National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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gehörigen Erdraum an, welcher in Folge der Kenntniss, die wir von seinem inneren
Bau besitzen, die Erscheinung der regionalen Abrasion in unübertroffener Deutlich-
keit zeigt. Es ist das im Allgemeinen auf der Höhe ebenflächig abgegrenzte, zum
Theil durch tief eingefurchte Thäler in Hügelland aufgelöste, zum Theil plateau-
artig sich ausbreitende Land, welches aus den niederrheinischen und belgischen
Niederungen aufsteigt und sich südwärts weithin mit einförmigem Charakter erstreckt.
Schon an der Stelle, wo es sich aus dem belgischen Flachland erhebt, gibt sein
zusammengesetzter innerer Bau Zeugniss von der erstaunlichen Flächen-Abtragung,
welche stattgefunden hat. Die eingehenden Untersuchungen von Gosselet, Cornet
und Briart haben dort das System von Ueberschiebungen und normalen Verwer-
fungen kennen gelehrt, welche die merkwürdigen Lagerungsverhältnisse der Stein-
kohlenformation in den Gebieten von Namur und Dinant veranlassen¹. Aus der
geistvollen Arbeit der beiden Letztgenannten geht hervor, dass die silurischen,
devonischen und carbonischen Schichtmassen eine Gesammtmächtigkeit von 5000
bis 6000 Meter haben, und dass hier Gebirge von mindestens dieser Höhe vollständig
hinweggefegt worden sind. An ihrer Stelle sehen wir eine Fläche, welche südlich
von der Maass zu der sanften Crête de Condroz ansteigt, nach Norden aber sich
herabsenkt und von transgredirenden Kreideschichten bedeckt ist, die selbst wieder
grossentheils unter Schwemmland und Meer verborgen liegen. Nur der Steinkohlenbergbau,
dem wir die Kenntniss dieser Verhältnisse verdanken, hat dort noch die Abrasions-
fläche zu erschliessen vermocht. Gleichförmig durchzieht die letztere von hier aus
die steilen Faltungen des Rheinischen Schiefergebirges, deren Gewölbe hinweg-
geschliffen sind. Wo dieses jetzt als eine von Erosionsthälern durchschnittene
Terrasse, meist in Meereshöhen von 400 bis 500 Metern, ein Areal von beinahe
ein tausend Quadratmeilen einnimmt und nur in einzelnen Theilen der Ardennen,
der Eifel, des Hunsrück, des Westerwaldes und des Taunus von sanften Zügen um
weitere 300 bis 400 Meter überragt wird, muss in einer früheren Festlandsperiode
ein bedeutendes, in vielen parallelen Rücken aufragendes zonales Faltungsgebirge
bestanden haben. Seine nicht mehr erhaltenen Thalsohlen lagen wahrscheinlich
in höherem Niveau als die gegenwärtige Oberfläche. Die bei positiver Niveau-
veränderung zwischen Land und Meer vorschreitende Brandungswelle ist allein im
Stande gewesen, eine derartige ebene, nur hier und da von gerundeten Wellen-
bergen unterbrochene Fläche durch die Faltungen der festen devonischen Gesteine
zu legen. Nimmermehr hätte fliessendes Wasser oder irgend ein anderes bekanntes
Agens durch mechanische oder chemische Umgestaltung von aussen solche
Formen hervorzubringen vermocht. Schreiten wir über diese Gebirgsländer nach
Süden hinweg, so ändern sich die Formationen und Gesteine, aber nicht der
wesentliche Charakter der Oberfläche. Eine von Südwest nach Nordost streichende
Verwerfung von ausserordentlichem, aber der Berechnung sich bis jetzt entziehenden
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