National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Schon in ältester Zeit finden wir im südwestlichen Shansi einen Sitz derjenigen
Race, welche, nach unsrer früher entwickelten Annahme ¹), von Westen her die
ersten Keime der Civilisation nach China brachte und zunächst in Shensi herrschend
wurde. Von hier musste die Ausbreitung naturgemäss durch das offene Thor
nach dem Becken von Kiai-tshöu, und von dort aus nordwärts, stattfinden. Kaiser
Yau regierte, nach alter Tradition, in Ping-yang-fu, welches der Centralpunkt
seines väterlichen Erbtheils, des Staates Ki, war. Der letztere wird in dem Buch
Yü-kung unter dem Namen Ki-tshöu als kaiserliche Domaine beschrieben; er
umfasste, ausser dem um die genannte Stadt sich ausbreitenden weiten Lössbecken,
die südlich davon gelegenen fruchtbaren Gegenden, und von den nördlicheren
Gegenden stand wahrscheinlich das Thal von Tai-yüen in einem Botmässigkeits-
verhältniss. Der Ho, d. i. der Gelbe Fluss, begrenzte die Provinz im Westen,
Süden und Osten. Indess war bei Weitem der grösste Theil des Landes von
Urstämmen bewohnt, welche noch lange einen hohen Grad von Selbständigkeit
wahrten. Gänzlich unabhängige Stämme, über die wir erst in weit späterer Zeit etwas
erfahren, lebten jenseits der nördlichen Grenzen, d. i. jenseits Tai-yüen. Der Boden
der Provinz wird als weisslich und mürbe bezeichnet, welches in der That die
augenfälligsten Merkmale des See-Löss in den grossen Thalebenen sind. Die
Thatsache, dass die Abgaben an die Centralregierung grösser waren als in irgend
einer anderen Provinz, suchten wir aus dem Umstand zu erklären, dass hier
ausschliesslich in den kaiserlichen Schatz flossen, während anderwärts ein Theil an
die Lehnsfürsten gezahlt wurde.
Als über ein Jahrtausend später die Tshou-Dynastie zur Regierung kam, fin-
den wir bei der Eintheilung des Landes abermals die Provinz Ki erwähnt, welche
alles Land innerhalb der grossen Biegung des Gelben Flusses bis zu seinem im
Osten des Tai-hang-shan nach Norden gerichteten Lauf umfasste. Während aber
früher der Fluss bis zu seiner im Osten von Tien-tsin gelegenen Mündung die
Grenze von Ki gebildet hatte, bespülte er jetzt in seinem Unterlauf die neue Pro-
vinz Ping, welche das von dem heiligen Berg Hong-shan beherrschte (jetzt zur
Provinz Tshili gehörige) Flachland und einen nicht mehr bestimmbaren Theil des
im Westen daran grenzenden Gebirgslandes umfasste. Kaiser Wu-wang hatte bei
seiner Thronbesteigung (1122 v. Chr.) die Provinz Ki unter dem Namen des Für-
stenthums Tshin seinem Schwiegersohn gegeben. Nach wenigen Jahrhunderten
verschwand das verwandtschaftliche Band, und die Fürsten von Tshin gehörten zu
den grössten Feinden der kaiserlichen Macht. Unter den uransässigen Stämmen,
mit welchen sie einen Kampf durch Jahrhunderte unterhielten, gelangten zu beson-
derer Macht und Stärke die Ti-Barbaren, welche sich in die Rothen Ti und die
Weissen Ti schieden und ihre Wohnsitze in den Engen des Sandsteinplateaus am
Tsin-Fluss und in den fruchtbaren Gegenden der östlichen Anthracit-Terrasse,
insbesondere des Bezirkes Lu-ngan-fu, hatten. Sie machten Einfälle östlich hinab
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