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0469 China : vol.2
China : vol.2 / Page 469 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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kin, also mehr als das Zehnfache des Originalpreises. Neben sehr billiger Arbeitskraft
lässt ein so niedriger Preis auf der Grube auf aussergewöhnlich günstige Verhältnisse des
Vorkommens schliessen. Da die Schichtung nahezu horizontal ist, so heissen die zahl-
reichen Flöze an den Wänden der Schluchten aus und können durch einfachen Strecken-
bau ausgebeutet werden. Ihre Mächtigkeit ist verschieden. Doch wird keines von weniger
als 3 bis 5 Fuss abgebaut, und einige erreichen 8, in seltenen Fällen bis 10 Fuss. Da die
Hauptflöze von festem Sandstein überlagert werden, so genügt das Stehenlassen einzelner
Kohlenpfeiler, um dem Dach Halt zu geben, und die Gruben bedürfen keiner Zimmerung.
In Anbetracht der unerschöpflichen Menge dieses billigen Brennmaterials ist dessen
industrielle Verwerthung erstaunlich gering. Die Waffenschmieden von Tai-yüen erfreuen
sich eines uralten Rufes. Das Eisen wurde in dem in einer tiefen Schlucht 70 li west-
lich von der Hauptstadt gelegenen Wang-fong-shan gewonnen. Auch Töpfer soll
dort vorgekommen sein. Allein die Ausbeuting hat aufgehört; und man gewinnt jetzt
nur noch Schwefel, der auch in Hwang-tshang (40 li südwestlich von Tai-yüen-fu)
bereitet werden soll. Jetzt importirt man Roheisen von Yu-hsien (s. unten S. 436) und
Schmiedeeisen von Lu-ngan-fu, um den Bedarf des Thales zu decken. In der Hauptstadt
verfertigt man noch heutigen Tages Schwerter, Schussgewehre und Speere, und für die
chinesische Regierung soll die Platz als eine Art Arsenal dienen. Eine kaiserliche Pulver-
fabrik explodirte kurz vor meiner Anwesenheit, sollte aber neu aufgebaut werden.
Die Strasse führt auf einer Terrasse, welche dem Fuss des Gebirges vorliegt. Zur
Linken bietet sich ein schöner Blick auf die grosse Stadt Tai-yüen-hsien, die unten in
der fruchtbaren Ebene liegt, ein Meer von Häusern mit geschnörkelten Dächern zwischen
Bäumen. Zehn li weiter folgt der ansehnliche und belebte Marktflecken Tsin-ts-tshung.
Er liegt am Fuss des Gebirges, dessen Abfallslinie ein stumpfes Knie bildet, und ist
berühmt wegen seiner ausserordentlich starken Quellen, welche sofort eine Menge Mühlen
treiben, da das Wasser über die Terrasse abfliessen muss, um die Ebene zu erreichen.
Hier wird es auf den Feldern ausgebreitet, und der Landmann gestattet sich den im
Norden seltenen Luxus der Reiscultur. Das Reisstroh wird wiederum mit Hilfe des
Quellwassers zur Papierfabrikation benutzt, die im grössten Maassstab betrieben wird.
Sowie man um die Ecke des Abfalls liegt, hört die Terrasse auf, und man erreicht
den erträglichsten Theil des ganzen Thales von Tai-yüen. Das Gebirge hält die Nord-
winde ab, und die Sonne kommt zur vollen Wirkung. Dazu ist der Boden fruchtbar
und kann durch Brunnen leicht bewässert werden. Der Mittelpunkt dieses gerühmten
Paradieses ist der ummauerte grosse Markt Tsing-yüen-tshenn. Schon früh entdeckten
die Missionare, dass hier die edelsten Trauben reifen, und seit mehr als zwei Jahrhun-
derten bereiten sie an diesem Ort den Messwein für einen grossen Theil von China.
Bis Hwang-tiau-tiau hält sich die Strasse in der Nähe des Gebirgsabfalls, dessen
Bau nur wenig Verschiedenheit erkennen lässt. Die Schichtung ist regelmässig; die
Lagerung beinahe horizontal, selten durch geringe Biegungen unterbrochen. Bis Tsin-ts'
bilden die liegenden Kalksteine und Rauchwacken den untersten Theil der Gehänge.
Daher findet man dort die Kohlen erst weiter im Inneren des Gebirges. Allmälig senken
sich jedoch die Kalksteine und verschwinden unter dem Rand der Ebene. Die Kohlen-
schichten, aus einem Wechsel von Sandsteinen, Schiefern mit Eisenerzen, vereinzelten
Kalksteinschichten und Kohlenflözen bestehend, nehmen nun ihre Stelle ein. Damit
kommen auch die Gruben nach dem unteren Ende der Schluchten und selbst an den
äusseren Fuss des Gebirges. Die Kohlenschichten, deren Gesammtmächtigkeit ich auf
500 bis 800 Fuss schätzte, sind denen von San-tiau-hö (S. 419) ähnlich. Auch fand
ich darin die mir von dort bekannten Einlagerungen mit weissen Gehäusen von Muscheln
dicht erfüllter schwarzer kalkiger Schiefer¹). Wie dort, so sind auch hier die Kohlen-
flöze sehr zahlreich; aber die meisten derselben von äusserst geringer Mächtigkeit.
Ueber den Kohlenschichten lagern die grauen, röthlichen und grünlichen Sandsteine,
welche das Plateau bilden. Ihre Mächtigkeit beträgt hier mindestens 1200, wahrscheinlich
auch mehr als 2000 Fuss.