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0141 Alt-Kutscha : vol.1
Ancient Kucha : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / Page 141 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000192
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II,33

du als ein Mann von Tugendverdienst, hast du
vielleicht jemand gesehen oder von ihm gehört, der
hat die Gespensterstadt betreten und war doch lebend
aus seinem Wohlstand und Wohlbehagen weg-
gegangen; der ist dann gegangen bis um die Zeit,
wo die Sonne zur Rüste geht, da sah er einen
Terrassenpalast und vier Feen, herrliche, liebens-
würdige, wie man sie gerne sieht. Und da ist auch
ein Mann dabei, ein schöner, ansehnlicher, freundlicher,
der trägt allen Schmuck und Ohrringe, dabei bunte
Blumengewinde und duftet nach Salben. Der Mann
spielt mit ihnen, er kost mit ihnen, tut ihnen alles
zuliebe. Nun sehen sie den Śroṇa von weiten und
beginnen zu reden: „Unsern Gruß, Śroṇa, bist du
nicht durstig oder hungrig?" Und er denkt bei sich:
„Das wird wohl ein Gott sein oder ein Nāga oder ein
Yakṣa sein" und er spricht: „Ja, o Herr, ich habe
Durst, ich habe Hunger!" Nun baden sie ihn,
geben ihm zu essen und er wohnt in diesem Terrassen-
palast, bis die Sonne aufgeht. Da wird ihm gesagt:
„Śroṇa, steig herab, jetzt kommt der Jammer!"
Und er stieg herunter und blieb zur Seite stehen.
Als die Sonne aufging, verschwand der Palast, auch
die Feen waren weg; aber vier gefleckte, schnautzige
große Hunde waren plötzlich da. Die Hunde rannten
den Mann kopfüber zu Boden, rissen ihm das
Rückenfleisch ab und fraßen daran bis zur Zeit des
Sonnenuntergangs. Da erschien wiederum der Palast,
erschienen wiederum die Feen und der Mann spielte
mit ihnen, kost mit ihnen, tut ihnen alles zulieb.
Nun geht Śroṇa zu ihnen hin und spricht: „Wer
seid ihr und wodurch seid ihr hierher gekommen?"
Und sie antworten: „Śroṇa, gemeine Betrüger sind
wir, Leute aus Jambudvīpa, das glaubst du wohl
nicht?" Und er antwortet: „Ich seh es doch vor
Augen, wie soll ich das nicht glauben?" Śroṇa,
der sich Ich nannte, war ein Hammelschlächter in dem
Nest Vāsavagrama: ich schlachte da meine Hammel,
verkaufe das Fleisch, lebe davon. Da kommt ein-
mal der heilige Mahākātyāyana zu mir aus Mitleid
mit mir und redet mir zu: „Mein lieber Herr, was dir einmal
als Frucht reift aus diesem Lebensweg, Freude
wird dir das keine bringen; drum hör' auf mit diesem
erbärmlichen, schlechten Beruf, der gegen das Gesetz
verstößt!" Nun, trotzdem laß ich nicht davon. Da fragt
er mich: „Mein lieber Herr! schlachtest du bei Tag
oder bei Nacht deine Tiere?" Und ich antworte ihm:
„O Ehrwürdiger, bei Tag schlachte ich." Nun spricht
er: „Mein lieber Herr! warum machst du dann nicht
nachts eine Betrachtung darüber, was das Sittengesetz
verlangt?" So bekam ich von ihm Anweisung dazu.
Weil ich bei Nacht dies getan habe, durch die
Reife dieses Karman genieße ich ein so göttliches
Glück bei Nacht, aber weil ich bei Tag die Schafe
schlachtete, durch die Reife dieses Karman muß ich
solche Schmerzen dulden. Und er sprach den Vers:
„Bei Tage vertilgte ich Lebewesen den Odem,
bei Nacht schmückte mich Stimmung zu guten Werken:
als Frucht just dieses Karmans geht über mich das
Elend ebenso wie die Wonne."

