National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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nung vorhanden sei. Aus den Beschreibungen, welche der Jesuit Gerbillon von
seinen Reisen mit Kang-hsi gegeben hat, sowie aus einigen von diesem Kaiser selbst
stammenden Worten, können wir entnehmen, dass man vom Gelben Fluss durch enge
Lössschluchten und wahrscheinlich auch durch felsiges Gebirge bis jenseits der
Grossen Mauer ansteigt, dann aber sich auf Hochflächen befindet, welche zum
Theil Steppe und zum Theil sandige Wüste sind¹). Die Berichte des Jesuiten-
paters waren bisher die einzige Quelle unserer Kenntniss über den Südrand des
Ordos-Landes. Erst vor wenigen Jahren unternahm das verdienstvolle Mitglied
der belgischen Mission von Hsi-ying-tsê²), Herr Verlinden, einen Ritt in diese
Gegenden. Ich entnehme seinen Privatnachrichten, dass er die jenseits der Mauer
liegenden ausgedehnten Quellgebiete der Flüsse als ein welliges Steppenland fand,
in welchem die Chinesen mit ihrem Ackerbau vorgedrungen waren, gerade wie sie
es weiter östlich gethan haben³).
Es ist nun erklärlich, dass Kang-hsi, um von der Fähre über den Gelben Fluss
bei Pau-fo-tshön nach Ning-hsia-fu zu gelangen, in das Land jenseits der Grossen
Mauer hinanstieg, dann nördlich von dieser nach Südwesten ging und erst dort, wo
dieselbe sich nordwestlich wendet und abflussloses Land durchzieht, an ihrer Süd-
seite weiter reiste. Wir erhalten, wie dies Ritter mit klarem Blick folgerte, das
Bild, dass entlang der ganzen Strecke, wo die Mauer nach Südwesten zieht, die
Grenze sehr gebirgig, von ihrer Biegung an aber das Land offen ist. In der
gebirgigen Strecke reihen sich befestigte Garnisonplätze in kurzen Zwischenräumen
aneinander. Einige von ihnen waren zu Gerbillon's Zeit Marktorte, wo die Mon-
golen ihre Landesproducte, besonders diejenigen der Viehzucht, gegen die Er-
zeugnisse China's austauschten. Wahrscheinlich setzt die Gebirgsbarrière weiter
nach Südwesten fort. Hier kam es darauf an, die Mauer auf dem kürzesten Weg
nordwestlich fortzuführen, um Ning-hsia-fu, als den wichtigsten Grenzplatz, zu um-
schliessen.
Die letztgenannte Strecke der Mauer bringt einen kleinen Theil des abfluss-
losen Gebietes zu China. Sehr viel grösser ist derjenige Theil, welcher wenigstens
nominell das Land der Ordos-Mongolen bildet. Wir haben uns das letztere als
ein von Südost nach Nordwest sich abdachendes Land vorzustellen, welches sich
aber gleichzeitig in seiner Gesammtheit von Südwest nach Nordost senkt. Im
Norden und Westen scheint es durch grosse Bruchränder begrenzt zu sein, indem
dort die lange und hohe Mauer des steinkohlenreichen Yin-shan aufsteigt, hier aber
das noch weit höhere A-la-shan-Gebirge sich erhebt. In dem Winkel zwischen
beiden ist wahrscheinlich die tiefste Senke, so dass der Hwang-hô, welcher beiden
Bruchlinien folgt, hier ein ehemaliges, weit ausgedehntes Seebecken mit seinen Allu-
vien erfüllen konnte. Noch jetzt durchfliesst er das Schwemmland in zahlreichen, oft
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