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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

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0037 Alt-Kutscha : vol.1
古代クチャ : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / 37 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000192
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OCR読み取り結果

I,22—I,23

glorifizierten Bodhisattvas, sammelten Bücher
ohne Unterschied der Sprache und der Reli-
gion, gleichgültig, ob sie ein oder der andern
buddhistischen Sekte angehörten oder den
Jainas oder den Manichäern oder sonst einem
System, brachten ihre Beute der mannigfachsten
Art und Stiles in die Klöster und feierten
mit Eifer und Pomp die Feiertage der Mönche.
Maler, Techniker jeder Art zogen sie heran und
bezahlten sie aus der Beute, denn so wurde ihr
königliches Ansehen gestützt. Kaufleute hatten
schon seit den ältesten Zeiten Gewänder,
Gläser, metallene Lampen und Spiegel, Decken
und Vorhänge, aus Holz, aus Metall, aus
Elfenbein gemachte Dinge aus dem noch unter
antikem Einfluß liegenden Orient eingeführt
und Seide und andere Dinge aus China zu
den Persern und weiter gebracht. Sobald sie
an das Hoflager eines dieser Fürsten kamen,
wurden sie zu ihm gebracht und sahen sich
gezwungen, um weiter reisen zu können, ge-
wisse Dinge als Wegesold zu übergeben. Nur
so konnten sie ungeschädigt die auch damals
großen Einöden passieren, um, aus China
zurückgekehrt, in ähnlicher Weise den Rück-
weg zu erkaufen. Und wer von den etwa um
das Hoflager angesiedelten Kleinhändlern von
den durchziehenden Karawanen etwas Fremdes,
Ungewöhnliches erwerben konnte, war den-
selben Erpressungen ausgesetzt, wie das willen-
lose Volk der Bauern, das sogar Angst hatte,
eine zu reiche Ernte zu erlangen. Der Bauer
mußte, wie heute noch, die Pferde zu den
Transporten stellen, wenn er nicht, der Aus-
wucherung müde, selbst Karawanenbetrieb
hatte und zerfetzt wie ein Bettler jahraus jahr-
ein auf den Landstraßen lag, während seine
Angehörigen das Feld soweit bestellten, als
zu ihrer Erhaltung nötig war. Mehr als das
Nötigste wurde abgepreßt durch den Landes-
herren. Es ist klar, daß unter solchen Ver-
hältnissen von Kunst und Kunstgenuß keine
Rede sein konnte. Nur Krüppel und Ver-
stümmelte machten gewisse gewerbliche Dinge:
Schnitzereien, Stickereien, Bemalungen der
Lehmhäuser und nähten, wie alles schaf-
fenden, völlig rechtlosen Weiber.
23. Durch den Karawanenbetrieb entstand
eine unerhörte Buntheit der Formen in allem,
was zum Besitz der Fürsten und auch der
Klöster selbst gehörte. Was die Anlage der

I,23

Klöster, Tempel und Kapellen betrifft, so
ließen die Herren die Bauten nachahmen, die
sie in Indien oder den bereits buddhistisch
kultivierten Ländern gesehen hatten, aber mit
dem landesüblichen Material aus Ziegeln; aus
Lehm mit Rohreinlage und durch Pappel-
stöckchen gestützt die Kultfiguren, Lehmpuppen
mit echtem Blattgold belegt und kostspieligen
Farben (Blau ist Lapis lazuli!) bemalt! Andere
Farben lieferten Syrien, Indien und China.
Besonders waren es, wie wir sehen werden,
die heiligen Stätten von Udyāna, die als
Vorlagen dienten. Was an fremden Kunst-
produkten ins Land kam, wurde nur nach
Material und Form bewertet und so weiter
kopiert sogar schon von den berufsmäßigen
fremden Malern, die an den Höfen herum-
lungerten und wie Wundertiere behandelt
wurden. Das Dargestellte, der ursprüngliche
Sinn und Zweck des eingeführten Gegenstands
und seines Dekors war Nebensache. Man
deutete eben hinein, was man darin sehen
wollte, wenn man kopierte, schnitt nach
Bedarf weg oder setzte zu. Alle möglichen
Stilarten wurden durcheinander gequirlt, all-
mählich das zu Fremdartige durch mönchischen
Eingriff ausgeschieden und so ein monotoner
Kanon der kirchlichen Kunst erzielt, dessen
Elemente in der letzten Stufe auseinander-
zuholen, fast hoffnungslos scheint. Glücklicher-
weise drückt uns eine fast fünfhundertjährige
Reihe von Einzelstufen das Mittel der Typen-
geschichte als festen Punkt in die Hand.
Was von den eingeführten Objekten vorder-
asiatischen, indischen oder chinesischen Ge-
werbfleißes nicht in die Klöster wanderte,
wo es als Unterlage des Dekors der Tempel
Verwendung fand, blieb in den Händen der
Fürsten und ihrer Familien. Niemals hat das
Volk selbst daran Anteil gehabt, an Ein-
richtungen, die aus seinen Steuern und dem
Straßenzoll und aller Raubbeute der Herr-
schenden und ihrer Angehörigen bloß dem
Pomp und dem Kult der Toten dienten. Die
fremden Maler kamen unter ihrem Schutz
überall hin und wurden überall gut behandelt.
Diese Leute, an Wohlleben und feinerer
Körperkultur gewohnt und darauf stolz, mit
allerlei Pfiffen und Schnurren ihren Gönnern
sogar überlegen, dienten ihnen nicht bloß
durch ihre Malkünste, sondern spielten eine