II,33

„Śroṇa, gehst du nach dem Neste Vāsavagrama?"
„Ich will hingehen." „Dort wohnt mein Sohn, der
schlachtet immer und immer wieder Hammel und
hat seinen Unterhalt davon. Dem sollst du sagen:
Deinen Vater habe ich gesehen; der hat mir gesagt:
unerfreulich ist was dir aus dem, wie du lebst, reift;
laß von dem erbärmlichen, schlechten Beruf, der
nach alter Sitte verstößt!"
„O! Mann! so redest du", also wird man es nicht
glauben; „denn ihr sagt ja: elende Betrüger sind
wir, Menschen aus Jambudvīpa." Śroṇa, wenn er
es nicht glauben will, dann sage wenigstens das
Folgende: „Dein Vater sagt: unter dem Schlachthaus
steht ein Topf mit Goldsand angefüllt; den hol
heraus und genieße davon, was dein Herz entzückt;
nimm aber die Gelegenheit wahr, wo den armen
Seelen die Totenklößchen verteilt werden, und gib
davon im Namen von uns ein Speisenalmosen. Viel-
leicht wird die Wirkung von dem, was wir getan
haben, geringer, schwindet, löst sich auf."
Er brach nun auf, und um die Zeit, als die Sonne
wieder aufging, erblickt er eine andere Palastterrasse.
Und darauf ist eine Fee, eine schöne, liebliche,
heitere und ein Mann, ein schmücker, fröhlicher mit
Ohrschmuck und Armbändern, und viele bunte Blumen-
gewinde trägt er und duftet von Salben. Er spielt
mit ihr, er kost mit ihr, er tut alles, was ihr lieb
ist. Als dieser ihn schon von weitem sah, beginnt
er zu reden: „Willkommen! Śroṇa, du bist wohl
durstig, hungrig?" Und Śroṇa denkt bei sich: „Das
muß ein Gott sein, ein Nāga, ein Yakṣa" und ant-
wortet: „Durstig bin ich und hungrig." Da ward er
gebadet und gespeist. Und so blieb er auf dieser
Palastterrasse, bis die Sonne zur Rüste ging. Nun
sagte man ihm: steig herunter; der Jammer beginnt.
Er, der schon gesehen hatte, was mit Jammer gemeint
war, stieg also herunter und blieb zur Seite stehen.
Mit der untergehenden Sonne war die Palastterrasse
fort, auch die Fee war verschwunden. Ein großer
Tausendfuß war da, der wand sich siebenmal um
den Mann und fraß durch bis ins Gehirn und so
blieb er bis zum Sonnenaufgang. Darauf erschien
wieder die Terrasse und wieder die Fee und ein
schöner, ansehnlicher, freundlicher Mann: der spielte
mit ihr, koste mit ihr und tat ihr alles zuliebe.
Śroṇa ging zu ihm hin und fragte: „Wer bist du
und wie bist du hierher gekommen?" Jener ant-
wortete: „Śroṇa, gemeine Betrüger sind wir, Leute
aus Jambudvīpa, glaubst du das nicht?" Und Śroṇa
antwortete: „Ich seh es ja mit eignen Augen, wie
soll ich da nicht glauben?" Der Mann sprach: „Der
Mann, der sich Ich nannte, war ein Brāhmaṇa in
dem Nest Vāsavagrama, der hatte mit den Weibern
anderer zu tun. Aus Mitleid sprach da zu mir der
ehrwürdige Mahākātyāyana: „Freundlicher Herr! sehr
unerquicklich ist das, was du tust. Laß diese widerlichen Dinge, die gegen
das Sittengesetz verstoßen. Aber ich ließ es nicht
trotz des Zuspruchs des Mannes. Immer und immer
wieder tat er mir die Ehre an und trotzdem konnte