdrückungen, welche bei derartigen Stauungen stattzufinden pflegen, reichen vielleicht
schon hin, um zu erklären, wie ohne einen weiteren Vorgang der normal gelagerte südliche
Theil unmittelbar an den überstürzten heranreicht. Eine senkrechte Verwerfung des nor-
malen Theils nach abwärts würde dieses Verhältniss noch leichter herbeigeführt haben.
Denudation konnte die Spuren der Faltung verwischen. Mag nun die hier als möglich hin-
gestellte Bewegung, oder eine andere stattgefunden haben, jedenfalls waren lange dauernde
gewaltige mechanische Vorgänge und grossartige Abtragung geschehen, als die Ablagerung
der Sinischen Formation begann. Die horizontale Lagerung der letzteren beweist, dass
der Wu-tai-shan nachher wol noch Niveauveränderungen als Ganzes erlitten haben kann,
aber von localen Pressungen und Faltungen nicht mehr betroffen worden ist.

Ein ähnliches Lagerungsverhältniss wie wir es am Wu-tai-shan gefunden haben,
hatte ich schon einmal im östlichen Shantung, auf dem Weg von Tshifu nach Tong-
tshau-fu (s. oben Fig. 49, S. 216) zu beschreiben, und es betraf eine Formation, welche im
Alter den Wutai-Schichten nahezu parallel stehen dürfte. Obgleich Wu-shi-li-pu im Centrum
einer scheinbaren Mulde liegt, war doch die Schichtenfolge auf beiden Seiten umgekehrt.