National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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beschrieben; noch deutlicher ergibt es sich aus dem Umstand, dass an dem ganzen
Weg schroffe Engschluchten mit sanfteren und angebauten Gehängen wechseln.
Wenn z. B. oberhalb Lung-ngan-fu nur Kalkstein genannt ist, zugleich aber gesagt
wird, dass alle Gehänge von weniger als 30 Grad Neigung angebaut sind und dass
weiter hinab der Tung-Oel-Baum gepflanzt wird, so müssen wir auf das Vorhan-
densein thoniger Gesteine neben dem Kalkstein schliessen. Da nun überdies das
ganze Gebiet die unmittelbare Fortsetzung des von uns zwischen Han-tshung-fu
und Kwang-yuén-hsien durchwanderten Faltungsgebirges bildet, so dürfte der
Schluss gerechtfertigt sein, dass Formationen und Faltungscharakter sich im Allge-
meinen gleich bleiben.
Noch ein zweites Ergebniss ist von Wichtigkeit. Man könnte voraussetzen,
dass, wo die nach den beiden verschiedenen Streichrichtungen divergirenden Ge-
birge in ihren extremen Gliedern so weit von einander entfernt sind, wie im
104ten Meridian, eine bedeutende Auflockerung stattfinden, vielleicht sogar ein
grosses Depressionsgebiet zwischen den Hauptstämmen eingeschlossen sein könnte,
wie wir es z. B. zwischen den Zügen der Alpen und der sich ihnen anschauenden
dinarischen Gebirge finden. Es ist jedoch das Gegentheil der Fall. Je weiter die
divergirenden Schenkel auseinandergehen, desto mehr füllt sich der Raum zwischen
ihnen mit Hochgebirgsketten, und zu desto grösseren Meereshöhen schreiten wir
vor. Die Schwierigkeiten der Uebersteigung wachsen daher nicht in dem einfachen
Verhältniss der Verbreiterung des Gebirgsland eingenommenen Raumes, son-
dern werden durch die zunehmende Höhe und Schroffheit der Ketten gesteigert,
und nur die tiefe und gewaltige Erosion, welche durch den Wasserreichthum der
von den Hochgebirgen gespeisten Flüsse begünstigt wird, macht es möglich, die-
selben zu überwinden. Gill schätzt die Höhe einiger Gebirge im Osten des Min-
kiang auf 18000 bis 20000 Fuss. Weiter nördlich beträgt sie wahrscheinlich noch
mehr, und an einzelnen Stellen scheint Vergletscherung vorzukommen¹). Sung-
pan-ting gilt als der Ausgangspunkt der beschwerlichsten Gebirgsübergänge. Es
wurde mir erzählt, dass Kaufleute von dort mit Packthieren nach Hsi-ning-fu gehen.
Die Entfernung in einer directen Linie beträgt nur 280 g. Meilen, würde sie sich also
auf gewöhnlicher Strasse in 12 Tagen zurücklegen lassen. Doch soll es eines
ganzen Sommers bedürfen, um hin zu kommen und eines zweiten, um zurückzu-
kehren. Die Beschwerden der Reise wurden mir als ausserordentlich beschrieben,
und häufig sollen die Waaren vollständig verloren gehen. Gill hörte in Sung-
pan-ting, dass die Reise nach Khukhunoor drei Monate in Anspruch nehme, ebenso
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