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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0722 |
China : vol.2 |
| 中国 : vol.2 |
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Feinde und die Grausamkeit gegen ihre Führer als ein echter Sohn des Reiches
der Mitte erwiesen; aber seine Energie, sein Feldherrntalent, welches er in der
Führung grosser Truppenmassen durch die unwirthlichsten Länder, weit von seinen
Stützpunkten entfernt, gezeigt hat, und seine klugen Verwaltungsmaassregeln, welche
er in den ausgedehnten, ihm untergebenen Gegenden einführt hat, sichern ihm
die Anerkennung als eines Mannes von ungewöhnlicher Befähigung.
In welchem Maass das nördliche Shensi und Kansu durch die mohamedanische
Rebellion gelitten haben, wird sich durch Zahlen nie ausdrücken lassen. Wer es
nicht selbst gesehen hat, kann sich keine Vorstellung von den Verwüstungen
machen, welche sie mit sich gebracht hat. Die Rebellen haben, nach der Ermor-
dung der Bewohner und dem Niederbrennen aller Ortschaften, mit Ausnahme einer
kleinen Zahl fester Städte, Zeit und Zerstörungswuth genug gehabt, um auch die-
jenigen festeren Gebäude, welche nach der Verbrennung zurückblieben, vollständig
zu vernichten. Selbst die Lösswohnungen wurden nicht geschont, wenn auch hier
nur die gemauerten Fronten zerstört werden konnten.
Die Trümmer der Ortschaften liessen erkennen, dass die Bewohner von Nord-
Shensi das gesellig zusammengedrängte Wohnen liebten. Dies schien mir über-
haupt ein Merkmal aller derjenigen Gegenden zu sein, wo die Aushöhlung im
Löss die ursprüngliche Form der Behausung ist. Diese Zellen finden sich in der
Regel in bienenstockartiger Gruppirung, und ebenso bildeten die auf ebenem Boden
freistehenden Dörfer, deren manches seine Einwohner nach tausenden gezählt hatte,
dichtgedrängte Häuserschwärme. Es ist dies ein Gegensatz zu lössfreien Gegenden,
wo die isolirten Gehöfte und Wohnhäuser, oder die kleinen Weiler den herrschen-
den Zug im Charakter bilden. Wir werden diesen in dem ganz gebirgigen Sz'-tshwan
am meisten ausgeprägt sehen. Aber er zeigt sich auch in der Ebene, wie wir
es z. B. im nördlichen Kiangsu gefunden haben¹).
Jetzt war in manchem vormals grossen Dorf eine kleine Anzahl von Häusern
wiederhergestellt worden. Wo früher Städte gewesen waren, siedelten sich die
Bewohner nicht gern innerhalb der geschlossenen Mauern, sondern mit Vor-
liebe ausserhalb der Thore in den Vorstädten an. Die meiste Anziehungskraft
übten die Marktflecke, wo zuweilen eine erhebliche Neubesiedelung hergestellt war.
Der Geist der Bevölkerung war keineswegs gedrückt, wie man es nach so vielen Jahren
des Unglücks hätte erwarten können. Alle genossen das Wohlleben, welches ihnen
die reichliche und billige Feldfrucht ermöglichte. Der Aufenthalt unter diesen
Menschen war jedoch nicht angenehm. Während im nördlichen Hönan die unzähl-
baren Volksmassen, die mich an jedem Ort umwogten, durch ihre ausserordentliche
Gutmüthigkeit und Harmlosigkeit für das Ungemach versöhnten, das sie dem Rei-
senden bereiteten, und während in Shansi eine intelligente, häufig mit scheuer
Achtung verbundene Reserve bemerkbar war, glaubte ich mit dem ersten Schritt
auf dem Boden von Shensi einen Hass gegen den Europäer wahrzunehmen. Aller-
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