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0724 China : vol.2
China : vol.2 / Page 724 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000260
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weg über einen Pass von geringer Hohe fortzusetzen. Es ist die einzige natürliche
Verbindungsstrasse des Wei-Thales mit den productiven Gegenden des südöstlichen
China und dem Netz continuirlicher Wasserstrassen, welches dasselbe durchzieht;
daher von höchster strategischer Bedeutung für jeden Beherrscher des Wei-Thales,
und von nicht geringer Wichtigkeit im Verkehrsleben. Dort wo diese Strasse in
das Wei-Thal einmündet, liegt Hsi-ngan-fu. Wäre die Mauer des Tsinling-Gebirges
nicht unterbrochen, so würden andere Factoren für die Wahl der Lage der Haupt-
stadt in diesem Thal gesprochen haben. Alle treten an Bedeutung weit zurück gegen
den Einfluss, welchen die durch jene Lücke führende Verkehrsstrasse ausüben musste.
Das Wei-Thal gleicht dem Gestade eines nach Westen sich erstreckenden Meeres,
durch welches von hier aus die Schiffahrtswege der Karawanen nach den fernsten
Gebieten führen. Der Tsin-ling-shan und der Kwenlun sind die fest geschlossene
Küste desselben gegen Süden, die Gebirge von Shansi begrenzen es gegen Osten;
das Thor von Tung-kwan ist wie eine Meerenge, durch welche der Weg nach
einem anderen Verkehrsmeer führt. Die Strasse über Shang-tshóu und Lan-hô-
kóu hingegen ist der einzige Riesenstrom, welcher von der wichtigsten Richtung, von
Süden, her in dieses Meer mündet. Die Stelle seiner Einmündung bestimmte die
Lage eines natürlichen Emporiums, welches sich durch alle Zeiten hindurch erhielt.
Die Geschichte von Hsi-ngan-fu würde einen ungewohnlich lehrreichen Gegen-
stand eingehenden Studiums bilden, und zwar nicht sowohl der trockene Chronik,
wie sie sich chinesischen Geschichtsbüchern entnehmen lässt, als vielmehr ihre
politische, culturelle und commercielle Rolle, wie sie aus der Vergleichung
der Geschichtsquellen der benachbarten und in westlicher Richtung auch der ent-
legensten Länder ergeben würde. In der ältesten Zeit ist es nur das Thal des
Wei als Gesammtheit, dessen hohe Bedeutung wir zu erkennen vermögen, und
zwar einschliesslich seiner Dependenzen in Shansi. Es sind uns die Namen von
Landschaften, neben denen der Berge und Flüsse, aufbewahrt, aber keine Angabe
lässt sich auf Städtegründungen beziehen. China war ein Bund von Kleinstaaten,
deren Suprematie wechselte, bis Yü die erbliche Dynastie der Hsia gründete.
In den langen Zeiten dieser und der folgenden Dynastie, der Shang, bleibt das
Thal des Wei der Mittelpunkt des Reiches. Alterthümer aus diesen Perioden
werden bei Fóng-tsiang-fu und Hsi-ngan-fu gefunden. Die Fürsten von Tshóu waren
in Pin und Ki erstarkt¹), um dann vom Ende des 12. Jahrhunderts v. Chr. an als wirk-
liche oder präsumtive Beherrscher des gesammten Reiches durch mehrere Jahrhun-
derte ihre Residenz in Tshang-ngan²), dem jetzigen Hsi-ngan-fu, zu nehmen.