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0229 Alt-Kutscha : vol.1
Ancient Kucha : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / Page 229 (Grayscale High Resolution Image)

Captions

[Figure] Fig. 81. Ornamentation of the strip under the worshiper of the niche of the Mâyâ cave, 2. construction, Klutst. p. 165, where the colors are indicated.Ornament vom Streifen unter der Kultfigur der Nische von der Mâyâhöhle, 2. Anl., Klutst. S. 165, wo die Farben angegeben sind.

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doi: 10.20676/00000192
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II,80—II,81

Noch interessanter scheint mir der medi-
tierende Mönch neben Vajrapāni. Diese aus
dem Leben genommene Figur, die man täglich
unter den auf dem Boden hockenden Orien-
talen beobachten kann, reicht nur so weit, als
der auf hellenistischer Schulung durch persische
Hand geschaffene Typ allein arbeitet. Schon
in den Spätperioden unserer Bilder wird sie
fast zum formlosen Kegel. Aber die persische
und indopersische Malerei hält den Typus mit
schöner Reinheit fest, so daß man ihn als
geradezu maßgebend betrachten kann.

81. Es scheint mir zweifellos, daß die vier
Szenen Miniaturbildern entsprechen, welche
Texten beigegeben waren oder auch allein als
Bilderrollen bestanden. Die ganze Schilderung,
wie Varsakāra Ajātaśatru belehrt, ist höchst
bezeichnend für die Art, wie in der alten Zeit
die Bilder der Rollen und, mutatis mutandis,
auch die Gemälde der Höhlen den Gläubigen
erklärt wurden. Der ungeheure Einfluß, welchen
die Kunst auf die Belehrung der Laien nicht
bloß, sondern auch auf die Entwicklung der
Religion selbst ausgeübt hat, ein Einfluß, den
man noch lange nicht genug würdigt, tritt hier
wieder klar zutage. Was bezüglich der Antike
so oft betont wurde, daß die Kunst ihre eigene
Tradition habe und ihre eigene Sprache rede,
muß auch hier betont werden; ich möchte
sogar behaupten, daß auf buddhistischem
Gebiet dieser Einfluß noch viel stärker war,
als in der Antike. Ja, als die Religion
schließlich in Indien und in Tibet völlig in den
Tantrakult gerät, wird die Kunst fast der
einzige Träger des Stofflichen überhaupt. Wie
viele Tantratexte sind überhaupt nichts anderes
als Anweisungen für Bilder mit den darauf zu
setzenden Dhāraṇīs, von den Beschreibungen
der Zauberkreise selbst noch abgesehen?
Daß die von Gandhāra ausgehende Kunst-
richtung nicht bloß das Mahāyānasystem als

II,81—II,83

Basis hat, sondern die Zauberliteratur, ja, daß
das Mahāyāna ohne Tantras selbst kaum
denkbar ist, habe ich schon in der Einleitung
betonen müssen.

82. Wir dürfen eben nicht vergessen, daß
alle diese religiösen Darstellungen einen prak-
tischen Sinn haben, alle diese Götter- und
Heiligenszenen sollen den Gläubigen in
mancherlei Not des Lebens helfen. Für uns
ist diese tröstende Macht natürlich schwer zu
fassen. Über die Gründe, welche die Maler
veranlaßt haben, die Ajātaśatruszene in die
Serie der Begleitbilder des Parinirvāṇa einzu-
reihen, habe ich mich schon früher geäußert.
Es sind wohl die in der Umgebung von Kutscha
gerade bei Ming-Öi häufigen Erdbeben. Die
Spuren früherer Erdbeben sind überall an den
alten Höhlen unverkennbar, und auch wir sind
Zeugen eines solchen gewesen. Ich kann mir
nun wohl denken, daß unter Wegfall aller
Finessen der Legende das Bild als Sühnebild
gedient haben mag. In diesem Falle hätte die
Idee, das aufgerollte Bild mit dem Wirken
Buddhas als Mittel gegen dies unerträgliche
Naturereignis zu verwenden, auch ein merk-
würdiges Gegenstück in Europa: die Ver-
wendung des Schleiers der heiligen Agathe.

83. Die folgende Tafel (Doppeltafel XLIV
bis XLV) enthält eine Darstellung, welche als
zu dem Kreise der Parinirvāṇa-Darstellungen
gehörig, ein integrierender Teil sowohl der
Gemälde-Reihen mit den ausführlichen Dar-
stellungen des ganzen Lebens Buddhas, als
auch der Höhlen des Pañcaśikha-Typus ge-
nannt werden kann. Das vorliegende Bild
ist wieder aus der Māyāhöhle der zweiten
Anlage von Qyzyl genommen und zwar aus
dem hinter der Nische liegenden Quergang
an der inneren, kürzeren Wand (h) gegenüber
den eigentlichen Parinirvāṇa-Darstellungen.
Eine gute Replik desselben Bildes enthält A