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0137 Alt-Kutscha : vol.1
Ancient Kucha : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / Page 137 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000192
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OCR Text

„nachdem er dieses Bild gemalt hatte, machte
der aus Rumakama (Syrien) angekommene
Maler Maṇibhadra die Kreise als (untere)
Bemalung."
Unter den Kreisen (maṇḍalāni) sind zweifel-
los die aus Blattwerk gebildeten Umrandungen
der Schädel und Menschenköpfe gemeint; mit
dem Bild (Abbild.), das er gemalt hatte, dürfte
das schnurrbärtige Antlitz offenbar des oder
eines Malers selbst gemeint sein. Eine eigent-
liche Inschrift waren die Zeilen nicht, sondern
nur eines jener Sgraffitis, die so zahlreich
überall im Verputz zu lesen waren und mir
mehr als einmal wichtige Aufschlüsse gaben.
Wir erhalten also als Maler der Avadāna-
Bilder einen Mann, der den Künstlernamen
Priyaratna führte, als den der Ornamente einen
Syrer mit dem Beinamen Maṇibhadra.
32. Die erhaltenen Teile des Figurenstreifens
auf der L. Seitenwand auf den Tafeln XIX,
XX, XXI, XXII, XXIII in Farben dargestellt,
auf Fig. 30, 31 im Umriß in ihrer Folge an-
einandergereiht, stehen so in der Höhle, daß
eine große Szene, welche ein Schiffsunglück
darstellt, genau einer anderen Seefahrerszene
auf der R. Seitenwand entspricht. Wir sehen
also auch hier wieder die oben beobachtete
Regel, daß sich die Anordnung der Kompo-
sitionen immer in Entsprechungen bewegt, die

II,32—II,33

sicher nicht ohne Bedeutung sind, abgesehen
von ihrer künstlerischen Wohlgefälligkeit.
Vielleicht hatte der Dekor der Höhle irgend-
etwas mit einem Manne zu tun, der eine weite
Reise mit einer nicht ungefährlichen Fahrt
hinter sich hatte, vielleicht galten die Bilder
der Erinnerung eines so Verschollenen. Das
Bild auf der R. Seitenwand macht uns die
Bestimmung des dargestellten Avadānas leicht,
denn die letzte, Fig. 31, 9 dargestellte Szene,
in der ein Dämon einem sitzenden Manne ein
Rad auf den Kopf setzt, beweist uns, daß
wir das Maitrakanyaka-Avadāna vor uns haben.
Die L. Seitenwand zeigt uns durch die wieder-
holte Darstellung von Pretas, der Hundeszene
und des Eseltreibers, daß das dargestellte
Avadāna nur das Śroṇakoṭīkarṇa-Avadāna sein
kann. Das erstere ist bereits viel besprochen
worden, aber die im Divyāvadāna vorkom-
mende Fassung, in der besonders der Über-
gang in die transzendenten Stufen grandios
dargestellt ist, ist noch nicht in continuo
übersetzt worden. Ich gebe hier eine Über-
setzung von beiden Avadānas nach dem
Sanskrittext, zum Śroṇakoṭīkarṇa-Avadāna
habe ich auch die tibetische Übersetzung
verglichen und dies besonders deshalb, weil
die geschilderte Wüstenreise des letztgenannten
Textes entschieden Lokalkolorit hat.

33. Śroṇakoṭīkarṇa-Avadāna
Buddha, der Erhabene, hielt sich auf in Śrāvastī,
im Kloster des Anāthapiṇḍada Jetavana. Da lebte
in seiner Nähe in Vāsavagrama ein Haushalter mit
Namen Balasena, ein begüterter, reicher, in Wohl-
stand lebender Mann; er hatte ausgedehnten, weithin
sich erstreckenden Besitz und konnte so mit dem
Reichtumsgotte Vaiśravaṇa sich messen. Er hatte
eine seiner Kaste ebenbürtige Frau, er koste mit
ihr, unterhielt sich mit ihr, war ihr immer dienst-
willig. Kinder aber hatte er nicht, und da er einen
Sohn sich wünschte, so richtete er sein Gebet an
die Götter, an Śiva, Varuṇa, Kubera, Śakra, Brahmā,
an die Gottheit seiner Gärten, seines Parks, der
Kreuzwege, an die, welche Streuopfer erhält, an die
Gottheit seiner Geburtsreihe, die an seinem Dasein
Anteil nehmend, immer mit ihm verbunden war: „es
sagen ja die Leute, daß, wenn solche Gebete be-
gründet sind, auch Söhne und Töchter geboren
werden: aber das kann ja nicht so sein; denn an-
genommen, es wäre so, so würde ja jeder einzelne
tausend Kinder bekommen können, wie ein welt-
beherrschender Kaiser. Aber es sollen ja auch
Söhne und Töchter zur Welt kommen, wenn drei
Fälle klar vorliegen. Welche drei Fälle sind das?