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0449 China : vol.2
China : vol.2 / Page 449 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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von rothgelben, bröckligen, ganz horizontal gelagerten Thonen. Viele alte Halden bezeich-
nen die ehemalige Existenz von Kohlengruben bis an den Rand des Kalksteins.
Die Strasse verquert den Kalkzug in einem tiefen spaltenartigen Einschnitt, welcher
die gewölbartig-antikline Lagerung des Gesteins deutlich erkennen lässt (s. Fig. 86). Es sind
schwarze, splittrige, hornsteinfreie Kalke. Bei dem Tempel Pi-lo-sï' Fig. 85 ist die Um-
biegung der Kalke besonders gut zu sehen. Dort schliessen sich ihnen auf der Ostseite gelbe
Dolomite und Rauhwacken an, voll von Eisenerz, und wechselnd mit eisenhaltigen Sand-
steinen. Die nächsten Schichten sind verdeckt. In einigem Abstand folgt eine Zone von
Kohlengruben, in denen man schlechten Anthracit im Ausgehenden einiger Flöze gewinnt.
Westlich von dem Kalkrücken breitet sich eine langgezogene, von NO nach SW
gerichtete Lössmulde aus, welche ich schon früher¹) als ein Beispiel der häufigen eigen-
thümlichen Wasserabziehung aus Lössbecken aufführte. Wenn man sie von einer der
Höhen des Kalkzuges bei dem in einer tiefen Spalte und unter hohen Bäumen schön
gelegenen Tempel Pi-lo-sï' überblickt, so sieht man eine einzige flache Mulde mit sanft
von der Mitte ansteigenden Seiten. Es ist daher überraschend, wenn man, der Nord-
westseite des Kalkrückens entlang gehend, an mehreren tiefen Spalten, ähnlich den eben
durchwanderten, vorüberkommt und durch jede von ihnen einen Bach abfliessen sieht,
der einen Theil des Lössbeckens drainirt und sein eigenes darin eingesenktes Schluchten-
system besitzt. Die Erscheinung lässt sich nur durch die Annahme erklären, dass Klüfte
im Kalkstein eine allmälige Erweiterung durch Erosion erfahren haben, da ohne die Exi-
stenz dieser freien Durchlasspforten die Gewässer des Beckens sich mit der Ausgnung
eines Abflusscanals hätten begnügen müssen. Indessen würden auch die Klüfte diese
Function nicht ausgeübt haben, wenn das Becken mit wasserdurchlassenden Sedi-
menten erfüllt wäre, da alsdann die Gewässer dem tiefsten Niveau der Mulde zuströmen
und von ihm aus gemeinsam abfliessen würden. Nur in dem das Wasser vollkommen
durchlassenden Löss können sich auf dem flachen Boden einer Mulde neben einander
individualisirte Abflusssysteme bilden, indem die Schluchten in der früher (Bd. I. S. 113 ff.)
dargestellten Weise von den durch Einsattelungen oder durch Klüfte gebildeten Ausgangspforten
aus nach oben wachsen und sich verzweigen. Die Mulde von Pi-lo hat die ein-
fache Gestalt eines flachen Steppenbeckens und ist doch unter fünf Abflusssysteme getheilt,
von denen eines nach dem Tsin-ho gerichtet ist. Dieselben sind von einander durch
stehen gebliebene Theile der ursprünglichen Lössausfüllung getrennt; solche Scheide-
wände haben, wie ich oft beobachtete, einen langen Bestand, da sie erst dann durch-
nagt werden, wenn das Fortwachsen der Schluchten von unten nach oben bis zu ihnen
vorgedrungen ist.
Kohlen- und Eisen-District von Tai-yang. — Durch eine lange Strecke
verhüllt der Löss an der Westseite des Pi-lo-shan das Hangende des Kalkes. Aber
noch ehe man Tai-yang erreicht, hat man Gelegenheit, dasselbe in schönem Aufschluss
zu sehen. Denn dort bildet wieder anstehendes Gestein einen flachen Rücken, welcher
den Kalkzug mit dem weiter im Westen sich erhebenden Gebirge verbindet. Er besteht
aus einem Wechsel von Sandstein, bunten Thonen, gelben Dolomiten, Rauhwacke und Kalk-
stein mit Hornsteinknauern, wie am Tempel Yün-shan-sï'. Hier besonders fiel mir die
Analogie des Systems mit den Schichten auf, welche bei Po-shan-hsïen in Shantung
zwischen Kalkstein und Kohlensandsteinen liegen²). Wie dort, so werden auch hier die
Thone zur Töpferei benutzt. An beiden Orten sind die Eisenerze an die Dolomite
gebunden. Sie bilden aber keine Einlagerungen zwischen ihnen, wie überhaupt die
Gesteine dieser ganzen Reihe grossentheils nicht deutlich geschichtet sind, sondern die
auffallendsten Unregelmässigkeiten in kurzen Strecken zeigen. Hier ist die Oberfläche
des Dolomits voll von regellos gestalteten Aushöhlungen, und in diesen besonders finden
sich die Eisenerze angehäuft. Es sind Gemenge von Brauneisenstein, Rotheisen-
stein, Thoneisenstein und Spatheisenstein. Bei Tai-yang waltet letzterer
vor und durchdringt das ganze Erz. Die grosse Eisenindustrie der Gegend ist wesentlich
der dadurch bedingten Leichtflüssigkeit des Erzes und seiner Fähigkeit, ohne Zuschlag
zu schmelzen, zu verdanken.
Eisenindustrie. — Tai-yang-tshönn ist ein kleines, aber volkreiches Städt-
chen, dessen Haupterwerb in der Eisenindustrie besteht. Nicht ohne Spannung ging ich