National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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annehmen, dass von hier aus eine grosse Bevölkerung seit Jahrtausenden mit Kochsalz
versorgt worden ist. Man versicherte mir, dass es niemals versucht worden sei, eine
tiefere Bohrung zu machen, da man es nicht verstehe, die Wände des Bohrloches zu
schützen. Die Anlage von Brunnen mit Pumpwerken würde eine unerhörte Neuerung
sein und wäre vielleicht nicht einmal zweckentsprechend, weil die an jedem einzelnen
Ort zufliessende Lauge allmälig an Salzgehalt verliert, und desshalb die Sammelpunkte in
jedem Jahr verlegt werden müssen.
Die Gesammtförderung ist jedenfalls sehr bedeutend. Es wurde mir von verschie-
denen Seiten übereinstimmend versichert, dass jede Corporation jährlich zwischen 20
und 80 ming oder »Haufen« Salz von je 30000 kin oder 361 Zollzentnern producirt.
Nimmt man 50 ming als Durchschnitt an, so würde die jährliche Production 7500 ming
oder etwas über 2,700,000 Zentner betragen. Der Eigenthümer hat für den ming eine
Abgabe von 160 Taels oder 960 Mark zu entrichten und verkauft dieselbe Quantität
für 350 Taels oder 2100 Mark; dies entspricht einem Preis von 20 tièn für das kin,
oder 6.2 Pfennig das Zollpfund. Für weiter entfernte Orte wächst der Preis schnell mit
der Länge des Weges. Der Tagelohn in den Salzwerken beträgt 90 tièn und die Kost.
Die Salzwerke von Lu-tsun versorgen das südliche und mittlere Shansi, das nörd-
liche Shensi und Theile von Kansu und Hönan. Wenn die von uns angegebene Zahl
für die Production richtig ist, so würde dieselbe für die enorme Bevölkerung kaum hin-
reichend erscheinen. Doch muss in Betracht gezogen werden, dass es in den genannten
Provinzen noch andere Bezugsquellen von Salz gibt. Wir haben selbst einzelne kleine
Salzwerke in den Ebenen von Ping-yang-fu (S. 418), Tai-yüen-fu (S. 429) und anderen
Thalbecken erwähnt, und es finden sich ähnliche Vorkommnisse noch weit herum an
analogen Lagerstätten; doch ist das Salz von allen diesen Orten von geringer Qualität,
von brauner Farbe und bitterem Geschmack, und wird daher nur von den ärmeren
Theil der Bevölkerung genossen. Die Neigung der Chinesen zum Schmuggel beraubt
selbstverständlich die Regierung eines beträchtlichen Theils der ihr zukommenden Ein-
künfte, obgleich die Controle streng ist. Der Käufer zahlt das Geld an den Producenten
vor dem Regierungsbeamten, erhält dort eine Ordre und erhebt darauf in den
Magazinen die gewünschte Quantität Salz. Es wird ihm dafür ein Pass ausgestellt, den
er bei dem Transport einer zwei Pfund übersteigenden Menge als Ausweis bei sich füh-
ren muss. Auf Defraudation ist Prügelstrafe gesetzt.
Vom Salzsee von Lu-tsun bis Tung-kwan.
Am Westende des grossen Beckens, nur 120 Fuss über dem Boden des Salzsumpfes,
und daher noch innerhalb der durch ihn bezeichnenden Einsenkung, liegt die Stadt Kiai-
tshóu, ein volkreicher Ort, an welchem sich eines der unter dem Tau-tai stehenden
Salzämter befindet. Werfen wir, ehe wir weiter gehen, einen Blick auf das schöne
Gebirge des Föng-tiau-shan, welches wegen seiner auffälligen Gestalt den Chinesen schon
in urältester Zeit bemerkenswerth erschien ¹). Mit seinen steilen Gipfeln bildet es einen
ungemein malerischen Hintergrund der Landschaft, besonders wenn man es von Yun-
tshóng aus geradeüber vom Salzsee aufsteigen sieht. Ohne durch einen einzigen tieferen
Einschnitt unterbrochen zu werden, behaart der Kamm, von dort wo er sich über dem
Ostende des Sees erhebt, bis zu seinem westlichen, unweit Pu-tshóu-fu gelegenen Ende,
eine gleichmässige Höhe von ungefähr 3000 Fuss über der Thalebene. Zuletzt stürzt
er mit einer südlichen Wendung schnell ab. Daher erscheint er bei dem Anblick aus dem
Wei-Thal als ein mächtiger Pfeiler, welcher einem noch schrofferen, dem Ta-Hua-shan,
gegenübersteht. Die beiden Berg-Colosse bilden zusammen ein gewaltiges Thor, welches
sich nur zu öffnen scheint, um dem Gelben Fluss den auf langem nordsüdlichem Lauf
gleichsam vergeblich versuchten Durchgang nach Osten, gegen das Meer hin, zu gestatten.
Wo das Gebirge in der Nähe von Hsia-hièn nach Nordosten umbiegt und den Namen
Tshu-yu-shan annimmt, steigt es zu grösserer Höhe an. Ich schätzte seine Erhebung
über der genannten Stadt auf wenigstens 4000 Fuss. Dort bildet es breite, gerundete
Gipfelmassen, und man erkennt deutlich, wie der Löss sich ungefähr bis zur Hälfte der
Höhe in seiner gewöhnlichen Muldenform hinaufzieht. Dieselbe Bodenart scheint sich
auch über einzelne tiefere Einschnitte, welche die Uebergänge nach anderen Thälern
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