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0022 Baukunst und Landschaft in China : vol.1
中国の建築と風土 : vol.1
Baukunst und Landschaft in China : vol.1 / 22 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000203
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OCR読み取り結果

besungene Sihu, der Westsee, bei Hangchou, der, von außerordentlicher landschaftlicher
Schönheit, noch verinnerlicht und verklärt wurde durch zahlreiche Werke religiöser
Baukunst.
Landschaftlich eine der merkwürdigsten Städte der Welt ist Kueilinfu, die Hauptstadt
der Provinz Kuangsi. Aus einer weiten Ebene, in der die Stadt liegt, erheben sich unver-
mittelt zahlreiche steile und selbständige Bergkegel und verleihen der Landschaft den Cha-
rakter eines Pyramidenfeldes riesigsten Maßstabes. Die Stadtmauer benutzte einige dieser
Berge, die sich im Norden eng zusammendrängen und nun für die Stadt auch einen spiri-
tuellen Schutz gegen Norden bedeuten. Fast alle diese Berge um Kueilinfu sind ausgezeichnet
durch Höhlenbildungen. Gerade auf dem bevorzugten Platze, im Osten, durchquert die
bedeutendste Höhle der Sieben Sterne einen ganzen Berg, und im Südosten der Stadt krönt
die Fengshui-Pagode einen sonderbaren Felsen von der Form eines Elefantenkopfes, dessen
Rüssel in das Wasser, wie zum Trinken, herabgebogen ist. So steigerte man noch die
Merkwürdigkeit einer einzigartigen Landschaft.

o

Canton, die Hauptstadt der Provinz Kuangtung, unter allen chinesischen Städten wohl
die reichste und am dichtesten bevölkert, baut sich gegenüber einer Insel am Nordufer
des breiten Westflusses auf. Im Südosten, jenseits des Stromes, ragt die schlanke Fengshui-
Pagode empor. Die Stadt ist gegen Süden orientiert, breitet sich auf der Ebene aus, hängt
aber an einem Hügel im Norden, der von der Nordspitze der Stadtmauer noch in das
Weichbild einbezogen wird und ein fünfstöckiges, turmartiges Gebäude mit den Schutz-
göttern der Stadt trägt. Ein Blick von diesem Hügel läßt aber weitere Beziehungen zur
Landschaft erkennen. Der gesamte Stadtbezirk mit den gebauten Vorstädten erscheint
nur als der südliche Ausläufer eines hohen Bergzuges, der weit im Norden der Stadt seinen
Gipfelpunkt findet im Berg der Weißen Wolken, den Bildern für abgeschiedene Seelen.
Dieses Berggelände ist in seiner gesamten Ausdehnung, auf Stunden Wegs nach der Breite
und nach der Tiefe, bedeckt mit Gräbern, die in einfachen und reichsten Formen die
Kuppen, Hänge und Täler schmücken. Sie zählen nach Millionen. Bis hinauf zur höch-
sten Spitze ziehen sich diese Bauwerke aus hellem Kalkstein und Granit und verbergen
sich oben in dichtem Walde. Hier liegen auch zahlreiche, meist buddhistische Tempel,
unter ihnen einer für den Buddha der Zukunft, als ein Hinweis auf das Leben nach dem
Tode. Von diesen Gräbern schweift der Blick auf die Millionenstadt in der Ebene mit
ihrem gewaltigen Verkehr. Sie erscheint als Ausfluß der stillen Totenstadt der Berge, zu
der alle wieder zurückkehren. Erhabener, als an irgendeiner anderen Stelle in China,
bietet sich hier in Canton dieses Sinnbild dar, das man aus Landschaft, Stadt und Gräbern
schuf und in dem man den Satz deutlich machte: »Vom Leben zum Tode, aus dem Tode
das Leben«. Unmittelbar lesen wir aus dem großen Bilde die Wahrheit ab, daß der Kreis-
lauf der Sinn des Lebens ist. Innig miteinander verknüpft erscheinen die Vielgeschäftig-
keit eines unermüdlichen Volkes, das gänzlich auf den ruhelosen Tag eingestellt ist, und
seine ruhige Zuversicht auf ein Ende, das für uns keine Wiederkehr bringt.
Zum Schluß bleibt ein Ungelöstes. Wie verteilen wir in unserem Bewußtsein die
beiden Werte des Lebens und des Nichts, die einander entgegenstehen und uns doch gleich-
zeitig bestimmen? Wie finden wir einen Ausgleich zwischen der Arbeit, die wir mit
unseren Händen täglich neu zu leisten haben, und den stillen Gefilden der Ewigkeit, deren
Kräfte wir spüren, die für uns aber die Auflösung bedeuten? Scheinbar entsagt hier der
Chinese und verzichtet, die Frage zu beantworten, er begnügt sich mit dem Zweifel. Wir
beschließen unsere Wanderung durch China mit einem Priestergrab, das vom höchsten
Gipfel der heiligen Insel Pǔ tó shan herniederblickt auf die Heiligtümer der Göttin der

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