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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

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0082 Alt-Kutscha : vol.1
古代クチャ : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / 82 ページ(白黒高解像度画像)

キャプション

[Figure] Fig. 62. マニ教の神、3つに裂けた細密画の一つ、1902年にイディクート・シャーリで発見されたもの。Manichäische Gottheit von einer in drei teile zerrissenen Miniatur, gefunden im November 1902 in Idyqutšähri.
[Figure] Fig. 63. F. R. マーティン、『呉道子の絵画(Zeichnungen nach WU TAO TZE)』、ミュンヘン、1913年、図XXXII。Nach F. R. Martin, Zeichnungen nach WU TAO TZE, München, 1913, Tafel XXXII.

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doi: 10.20676/00000192
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OCR読み取り結果

I,49

den vorliegenden Bildern sehr zahlreich, auch
die Entlehnungen aus Gandhāra, die Ver-
wandtschaft mit Mathurā höchst beachtenswert
sind. Wenn wir das Wenige, was auf den

Bildern von Qyzyl erhalten ist, sorgfältig ver-
gleichen, so ergibt sich als die Schema der Original-
komposition zweifellos das Folgende:

Ein etwas größer als die übrigen sehr zahl-
reichen Figuren gemalter thronender König,
umgeben von zahlreichen Frauen, die sehr
üppig und fast lasziv dargestellt sind, über-
reicht ankommenden Boten eine Gabe, die
wie ein Gehänge, wie ein komplizierter Brust-
schmuck aussieht. Die vier Ecken um diese
Mittelkomposition zeigen je einen kleineren
Dynasten, ebenfalls thronend, umgeben von
spitzohrigen, kürzer gemalten Dämonen, von
denen immer je zwei Keulen halten. Das
Ganze macht einen recht unbuddhistischen
Eindruck und ist sicher der Ausgangspunkt
zu den beiden andern noch vorhandenen
Kompositionsrepliken der Seepferdehöhle und
der Skulptur von Amaravati. Man wollte
offenbar eine an sich ansprechende, zu reicher
Farbenprachtentwicklung geeignete Darstellung
rituell umdeuten und brachte sie in der Legende
des Bodhisattva bzw. seiner Eltern unter.

Gerade diese Verwendung gibt uns die Mög-
lichkeit der Erklärung der Originalkomposition.
Es ist ein König, der vier Vasallen hat, ein
weltbeherrschender König, der reichlich spendet
und in Üppigkeit und Herrlichkeit lebt, sicher
ursprünglich nicht der Bodhisattva, sicher nicht
sein Vater, der die Brāhmanas belohnt, die
ihm melden, daß sie die Braut für seinen
Sohn gefunden haben, sondern der Idealtypus

I,49—I,50

des weltbeherrschenden Kaisers, der unter
dem Schutz der vier Lokapālas regiert. Vor
diesem Bilde versammelten sich die Mitglieder
der Saṅghā des Klosters oder Wallfahrtsortes
und erhielten hier ihre Rationen zugewiesen,
und in zwei Fällen waren in den benachbarten
Räumen zweifellos nach dem Befund an Ort
und Stelle Behälter für aufgespeicherte Zerealien
vorhanden.

50. Die paarigen dämonischen Keulenträger
sind nur die deifizierten Türsteher der Loka-
pālas und lebten als solche durch die ganze
buddhistische Kunst fort. Jedem Könige, ob
im Himmel oder auf der Erde oder unter der
Erde, werden sie beigegeben und bekommen
in dieser Funktion fast rituelle Bedeutung.
Als Büttel des Gottes der Toten treten sie
stark hervor. So finden wir auf einem bei
Cole, Preserv. plate 4 veröffentlichtem Relief
aus Nuttu, das die rituelle Abschlachtung
eines Mannes darstellt, wobei ein anderer
nackter Mann mit gefalteten Händen zweifel-
los als nächstes Opfer wartet, einen riesen-
haften Keulenträger im Hintergrunde: er ist
der Vermittler des Übergangs ins Jenseits,
eine durchaus unbuddhistische, ja unindische
Vorstellung. Dieses einzige, höchst seltsame,
aber nie beachtete Relief, zusammen mit einem
zweiten, ebenfalls bei Cole, ebenda, plate 27,

abgebildeten von gleicher Roheit der Technik,
beweist uns zusammen mit der oben zitierten
Stelle des Ma-ʿons-paʾi smon-lam, daß in
Gandhāra ein Zauberritual bestand und die
altindischen, viel harmloseren Tantras in jener