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Die Buddhistische Spätantike in Mittelasien : vol.3 |
| Postancient Buddhist Culture in Central Asia : vol.3 |
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in den Kellern des Museums ihrer Bearbeitung und Konservierung; wenn nicht Hilfe kommt, ist
zu befürchten, daß diese unschätzbaren Dokumente der Wissenschaft verloren gehen.
Wir nennen diese Gemälde Dokumente, denn im Gegensatz zu allen Gegenständen aus Mittel- und Ost-Asien, die im Wege
des Kunsthandels Europa erreicht haben, sind unsere Funde, und die unserer ausländischen Mitarbeiter, allein zweifellos echt
und meistens genau oder annähernd genau zu datieren, zwei Punkte, durch die sie sich vorteilhaft von aller der Handelsware,
die in den ostasiatischen Museen einen zu großen Raum einnimmt, unterscheiden.
Die Aufstellung einer Liste der Stilarten, die in zuverlässiger historischer Folge jeden Stil genau einer bestimmten Periode
zuzuweisen vermöchte, ist einstweilen noch nicht möglich. Erstens sind nämlich noch nicht alle Gemälde dem Studium zu-
gänglich, und zweitens werden stilkritische Studien mit besonderer Vorsicht und Zurückhaltung zu behandeln sein, weil wir
wissen, daß diese Gemälde mit Pausen ausgeführt wurden; es ist daher immer möglich, daß zu einem jüngeren Zeit ange-
hörigen Tempel eine in älterer Zeit entstandene Pause verwendet wurde.
Prof. Grünwedel hat schon vor längerer Zeit (Zeitschrift für Ethnologie, Berlin 1909) den Versuch gemacht, eine solche Liste
aufzustellen. Wir geben sie hier, mit einigen Zusätzen und Veränderungen in Anmerkungen, wieder, bemerken aber dazu, daß
es einer späteren Zeit vorbehalten bleiben muß, sie auszuarbeiten und, wahrscheinlich, sie zu berichtigen.
LISTE DER HAUPTSTILARTEN (nach Grünwedel). 1. Gandhāra-Stil.¹ „Unter diesem Namen fasse ich zunächst mehrere
Variationen von Stilarten zusammen, welche am unmittelbarsten spätantike Elemente, wie sie am deutlichsten an den Gandhāra-
skulpturen ausgeprägt sind, erkennen lassen. Die Variationen bestehen darin, daß in gewissen Höhlen das antike Element vor-
wiegt, in andern eine stark persische oder indische Beimischung bemerkt wird, daß in gewissen Höhlen Kompositionen vor-
kommen, die aus den Gandhāra-Skulpturen bekannt sind, während andere in ihren Prototypen antike Gemälde (Vasenbilder) ver-
muten lassen. Wenn wir nicht irren, müssen wir für diese Varianten verschiedene Ausgangspunkte annehmen von denen aus sie
nach Kutscha und seiner Umgebung gelangt sind.
deshalb wählte man wohl die Linsenführung der ältesten bekannten
buddhistischen Darstellungen, die die Person des Erlösers abru-
bilden gewagt hatten, nämlich die der Gandhāra-Skulpturen. Daß
diese auf eine ältere Malschule zurückzuführen seien, hat Grünwedel
schon vermutet. (Buddh. Kunst in Indien, 2. Aufl. Berlin1920, S. 83.)
¹ Diese Liste gibt in der Reihenfolge der Stilarten auch deren relative
Chronologie. Die Liste bezieht sich auf die Siedelungen der Oase
von Kutscha (Qyzil, Qumtura, Kirisch), auf die Anlage in der 8 bis
9 Tagesreisen weiter östlich gelegenen Oase von Kurla-Qaraschahr
(Schortschuq—Schiktschain) und auf die von Kurla aus in 8 Tage-
reisen in nordöstl. Richtung zu erreichenden Tempelgruppen der
Oase von Turfan (Chotacho, Sangim-Aghyz, Bäzäklik, Murtuq und
Tuyoq).
