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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

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0180 Alt-Kutscha : vol.1
古代クチャ : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / 180 ページ(白黒高解像度画像)

キャプション

[Figure] Fig. 53. ライオンの穴の中のダニエル、ベルリン、装飾芸術美術館、Ch. ディール、『ビザンティンの工芸美術 (Manuel d'Art Byzantin)』, パリ、 1910年、79ページ。Daniel in der Löwengrube, Kunstgewerbemuseum, Berlin, nach Ch. Diehl, Manuel d'Art Byzantin, Paris 1910, S. 79.

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doi: 10.20676/00000192
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OCR読み取り結果

II,52 II,52

vorkommende Erzählung, wie der Bodhisattva
als Häschen einem hungernden Brāhmaṇa
sein Fleisch bietet, indem er ins Feuer
springt, ebenso die parallele, weniger oft vor-
kommende Erzählung von der Taube, welche
sich in ähnlicher Weise einem hungernden
Vogelsteller hingibt. Wenn wir nun aus der
indischen Anschauung heraus an mancherlei
alberne Erzählung von Tieren, welche sich
hinopfern, um einem Verschmachtenden
durch Darbietung ihres Blutes oder Fleisches
Unterhalt zu gewähren, gewohnt sind, so
übersteigt das in diesen Legenden Gebotene
alles Maß und läßt auf Einflüsse schließen,
welche nicht indischen Ursprungs sein können.
Denn neben der harmlosen echt indischen
Erzählung vom Affenkönig (Mahākapijātaka),
welcher, um seine Untertanen vor dem ver-
folgenden Jäger zu retten, eine sogenannte
Affenbrücke bildet, indem er mit den Hinter-
beinen an einem Baum des einen Ufers eines
Flusses sich anhängt und so schaukelnd mit
den Händen einen Baum des andern Ufers
erfaßt, damit die Verfolgten über ihn, der
unter ihren Tritten den Tod leidet, sich retten
können, erscheinen auch ganz widersinnige
Dinge, in denen die Aufopferung von Blut
und Leben geradezu zwecklos ist. Am selt-
samsten wirkt die Darstellung der folgenden
Legende: Der Bodhisattva trifft eine Frau
mit einem verschmachtenden Kinde. Aus Er-
barmen mit dem leidenden Säugling strengt
der Heilige alle durch seine Tugendverdienste
erworbenen Kräfte an, und durch die über-
natürliche Macht der Liebe und des Mitleids
gelingt es ihm, daß ihm milchspendende Brüste
aufwachsen, so daß er das Kind nähren kann.
Soweit ist die Erzählung leidlich vernünftig
für den Rationalisten und als ein auch sonst
viel beobachteter Vorgang, das Austreten von
Fett aus der männlichen Brust, erklärbar. So
kommt die Erzählung auch in Indien vor.
Unter den Wundertaten des Śiva wird eine
ganz analoge in Südindien gefeiert, welche
ihm den Tamil-Namen Tāyumāṇavar, „der auch
eine Mutter geworden ist", eintrug. Ein be-
rühmter Tempel der Form des Gottes unter
diesem Namen ist noch im Felsentempel von
Śrīśailapura. Wenn es nun, nebenbei gesagt,
beachtenswert ist, daß hier wieder eine śivai-
tische Legende mit einer Bodhisattvalegende

zusammenfällt, so ist im vorliegenden Falle
noch besonders merkwürdig, daß die indische
brāhmanische Fassung noch in ihrer heutigen
Form vernünftiger ist als die buddhistische,
welche unsere alten Höhlen bei Kutscha mehr-
mals enthalten. Dort genügt nämlich dem
Bodhisattva seine wunderbare Kraft, dem Kinde
Milch spenden zu können, nicht, sondern —
und hier liegt offenbar der Einfluß anderer
blutrünstiger Legenden vor — er schneidet sich
die Brust ab und bietet sie dem Kinde dar!
Es ist, denke ich, ganz klar, daß die einfache,
auf ein mißverstandenes Naturphänomen
fußende Legende in einen Zusammenhang

gebracht ist mit Erzählungen, in welchen der
Bodhisattva seinen Kopf, seine Hände, seine
Füße, seine Augen, kurz alle Teile seines
Körpers einzeln opfert, um einem Akt des
Mitleids zu genügen. Diese ganze Art des
Wühlens im Blut ist aber unbuddhistisch,
ich möchte fast sagen, sogar unindisch, sie
weist absolut auf Vorderasien. Wir haben
also zweifellos Darstellungen von blutigen
Kultgebräuchen vor uns, welche die sämtlichen
Sinnesorgane eines menschlichen Schlacht-
opfers zur Erreichung übernatürlicher Kräfte
verlangen. Eine Reihe dieser Legenden sind
in den N. von Indien gelegenen Gebieten
lokalisiert.