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0465 China : vol.2
China : vol.2 / Page 465 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Die Verebnungen in den Lössschluchten, selbst in den engsten Rissen, sind stets
angebaut. Oft sieht man ein kleines dreieckiges Feld, an zwei Seiten von 200 bis
300 Fuss hohen senkrechten Wän-
den überragt, nach der dritten
von einer Stufe begrenzt, die auf
das nächst tiefere Feld 50 bis 100
Fuss abfällt. Der Feldbau an sol-
chen Stellen ist natürlich äusserst
mühsam. Dazu kommen als er-
schwerende Umstände die fort-
schreitende Veränderung in der
Gestalt des Bodens und die gänz-
liche Abhängigkeit vom Regen.
Bleibt dieser aus, oder ist er
spärlich, so wird gar keine Ernte
erzielt. Daher werden solche Fel-
der mit 3 tiau (3000 tsièn) der
mŏu verkauft, während dasselbe
Flächenmaass in der nahe gele-
genen Thalebene 30 bis 40 tiau
werth ist.
Bemerkenswerth und hier
vielfach beobachtbar ist die Ver-
zweigung der Baumwurzeln im
Löss, welche stets eine senkrechte Richtung haben und bis zu mehr als hundert Fuss
unter die Oberfläche reichen. Sie zerstören eine Lösswand bis zu einem
Baum hin, so sieht man den ganzen Wurzelstock entblösst. In einem Fall, wo die
Wurzeln frei aus einer solchen Wand herausschwebten, trieb jede von ihnen Blätter und
Blüthen.
Auch der Ueberreste ehemaliger Ortschaften sei hier gedacht. Sie finden sich in
allen durchschluchten Lössgegenden und sind an unserem Weg häufig sichtbar. Indem
eine Schlucht nach einem jenseits ihres oberen Endes liegenden Dorf von Höhlenwoh-
nungen hinanwächst, wird der Boden entzogen, von dem aus man die Höhlungen betrat.
An seiner Stelle ist eine Kluft, und wenn diese sich verbreitert, nehmen die herabstür-
zenden Schollen die Front der Höhlungen weg. Man sieht dann nur noch hoch oben
an der Wand eine Reihe offener Zellen. Dieselbe Erscheinung findet sich häufig an den
Hohlwegen. An deren Boden pflegen sich Leute, die dem Reisenden Lebensmittel
feilbieten, Wohnungen auszuhöhlen. Wird der Hohlweg tiefer, so erscheint das ehemalige
Restaurant im Lauf der Jahre in stetig wachsender Höhe über der Strasse.
Unter beständigem Wechsel der Bilder erreicht man die Passhöhe des Hsi-yau-ling,
in deren Niveau die Strasse in vielen und langen Windungen hinführt. Sie benutzt dazu
die breiten und ebenen Kammflächen verzweigter Gräten, welche die obersten Enden der
Schluchtsysteme von einander trennen und als stehengebliebene Theile der ursprüng-
lichen Fläche der Lossmulde betrachtet werden können. Erst wo die Runsen nach
Norden gerichtet sind, erkennt man, dass der Pass überschritten ist. Wieder erscheinen
die bunten Umrandungen im Boden der Schluchten. Allmälig geht es hinab in ein
Thal, das vom Hö-shan herabkommt. Ich sah hier keinen Gneiss in den Geröllен,
sondern nur Kalkstein und Dolomit. Die zahlreichen Wirthshäuser des Dorfes fonn-
tshöu sind weitläufige Lösshöhlungen, meist mit grossem, massivem Vorlau.
Der Pass Han-hsin-ling ist eine geringe Vertiefung in dem Rücken einer Lössrippe.
Der Uebergang ist noch beschwerlicher als im vorhergehenden Fall. Beim Abstieg kann
man die Kohlenschichten gut beobachten. An der Strasse selbst sind es graue und
grünliche, zum Theil sehr sandige Schieferthone in wenig geneigten Lagen. Sie führen
mehrere Kohlenflöze; doch wird Bergbau darauf erst weiter östlich getrieben. Höher
hinauf folgen bunte kohlenleere Sandsteine und Thone. Tiefer hinab kommt man, nach
Ueberschreitung von Geröllbetten und Löss, zu den liegenden Schichten. Es sind Kalk-
steine und dolomitische Rauchwacken, wie bei San-tiau-hŏ, in welliger Lagerung
und mit allgemein südlichem Einfallen. Sie bilden die Gehänge bei Ling-shi-hsièn. Das