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0721 China : vol.2
China : vol.2 / Page 721 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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Mohamedaner im April 1871 einnahm. Dies war Kin-ki-pu, ein Ort am rechten Ufer
des Gelben Flusses, ungefähr 100 li südlich von Ning-hsia-fu, und eben so weit
von der Grossen Mauer entfernt. Die Mohamedaner hatten ihn seit ihrer Ansiede-
lung auf chinesischem Boden innegehabt. Später hatten sie sich der Stadt Hö-tshöu
bemächtigt, welche 200 li südwestlich von Lan-tshön-fu in einem von hohen Ge-
birgen eingeschlossenen Engthal liegt und angeblich nur auf schmalen Fusspfaden
über Felsgebirge erreicht werden kann. Dieser Platz ist seit mehreren Jahrhun-
derten der Brutheerd für alle mohamedanischen, gegen die Chinesen gerichteten
Bewegungen gewesen. Auch jetzt war er der Brennpunkt der Macht der Rebellen,
und seine Einnahme musste das Hauptziel der Operationen sein; denn dadurch
erst konnte man sich den Weg aus dem eigentlichen China hinaus nach Central-
Asien freilegen. Da nun Lan-tshóu-fu und Ning-hsia-fu nie von den Rebellen
genommen worden waren, so hatte die kaiserliche Armee bedeutende Stützpunkte,
um diesen wichtigen Schritt auszuführen. Nach Allem was mir die Chinesen selbst
erzählten, war die Tapferkeit auf der Seite der Mohamedaner, welche stets kampfes-
muthig und mit Todesverachtung vorgingen. Bei schlechter Bewaffnung waren
sie doch sichere Schützen, und sie besassen sehr gute Pferde. Sie konnten daher
trotz ihrer geringen Zahl eine Armee im Schach halten, welcher vor Allem der mili-
tärische Geist, die Disciplin und der Muth zum Angriff gebrach. Hätten auch
mit der Zeit die einer fast unbegrenzten Vermehrung fähigen Massen den Sieg
davon tragen müssen, so konnte doch ein Erfolg erheblich beschleunigt werden,
wenn besser disciplinirte und gut bewaffnete Truppen unter energischer Führung
nach Kansu kamen.

Dies bereitete sich gerade während meiner Reise nach Shensi vor. Der un-
fähige Liu, welcher anderthalb Jahre damit verbracht hatte, mit Li-HUNG-TSHANG's
Truppen die Provinz frei von Feinden zu halten, erhielt den Befehl, mit 9000 Mann
derselben nach Tien-tsin zurückzukehren, und an seine Stelle wurde Tso-TSUNG-
TANG gesetzt, welcher zugleich, als Generalgouverneur von Shensi und Kansu, den
Befehl über den Rest von 11000 Mann europäisch bewaffneter Truppen und über
die in Kansu befindliche Armee erhielt. Als ich nach Hwa-tshön kam, fand eben die
Begegnung der beiden Feldherrn statt, und Tso übernahm von Liu die Amtssiegel,
als äusseren Ausdruck des Wechsels im Commando. Das Vertrauen in ihn war
gross, und es konnte mir nicht zweifelhaft sein, dass die im Verhältniss zu sonstigen
chinesischen Truppen gut disciplinirten Soldaten unter seiner Führung schnelle und
glänzende Erfolge erringen, Hö-tshóu nehmen, den Weg nach Su-tshön am Thor
Kia-yü-kwon freilegen und von hier aus in weiterem Verfolg die verlorenen Länder
in Central-Asien zurückerobern würden. Diese Erwartung wurde weit übertroffen
durch die Kürze der Zeit, in welcher Tso-TSUNG-TANG seinen siegreichen Feldzug
ausgeführt hat¹). Er hat sich zwar durch die summarische Vernichtung seiner