Der historischen Entwicklung gemäß, sind alle Anlagen je weiter
sie nach Westen liegen, um so älter, je weiter nach Osten, um so
jünger. Eine positive Chronologie aufzustellen ist sehr schwierig,
wir möchten aber die ältesten Beispiele der Stilart 1, die sämtlich
in Qyzil aufgedeckt wurden, dem 5. bis 6. Jahrdt. unserer Zeitrech-
nung zuweisen. Diese Gemälde stammen aus der „Höhle der Maler"
(Kultst., S. 148ff.) der „Seefahrerhöhle" (Kultst., S. 147) der „Hip-
pocampenhöhle" (Kultst., S. 102 ff., vergl. auch Band IV, Taf. 1—a)
und der „Pfauenhöhle" (Kultst., S. 87). Die Profanbilder dieser
Tempel, Maler oder Stifter, tragen die merkwürdigen Kragenröcke
der „tocharischen" Ritter, aber in älterer Schnittweise, und statt
der gescheitelten Haare tragen ihre Köpfe eine seltsame perücken-
artige Frisur oder ein Kopftuch, stark an ägyptische Art erinnernd.
Wohl noch älter und kaum der Stilart 1 zuzurechnen, sind die
merkwürdigen, sehr hellenistischen Gemälde der Höhle mit dem
Zebuwaagen in Qyzil (Kultst., S. 114); Reste einer ähnlichen Malart
haben wir auf der einen, erhaltenen Seitenwand des „Tempelchens
mit dem Sockel" in der älteren Siedelung von Tumschuq bei Maral-
baschi angetroffen.
Neben der persischen Beimischung, die Grünwedel mit Recht
diesem Stil zusprach, findet sich in Qyzil auch ein Beispiel wenig-
stens rein sassanidischer Ornamentik; es ist der schöne Fries (gegen-
ständige Eeten in Perlenmedaillons), den wir in der „Großen Höhle"
in Qyzil (Kultst., S. 77 und Bd. IV, Taf. 15) aufgedeckt haben. Er
gehört u. E. dem 6.—7. Jahrb. an; der Tempel kann dem buddhisti-
schen, vielleicht aber auch dem manichäischen Kult gedient haben.
Beispiele von Bildern, in denen die antiken Elemente in besonders
stark indischer Weise, wenn auch recht verschiedenartig abgewandelt
sind, erkennen wir in den schönen alten Gemälden der „Schatzhöhle"
in Qyzil (Kultst., S. 99 und Bd. IV, Taf. 3), sowie in dem Cyclus
von Bildern aus der „Treppenhöhle" ebenda (Kultst., S. 117 und
Bd. III Taf. 6-10), denen die jüngeren und im Stil ganz neuzeitlich
anmutenden Bilder der Mahakāśyapa und des Māliśūrsten (Bd. III,
Taf. 2-3) und die merkwürdige Darstellung des „schwarzen und des
weißen Inders", alles aus Qyzil (Bd. IV, Taf. 7) zuzugesellen sind.
Die älteste Höhle der Stilart 2, oder die jüngste der Stilart 1, ist
unserer Meinung nach die „Höhle der 16 Schwertträger" in Qyzil
(Kultst., S. 50 ff. und Bd. IV, Taf. 4 u. 5); etwas später dürfte die
„Höhle der Maya in Qyzil (Kultst., S. 113) und die älteste Höhle
in Qumtura (Nr. 15; Kultst., S. 9ff.) anzusetzen sein; an diese Höhlen
reihen sich chronologisch an die „Rotkuppelhöhle" in Qyzil (Kultst.
S. 8a ff und Band IV, Taf. 8b) und die Höhlen in der „kleinen Bach-
schlucht" Qyzil (Bd. III, Taf. 1, und Bd. IV, Taf. 8b). Diese
Tempel mit ihren Bildern dürften dem 6.—7. Jhdt. angehören. Ein
Ausläufer dieser Stilart findet sich in dem fernen Tuyoq (Kultst.327),
wo übrigens auch ein spätssassanidischer Fries (Eberkopfe in Perlen-
medaillon, vergl. Kultst., S. 331 und Herzfeld, Am Tor von Asien,
Berlin 1920, Taf. LXIV) aufgedeckt wurde. Diese Bilder in Tuyoq
gehören u. E. dem 7. Jhdt. an.
Die Stilarten 1 und 2 beherrschen vollkommen, mit den erwähn-
ten Ausnahmen, die Gemälde in der Ansiedelung von Qyzil. Da
dort die jüngeren Stilarten fehlen, müssen wir annehmen, daß diese
Siedelung vor dem Aufkommen des uigurisch-chinesischen Stiles
durch irgend welche Umstände, etwa um 700, zerstört worden sei.
Chinesische Elemente fehlen vollkommen, und auch in den Ms. funden
kommen fast nur Reste von Büchern in indischen Schriften vor;
sogar soghdische Fragmente sind selten. In Qumtura (u. Kirisch)
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