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0689 China : vol.2
China : vol.2 / Page 689 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Gehen wir auf das Anfangsstadium der Sedimentbildung auf dieser grossen
Scholle zurück, so erkennen wir den Boden, auf welchem die Ablagerung der
tiefsten Sinischen Schichten geschah, als eine Fläche mariner Denudation. Denn
er schneidet in Ebenen, welche über grosse Gebiete nahezu horizontal waren, die
Faltungen der älteren Gebilde ab; in einzelnen Zügen, Kämmen und Gipfeln aber ragten
festere Theile derselben über die Fläche auf¹). Da zu diesem beinahe vollkommenen
Abschleifen von Gebieten, welche vorher in hohem Grad gebirgig gewesen sein
müssen, eine sehr lange Periode erforderlich war, so werden wir in eine bedeutend
frühere Zeit versetzt, wenn wir die archaischen Gebilde des Grundgebirges betrach-
ten. Diese sind zusammengefaltet. Der Urgneiss bewahrt über weite Striche ein
gleichmässiges, steiles Einfallen und eine constante Streichrichtung (N 30° W)²),
während die ihm folgenden mächtigen Ablagerungen krystallinischer Schiefer in Shan-
tung und Liaütung, sowie im nördlichen Tshili und Shansi, nach den Richtungen
WSW—ONO und SW—NO gefaltet sind³).

Die Sinische Streichrichtung war im nördlichen China mithin in archaischer
Zeit vorgezeichnet und in den der letzteren angehörigen tektonischen Bewegungen
deutlich entwickelt. Wie sie die innere Structur des Grundbaues beherrscht, so
lässt sie sich auch in einem Theil der Brüche und Verwerfungen erkennen, welche
der Sinischen Periode folgten. Ich erinnere insbesondere an die grossartigen, da-
durch herbeigeführten Aenderungen im Norden von Peking, wo sich nach dem
Abschluss der genannten Periode der im Nankóu-Gebirge ausgeprägte, von SW
nach NO streichende Continentalrand bildete, und andere Bruchlinien ihm parallel
verliefenⁿ).

Die Kwenlun-Linie. — Den von SW nach NO gerichteten archaischen
Faltungen des nördlichen China stand schon in sehr früher Zeit eine von WzN nach
OzS gerichtete Linie gegenüber, welche die Nordgrenze der Region bildete, durch
deren Zusammenfaltung der Kwenlun emporstieg. Ob wir sie uns in ihren ersten
Stadien als eine geradlinige Verwerfungskluft vorzustellen haben, lässt sich kaum
festsetzen. Ihre Existenz tritt in der Zeit der Sinischen Ablagerungen hervor, indem
diese nördlich von der Fusslinie des Kwenlun allenthalben entwickelt sind, inner-
halb des Gebirges aber und in den zunächst südlich angrenzenden Gegenden fehlen.
Wir werden ihrer massenhaften Ausbildung erst im südöstlichen China wieder
begegnen. Bei dem gegenwärtigen Stand der Kenntniss steht nichts der Annahme
entgegen, dass während der Sinischen Periode im Süden der Kwenlun-Linie ein