National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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dass die langen nach Süden gerichteten Thäler, je weiter man ihnen abwärts folgt, desto
enger, steilwandiger und wilder werden. Wir haben von Tung-ho-kiau an den höchsten
Theil des Gebirges verlassen. An die Stelle der sanften aber grossen und erhabenen
Berge der wasserscheidenden Zone sind andere getreten, welche eine geringere Meeres-
höhe, wahrscheinlich in den Kämmen nicht mehr als 7 bis 8000 Fuss, haben und, wenn
man sie von höheren Punkten aus überblicken könnte, vermuthlich das Bild eines an die
Hauptkette sich anlehnenden, im Einzelnen zwar mannigfach durchschnittenen und gestal-
tenreichen, im Allgemeinen aber gleichförmig hochvelligen Hügellandes bieten würden.
Die Aussichten von dem Pass Tün-tsha-ling nach Süden und von dem Fäng-ling nach
Norden zeigen beschränkte Theile dieses Bildes. Es fehlen schroffe, zackige Gipfel in
den Kämmen und Steilabstürze in den oberen Gehängen. Letztere ziehen oft bis zum
Boden der in bedeutenden Meereshöhen liegenden Thäler sanft herab; zum Theil aber,
und, wie es scheint, besonders wo der Abfluss quer gegen das Schichtenstreichen gerichtet
ist, haben die Gewässer in dem Boden der sanften Mulden tiefe rinnenartige Schluchten
gegraben, in welchen der wilde Charakter des Gebirgsüberganges sich geltend zu machen
beginnt. Je weiter hinab, desto tiefer sind die Furchen eingeschnitten, desto grossartiger
wird ihre Umgebung. Schon in der jetzt zu beschreibenden Strecke, also noch sehr weit von
dem Südfuss des Gebirges entfernt, machen die sanfteren Böschungen, mit welchen weiter
oben die Gehänge des Thales sich bis zu dessen Boden herabzogen, steileren Wänden
Platz, der Alluvialboden verschwindet vollständig. Hier tritt dazu, theils die Steilheit
vermehrend, theils die Formen ausgleichend, noch ein anderes Element, nämlich der
Löss, dem wir zum letzten Mal in typischer Entwickelung begegnen. Er steigt mit
senkrechten Wänden aus dem Thalgrund an und setzt zwischen den felsigen Vorsprüngen
den grössten Theil der Gehänge zusammen. Stellenweise, wie zwischen Pui-kia-tün und
Pui-shi-pu, treten die Felsen auf grössere Ersteckung zu einer so engen Kluft zusammen,
dass auch für ihn wenig Raum vorhanden ist.
Bis 10 li vor Fäng-hsien halten die mit Wahrscheinlichkeit der Wutai-Formation
zuzuweisenden grünen Schiefer an. Nur einmal erleiden sie eine bemerkenswerte Unter-
brechung durch eine von ihnen gänzlich verschiedene Schichtmasse. Auf das Vorkommen
derselben war ich zuerst durch den Umstand vorbereitet worden, dass in Thau-liang-yi
Anthracit als Brennmaterial verwendet wurde und derselbe aus den Bergen im Osten
des Ortes stammen sollte. Bei demselben Dorf kommen von den benachbarten Bergen
zahlreiche Gerölle von sehr feinkörnig krystallinischem weissem
Kalkstein herab, welcher gröstentheils von kleinen krystalli-
nischen Blättchen von Graphit erfüllt ist. An dem Weg nach
Süden mehren sich die Bruchstücke, obwohl noch immer
grüne Schiefer anstehen. Endlich erscheint, 16 li von dem
Dorf, der Kalkstein in deutlicher, stark aufgebogener Schich-
tung. An einer Stelle vermochte ich es zweifellos zu beob-
achten, dass er die grünen Schiefer abnorm überlagert. Bei
Pui-kia-tien verschwindet das ganz örtlich aufgesetzte Gebilde.
Zu meiner Ueberraschung führt dieser Kalkstein das Anthra-
citflöz. Einst wurde an Tung-shi selbst, dicht am Weg, Bergbau
darauf getrieben; jetzt wird es an einigen weiter entlegenen
Stellen abgebaut.
Die grünen Schiefer behalten ihre vorher bezeichnete Streichrichtung bei und fallen 60
bis 80° nach S.W. Vermuthlich wird sich in der anscheinend ungemein mächtigen Formation
durch genaueres Studium eine Gliederung ausführen lassen. Bei der flüchtigen Durch-
streifung der Gegend schnitt der Löss häufig die Aufschlüsse ab und verhinderte fortgesetzte
Beobachtung. Im südlichsten Theil der Zone treten Serpentinschiefer auf. Schliesslich
stehen Schichtencomplexe von rothen schieferigen Gesteinen und Conglomeraten mit
schieferigem Bindemittel an, dazu typische Grauwackengesteine von dunkelgraugrüner
Farbe. Da aber in diesem Theil flach nördliches Fallen an die Stelle des steil nach
Süden gerichteten tritt, so glaube ich nicht, dass diese Schichten der Wutai-Formation
angehören.
Kurz vor Fäng-hsien ändert sich der ganze Gebirgsbau vollständig. Horizontal
gelagerte Kalksteine von grauer Färbung, ohne Spuren von Metamorphismus, bilden die
Thalwände zu beiden Seiten. Ihre steilen Abbrüche lassen starke Auswitterung und die
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