National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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einem Gesammtbild übersichtlich zusammenzufassen. Wir begegnen von vorn her-
ein einer Schwierigkeit hinsichtlich der chronologischen Gliederung. Die früher im
Einzelnen gegebenen Schlussfolgerungen liessen leicht für jede Gegend eine Reihe
von Phasen in der Gestaltungsgeschichte erkennen. Wenn wir aber den Versuch
machen, allgemein gültige tektonische Perioden zu unterscheiden, so ergeht es
uns ähnlich wie dem Historiker bei dem Versuch, die Weltgeschichte in Perioden
einzutheilen, indem die Phasen, welche für ein Volk oder eine Gruppe von Völkern
gelten, sich für eine andere Gruppe nicht anwenden lassen. Insbesondere macht
sich der grosse Gegensatz zwischen den nördlich und südlich von dem Kwenlun
gelegenen Gegenden bemerkbar. Im nördlichen China lässt sich ein aus archaischen
Formationen bestehendes, durch und durch gefaltetes Grundgerüst von der Decke
der aufgelagerten Sedimentformationen, welche nur geringe Störungen erfahren haben,
scharf unterscheiden. Im südlichen China hingegen hat der grössere Theil der
paläozoischen Gebilde eine ähnliche Faltung erlitten, wie im Norden die noch
älteren Gesteine. Erst die letzten paläozoischen und die mesozoischen Sedimente,
so weit sie vertreten sind, haben auch im Süden an derartigen Bewegungen nur noch
geringen Antheil gehabt. Jeder der beiden Erdräume hat also Perioden durchgemacht,
in welchen die bewegenden Kräfte sich in Stauungen des betreffenden Erdrinden-
theils selbst manifestirten, und wurde dadurch in seinem Bestand so verfestigt, dass
er von einem gewissen Zeitpunkt an eine neutrale, nur in ihrer Gesammtheit noch
Bewegungen und Zerklüftungen unterliegende Scholle darstellte. Die Zeitgrenze
zwischen den in dieser Weise bezeichneten zwei Hauptphasen in der geologischen
Geschichte der beiden Erdräume war aber im Norden und Süden nicht dieselbe,
sondern ist hier bedeutend später eingetreten als dort. Da indessen die letzte
Faltungsepoche des Südens mit einer Zeit grosser Schollenbewegungen im Norden
zusammenfällt, und da die im Norden ungestört gebliebenen Sedimente auch im
Norden, wenn gleich nur schwach, vertreten sind, so können wir für die Tektonik
von China überhaupt eine Dreitheilung durchführen. Wir unterscheiden:
A) eine erste Hauptperiode, welche die Bildung der archaischen Formationen
und ihre Zusammenfaltung umfasst;
B) eine zweite Hauptperiode, welche mit der Ablagerung der in ihrem obersten
Theil die Primordialfauna führenden Sinischen Gebilde beginnt und bis über
das Ende der Steinkohlenperiode hinausreicht;
C) eine dritte Hauptperiode, deren Eintritt im Norden und Süden nicht genau
gleichzeitig ist. Sie beginnt im Norden mit der dauernden Emporhebung des
ganzen Gebietes nach der Ablagerung von Schichten, welche ungefähr dem
Rothliegenden entsprechen, im Süden mit der Zusammenfaltung des ganzen
Gebietes und der Trockenlegung des grösseren Theils nach Schluss der Stein-
kohlenperiode und vor Beginn des Permischen Zeitalters. Sie reicht bis in
unsere Zeit. Auch in ihr haben noch bedeutende tektonische Vorgänge
stattgefunden.
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