National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books

> > > >
Color New!IIIF Color HighRes Gray HighRes PDF   Japanese English
0162 Alt-Kutscha : vol.1
Ancient Kucha : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / Page 162 (Grayscale High Resolution Image)

New!Citation Information

doi: 10.20676/00000192
Citation Format: Chicago | APA | Harvard | IEEE

OCR Text

II,36 II,36

zu bedauern, daß gerade die Götterfiguren das deutlichste hervor. Vor diesem jungen
zerstört sind. Die nächste Szene ist deutlich Manne nun kniet, beide Füße leicht umfassend,
und bis auf zwei Köpfe wohlerhalen. Man eine Frau von gelbem Kolorit; diese Farbe
sieht eine große Halle mit schlanken Säulen soll wohl das reifere Alter der Frau andeuten
und darauf ruhender Tabulatur und in der oder ist einfach Unüberlegtheit. Es ist Mai-
Mitte auf hohem quadratischen Thron, der trakanyakas Mutter, die sich bemüht, ihn zurück-
mit einem Pfühl belegt ist, wieder einen Mann zuhalten. Die Szene ist ohne jede Leiden-
in fürstlicher Tracht und Aureole. Sein Haupt schaft in der kompositionellen Anlage einfach
ist leise geneigt und die R., die eine Mudrâ zusammengerückt aus zwei Figuren, die an
bildet, erhoben: es ist im übrigen dieselbe anderer Stelle ganz gut für etwas anderes
Persönlichkeit, die in der ersten Szene das dienen konnten. Es folgt nun damit zusammen-
Ghî-Opfer brachte; daneben sitzt auf einem geschoben wieder die schablonenhafte Figur
geflochtenen Sessel mit hohem Polster eine Maitrakanyakas, zur vierten Szene gehörig
Dame mit Aureole und mit derselben Hand- (Fortsetzung Taf. XXI, XXII). Hier sieht man
stellung, wie der Mann selbst: Mitra und seine drei Männer: zwei kniende und ein stehender
Gattin. Vor den beiden kniet eine Zofe, die in dem gewöhnlichen Adorantenschema unter
ein nacktes Knäblein dem Mitra und seiner einem blühenden Baum. Kopfschmuck und
Gattin anbietet. Hinter der Zofe sieht man Brustketten sind deutlich weniger reich im
auf einem sehr hohen, geflochtenen Sitz mit Vergleich zu den übrigen Figuren: es sind
Polster einen alten Brâhmana und seinen Leute, welche Maitrakanyaka um etwas bitten
Schüler, beide in Lendentüchern und Panther- und Erfüllung ihrer Wünsche von ihm erhalten.
felle über der Brust. Der ältere redet Mitra Die Szene ist also absichtlich mit der vorigen
eifrig zu, während der langhaarige Schüler zusammengeschoben, wie die letzten zwei
eine beistimmende Handbewegung zu machen erhaltenen (unten), und mögen paraphrasiert
scheint. Es handelt sich um die Namengebung werden: Maitrakanyaka hat zwar seiner Mutter
für das Kind: es soll den Zusatz Kanyakâ nicht gefolgt und sie an den Kopf geschlagen,
erhalten, um am Leben zu bleiben. derselbe Mann hat aber immer für Dürftige
Die nächste, dritte Szene ist mit der vierten und Bittsteller eine offene Hand gehabt. Ich
ganz zusammengeschoben. Man sieht einen finde, gerade diese Szene zeigt uns so recht,
jungen Mann in der Stellung eines Parivâra- wie wir die Bilder dieses Malers zunächst
deva (vgl. die gegenüberstehende L. Seite) interpretieren müssen: es sind in Figuren
so vor eine Treppe gemalt, daß sein R. Fuß schematischer Art dargestellte kurze Sätze,
auf der untersten Stufe steht, während der L. je eine Szene ein Satz, die ganz kurz in
daneben auf den Boden gestellt ist. Hinter einer nicht unsymmetrischen, auf Gegenstücke
dieser Figur sieht man zwei Türpfeiler mit gewandt achtenden Folge eine ganze Ge-
stark ausladenden Kapitellen; die Art, wie schichte mit den kürzesten Mitteln darstellen
die Fassade hinter der Figur gemalt ist, ist soll. Die da und dort erhaltenen, in den
nicht bloß Eigentümlichkeit dieses Malers (vgl. Verputz gekratzten oder auch aufgemalten
die stilistisch identische „Hippokampenhöhle" Inschriften (meist in Sanskrit, vgl. oben II,18)
und Kultst. 81, Fig. 189), sondern kommt auch beweisen uns, daß irgendeine dirigierende
sonst vor. Es ist eben wieder die Pause ohne Person erst diese Rezeptsätze in der Reihe
Rücksicht auf die Unterlage diesmal verso an die Wand schrieb und dann der Maler,
aufschabloniert und dann nach Bedürfnis die der sicher nicht den vollen Text vor sich hatte,
Hände geändert und die Einzelheiten leicht seine Schablonen anlegte, variierte, die Lücken
variiert. Der das Bild auf die W. Anlegende und Übergänge freihändig ausglich.
suchte sich die Szenen heraus, in der er diese Es folgt nun als fünfte Szene Taf. XXI bis
Schablone brauchen konnte, markierte sie als XXII die Darstellung des Schiffbruches. Das
Disposition für das Ganze an und legte dann Meer ist durch ein großes, von oben gesehenes
erst die Lokal-bestimmenden Dinge an: darauf Feld dargestellt. Diese Fläche ist von einem
schablonierte er dann die Figuren. Diese Wegbande umgeben, an das sich wie ein
Mache geht aus dem hier Vorliegenden auf Zackenkranz kleine Berge von verschiedener