National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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Furche des Hwang-hô ausbreitet, so erheben sich, wie die Pfosten eines Riesen-
thores, zwei mächtige Granitpfeiler, der Hwa-shan zur Rechten, der letzte Ausläufer
des Fông-tiau-shan zur Linken. Sie wurden, wie die Sage meldet, in der Urzeit
von einem Riesen auseinandergespalten, um dem Hwang-hô Durchgang zu gewähren.
Vom Fông-tiau-shan zieht eine langgedehnte Abdachung von Löss nach Süden
herab. An der tiefsten Stelle bricht sie steil ab nach der Furche des Stromes,
um jenseits eben so steil, zum Theil mit senkrechten Wänden, wieder anzusteigen;
hoch über dem Ort wo die Festung steht, sieht man den Boden der chema-
ligen Steppenmulde in der Fortsetzung der nördlichen Abdachung gegen Süden
hinanzichen nach einem Gebirgszug, welcher weiter zurückliegt als der Hwa-shan.
Von da setzt die Steppenmulde, scheinbar ebenflächig, und doch vom Hwang-hô
und seinen beiderseitigen Zuflüssen steil und schroff durchschnitten, nach Osten
fort. Aber nicht nach Westen. Hier ist der Löss abgebrochen. Vom Fông-tiau-shan
zieht er auch nach Westen lang herab. Bei Tung-kwan setzt er in steilen Staffeln
ab; rechts (südlich) davon folgen wieder längere terrassirte Gehänge.
Ganz anders ist das Bild, wenn wir den Blick nach Westen richten. Endlos
breitet sich ebenes Land aus. Nach Norden steigt es allmälig und für das Auge
kaum bemerkbar an, im Süden wird der Blick von den steilen Gehängen des Hwa-
shan und seiner westlichen Fortsetzung begrenzt. Ein Netz von Fahrstrassen
erstreckt sich durch das flache Land.
Es ist nicht nur der Provinzname, welcher wechselt. Wir sind in der That
in einem anderen Land angekommen. Uralte Namen klingen aus grauer Vergan-
genheit in die Gegenwart hinüber. Es ist der ehrwürdigste Boden chinesischer
Geschichte, den wir betreten haben. Hier ist die Provinz Yung, welche zur Zeit
der Abfassung des Yü-kung sich bis nach der Yü-mönn-Passage ausdehnte, später
aber nur noch den Haupttheil des Wéi-Thales umfasste¹). Im Centrum dieses
Thales stand Tshang-ngan, zu wiederholten Malen, und in Perioden hohen Glanzes,
die Capitale von China. Einst war das culturbringende Volk wahrscheinlich aus
fernem Westen über die Yü-mönn-Passage hierher gekommen. In den Weizen-
ländern des Wéi-Thales siedelte es sich an. Bald breitete es sich nach dem süd-
westlichen Shansi aus, wo Kaiser Yau bei Ping-yang-fu residirt haben soll. Dann
nahm es von hier aus, über Lô-yang (Ho-nan-fu) hinweg, östlichere Gegenden in
Besitz. Wie ehemals die Wanderungen von Westen her erfolgt waren, und in einer
späteren Zeit die Lage des Herrschersitzes im Thal des Wéi an jene Episoden der
chinesischen Geschichte geknüpft war, welche durch die Ausbreitung der Macht-
sphäre nach den Pamir-Pässen und dem Kaspischen Meer bezeichnet sind, so findet
der Reisende, wenn er jetzt diese Gegend erreicht, unwillkürlich seinen Blick nach
Westen gerichtet. Bei einem thätigen Volk von regem und gewecktem Geist, das
aber durch keinerlei Art von Unterricht, Zeitungslectüre, geographischen Handbüchern
oder praktischer Erfahrung ein Bewusstsein von seiner Stellung im Weltverkehr und
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