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0123 Alt-Kutscha : vol.1
Ancient Kucha : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / Page 123 (Grayscale High Resolution Image)

Captions

[Figure] Fig. 23. Inscription from the right side wand. Center of the central row.Inschrift auf der R. Seitenwand. Mittelstreif, Mitte.

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doi: 10.20676/00000192
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II,17—II,18

Buddha verhöhnt, ist unmittelbar unter dem
noch mit Gautama verhandelnden Māra hin-
gestellt, eine deutliche Persiflage des Gottes
selbst. L. sieht man einen gift- oder flammen-
speienden Tierkopf unter dem Māra, der von
Sārthavāha noch festgehalten, das Schwert
ziehen will. Vor der ersten Mārafigur sieht
man in Gesichtshöhe Blumen als Symbol der
noch friedlichen Rede, auf der anderen Seite
aber vor dem zum Angriff sich anschickenden
einen Dämon mit Tierkopf, der eine Lanze
einlegt, deren Spitze bereits abgeknict ist.
In den oberen Ecken sieht man R. einen vier-
händigen und vierköpfig gedachten Dämon,
der mit zweien seiner Hände einen großen
Feldstein erhebt, um ihn auf Gautama zu
schleudern, während die übrigen zwei Hände
einen gespannten Bogen halten. Hinter ihm
sehen wir einen dreiäugigen Dämon, der mit
beiden Händen ein Beil gegen Gautama
schwingt, aber in einer so großen Entfernung,
daß für den Angegriffenen kaum Gefahr ist.
Es erklärt sich dies wieder aus der Arbeit
mit Patronen. Vergleichen wir die Repliken,
so sehen wir, besonders wenn wir die andere
Seite betrachten, daß der Maler hier einen
Trommelschläger benutzt hat, um bei der
Enge des Raumes das Dämonenheer zu ver-
größern. Er hat einfach die Trommelschlägel
in ein Beil verwandelt. Der Stein, den der
Vierköpfige vor ihm hochhält, ersetzt für das
Auge die Trommel, welche der Begleiter des
Trommlers auf der anderen Seite auf dem
Rücken trägt. Es folgt nun noch eine dritte
Darstellung des Māra: sein Zusammenbruch,
als die Göttin der Erde die Wahrheit von
Gautamas Worten bekräftigt. Māra stürzt vor
Buddha auf die Erde mit hocherhobenen Beinen,
so daß seine Krone ihm vom Kopfe fällt.

18. Betrachten wir nun die ganze Reihe der
vier Bilder dieser Wand, so tritt schon vom
ersten Bilde an eine eigentümliche Lücken-
haftigkeit uns insofern entgegen, daß in den
ersten zwei Teile der Legende fehlen, das dritte
gar nicht mit der Legende stimmt, sondern
eine persönliche, in die Legende eingeschobene
Sache ist. Es liegt der Gedanke nahe, daß
die andere Seite die Lücken ergänzte, so daß
dadurch eine volle Reihe sich ergab: wir werden
sehen, daß in der „Malerhöhle," die von den-
selben Händen gemalt ist, dieselben Gesetze

II,18—II,19

gelten. So wird auch dem dritten Bild ein
ähnlich allegorisches entsprochen haben: ja
man kann, obwohl nichts erhalten ist, sicher
sagen, daß Bild 1 auf der anderen Seite das
Bad der Nāgas war, daß Bild 2 das Erscheinen
des Mönches, der auf der anderen Seite feh-
lenden vierten Erscheinung, daß Bild 3 die
Szene des aus dem Schlafgemach fliehenden,
von schlafenden Frauen umgebenen Bodhisattva
(vgl. Handbuch 121, Fig. 62, unt. Teil) ein ge-
radezu glänzendes Gegenstück war. Als viertes
folgte nun dem Māraheere entsprechend die
Abweisung der Töchter Māras der Legende
gemäß. Und dies ist sicher. Denn im Verputz
der Wand fand sich noch die bei der Ver-
teilung der Bilder vorgekritzelte Inschrift, Fig. 23,

ASMIN STHĀNE MĀRAM TOSAYAM CAKĀRA.

„An dieser Stelle brachte er den Māra zur
Ruhe" und darunter eine Kritzelei, die wohl
einen Buddhakopf vorstellen sollte, aber so,
daß es klar war, daß der, welcher die Inschrift
für den Maler hingeschrieben hatte, selbst
nicht zeichnen konnte.

19. Welche Gegenstücke in den unteren
Streifen den Bildern dieser Wand entsprachen,
läßt sich leider nicht mehr feststellen. Die
dritte Reihe mit den Nirvānaszenen gab sicher
reichlich Gelegenheit dazu.

Da nun in dieser Höhle die geläufigsten
Szenen der Buddhapredigten alle zerstört sind,
die Gemälde der „Malerhöhle" von der Hand
desselben Meisters und seiner Gehilfen aber
eine ganze Reihe bieten, so schiebe ich, um
die oben besprochenen Kompositionseigen-
tümlichkeiten besser zeigen zu können, diese
hier ein, um ein vollständigeres Bild zu ge-
winnen. Ich tue es um so lieber, als es mir
wahrscheinlich erst in längerer Zeit, viel-
leicht aber überhaupt nicht mehr beschieden
sein wird, die sehr schönen, aber sehr be-
schädigten Originale mondiert zu sehen.