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0062 Alt-Kutscha : vol.1
古代クチャ : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / 62 ページ(カラー画像)

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doi: 10.20676/00000192
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OCR読み取り結果

I,33 I,33

Zwischen der oben besprochenen Vajrapâṇi-
Figur und den Gandhâraskulpturen liegt eine
lange Entwicklung: das Bild aus der Kamin-
höhle gehört dem zweiten Stil in Qyzyl an,
der bis ins achte Jahrhundert fortlebte und
fast maschinenmäßig, womöglich mit denselben
Patronen überall arbeitete. Vor allem liegt
dazwischen die Entwicklung der vier Lokapâlas
zu den noch geltenden festen Typen. Sie
sind Wiederholungen des geharnischten Kaiser-
typus, die erst allmählich durch feste Attribute
und ein zugewiesenes Parivâra unterscheidbar
gemacht wurden. Sonst fällt ihr Typus mit
dem des geharnischten Vajrapâṇi zusammen.
Die Geschichte dieses Panzers ist freilich
eine Sache für sich. Wir sahen seine Formen
wechseln, aus der Aigis der Athene wird der
Panzer, den die Indoskythen tragen, ferner
geht er in der Oase Turfan in die Formen
über, die uns in Tibet, China und Japan
wieder mit Varianten geläufig sind.
Es finden sich aber noch Spuren einer
anderen Helmform. In den Wandgemälden
von Murtuq (Fig. 40) kommen Vajrapâṇi-
Figuren vor, über deren Gesicht ein zweites
kleineres auf der Stirn zu sehen ist. Eine
Erklärung ergäbe sich aus der Annahme, daß
Athene-Figuren oder Köpfe mit korinthischem
Helm hier Vorlage waren. Das Gesicht des
über der Stirn liegenden Visiers wurde als
Gesicht über der Stirn mißverstanden.
Eine weitere Spur dieser Reihe führt uns
auf ein ganz anderes Sujet. Wir sehen dabei
aber auch, in welch vorurteilsloser Weise mit
den überkommenen Formen gewirtschaftet
wurde. Ein Bild, welches aus der Rückwand der
sogenannten Treppenhöhle in Qyzyl stammt
und ziemlich derselben Zeit angehört, wie die
oben erwähnte Kaminhöhle, stellt den Angriff
des Dämonenheeres des Mâra auf den me-
ditierenden Buddha dar, Fig. II,22. Es ist
bekannt, daß zur Darstellung dieser Dämonen
eine Menge von mischgestaltigen Wesen ver-
wendet wurden, von denen viele Karikaturen
der Hindû-Götter sind. Es wurde eben alles
hergeholt, um die Szene so grotesk wie mög-
lich zu machen. So begegnen wir auch in
diesem Bilde allen möglichen Mischformen
und Entlehnungen, darunter an drei Stellen
mehrköpfigen Dämonen mit den oben skiz-
zierten Doppelgesichtern und einem runden

Ball rotgefärbter Haare dahinter. Der Ge-
danke liegt nahe, daß auch hier der korin-
thische Helm mit dem Visier über dem Ge-
sicht Vorlage war. Der Haarwulst auf dem
Kopfe ist die Raumfüllung des oberen Teiles
des Helms. Naheliegend genug; denn diese
Bilder wurden nach roher Einritzung der
Disposition mit punktierten Patronen auf-
schabloniert und dann umrissen. Oft kommt
es nun vor, daß der, welcher die Farben ein-
trug, die untenliegende Zeichnung nur rein
räumlich ausnutzte, d. h., das von ihren Kon-
turen begrenzte Feld mißbräuchlich zu etwas
anderem benutzt hat, als die Patrone anzeigte.
So finden sich Gewandzipfel als Berge um-
gemalt, Stege von Musikinstrumenten als
Flüsse des landschaftlichen Hintergrunds miß-
verstanden usw.; vgl. unten zu Tafel XLIV-
XLV. Ich habe diese Abschweifung von dem
gegebenen Thema hier eingeschaltet, um das
Schwankende und Unsichere der Arbeitsart,
das uns überall wieder entgegentritt, aufs neue
zu betonen. Wir sehen also auch hier wieder,
wie die Hauptmasse dieser Temperagemälde
und mit ihr die buddhistische Kunst aller
Völker überhaupt mutatis mutandis je nach
den wirkenden Einflüssen verändert und doch
sachlich und formal zusammenhängend, sehr
ungeniert aus allen Quellen schöpft. Sie ver-
wendet, nicht ohne Mißbildungen aufkommen
zu lassen, alle möglichen Stilformen des ver-
schiedensten Ursprungs spielerisch und um-
deutend, um des äußeren Prunkes willen. Sie
steht auch hier, wie in so vielen anderen
Seiten, völlig auf derselben Stufe wie die
Frühgotik. In der Tat liegt es ganz in der
Hand des Malers, ob er ein uraltes ägyp-
tisches oder vorderasiatisches, ob er ein
griechisches oder griechisch-römisches Motiv
nutzbar machen will, bloß um eine Reihe um
eine Reihe zu variieren. Die Art, wie später dann
gewisse Dinge ganz ausfallen und so ein
Synkretismus zusammenwächst, dessen Ele-
mente kaum mehr zu lösen sind, ist höchst
amüsant, läßt aber nirgendes Originalität, viel-
mehr ein kanonisches Verknöchern, das jedem
Orientalen so nahe liegt, erkennen. Unter den
vielen sporadischen Beeinflussungen sind die für
uns faßbarsten die Münzen; der Einfluß von
Stempeln und Münzen ist auch sonst ausgiebig
bemerkbar. Ich bin vollkommen überzeugt,