National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
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I. Das Kwenlun-System mit seinen östlichen W—O streichenden Aus-
läufern, dem Tsinling-shan und Fu-niu-shan. Die erste Faltung dieser
Gebirgsketten gehört wahrscheinlich dem Unterdevon, die vorletzte
tektonische Periode dem oberen Carbon an.
II. Die südchinesischen vorwiegend N—S streichenden Ketten,
welche ohne natürliche Grenze in das französische Gebiet nach Tongking
hinüberziehen; ihre Faltung ist postcarbonisch, der Beginn der die
Oberflächenform beherrschenden Brüche fällt in die posttriadische Zeit.
III. Eine wesentlich ältere gefaltete Masse, d. h. die Regionen des sinischen
NO-Streichens zwischen der Mandschurei und Südost-China, endlich
IV. die circumpacifischen Zerrungsbrüche und Inselbögen sind
die zwei weiteren Gebirgssysteme, welche neben dem Tsinling und den
indochinesischen Ketten den Gebirgsbau Ostasiens beherrschen.
Die mannigfach durch jüngere Brüche zerrissenen Regionen der sinischen
NO—SW Faltung sind gleichzeitig die ältesten, vorwiegend in praecambrischer
Zeit gefalteten Massen. Ihr bedeutendstes Bruchstück ist das Bergland von SO-China.
Weniger ausgedehnt ist der Horst von Shantung, während Korea und die Mand-
schurei nur durch die grossen jüngeren N—S Brüche von der Mongolei und der
Orlos-Tafel getrennt ist.
Die Zerrungsbrüche des Festlandes in Ostasien gehören in ihren An-
fängen der mesozoischen Zeit, die Inselbögen der tertiären Periode an. Die
Fortsetzung der nordsüdlichen Festlandsbrüche ist in den Anfang der Tertiärzeit
zu setzen. Die Oberflächenformen des Landes und die Verbreitung der Erdbeben
führen mangels anderer Anhaltspunkte zu diesem Schlusse.
Die Bildung dieser Meridionalbrüche kann nach F. v. Richt-
hofen nicht früher als in den Beginn der Triaszeit gesetzt werden.
Aus der Thatsache jedoch, dass die südchinesischen Ströme ihr Bett nicht in das
westlich der Landstaffel liegende Land hinein vertieft haben, schliesst der Erforscher
Chinas weiter, dass »an den südlichen Meridionalbrüchen der Absenkungsbetrag
sein gegenwärtiges Maass erst in sehr später Zeit erreicht hat«, ja dass »die Ab-
senkung wenigstens auf chinesischem Gebiet an der Ostseite der Landstaffeln noch
heute fortdauert«.
Dieser aus geologischen und morphologischen Thatsachen abgeleitete Schluss
entspricht den seismologischen Karten, die Montessus von China entworfen hat.
(Seismologie S. 139).
Die ausserordentlich heftigen Beben, die Formosa in neuester Zeit
(24. April 1904 und 4. November 1904) erschütterten, und nach chinesischen
Chroniken in der Vergangenheit betroffen haben, hängen mit der eigenartigen
tektonischen Kettung der Inselbögen zusammen¹); auch die schwächeren Er-
schütterungen der südchinesischen Küsten dürften auf diesen, ungewöhnlich be-
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