National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0139 |
Alt-Kutscha : vol.1 |
| Ancient Kucha : vol.1 |
Citation Information
OCR Text
II,33
Sohn: „Dann gestatte, Vater, daß ich den großen
Ozean befahre". Als Balasena einsah, daß sein
Entschluß feststand, erklärte er sich einverstanden.
Nun ließ der Hausvater Balasena im Dorfe Vāsava-
grāma durch Gongschläge bekannt machen: „Wer in
der Lage ist, mit dem Kaufmanne Śroṇakoṭikarna
mit Waren, die keinen Zuschlag und kein Fahrgeld
zu zahlen hätten, übers Meer zu gehen, die bringe
uns seine Ware herbei, die über das Meer gebracht
werden soll. Und so brachten fünfhundert Kaufleute
Waren, die über das Meer zu gehen bestimmt waren.
Balasena, der Hausvater, überlegte bei sich: „Welches
Tier soll Śroṇakoṭikarna selbst als Reittier wählen?"
So kam er auf den Gedanken: „wenn Elefanten, so
können junge Elefanten wenig tragen, junge Pferde
können auch wenig tragen, Esel aber sind als Träger
längst bekannt als passend, selbst wenn sie noch
jung sind, darum soll er Esel nehmen." Dann rief
der Vater ihn und sagte zu ihm: „Mein Sohn, nie
reite an der Spitze der Karawane, aber auch nicht
hinten nach. Kommt nämlich ein starker Räuber,
so fällt er die an, die vorangehen, kommt aber ein
schwacher, so greift er die Nachhut an. Deshalb
sollst du in der Mitte der Karawane gehen. Denn
das kann man sagen: „es ist noch kein Kaufmann
getötet worden, bevor der Karawanenführer getötet
war". Dāsaka und Pālaka erhielten die Weisung:
„Ihr jungen Leute, auf keinen Fall dürft ihr Śroṇa-
koṭikarna im Stich lassen". Nachdem nun die feier-
liche Einweihung durch ein Fest, um den Erfolg zu
sichern, vorüber war, begab sich Śroṇakoṭikarna zu
seiner Mutter, fiel ihr zu Füßen und sprach: „Ich
gehe jetzt, Mutter, bleibe in Segen; ich will das
große Meer befahren". Da begann sie zu weinen.
Er aber sprach: „Mutter, warum weinst du?" Mit vor
Tränen entstelltem Gesicht sprach die Mutter: „Mein
Sohn, werde ich meinen Sohn wohl lebend wieder-
sehen?" Er aber bemerkte bei sich: „Wenn ich
nun aufbreche, so bin ich des Erfolges sicher, und
sie ist es, die mir nun den Unsegen anhängt."
Darüber erregt, sagte er: „O Mutter, durch festliche
Einweihung bin ich glücklichen Erfolges sicher, wenn
ich das Meer befahre; du aber bringst mir damit
nur Unglück". Darauf die Mutter: „Ein böses Wort,
das Folgen kann, ist dir entschlüpft; nichtsnutzig
an sich möge es sich an sich selbst erproben,
möge das, was daraus folgen kann, schwinden, zer-
gehen, sich auflösen". So beschwichtigte sich die
Mutter, indem sie die böse Folge gut sein ließ.
Śroṇakoṭikarna brachte nun die Kaufmannsgüter, die
übers Meer sollten, nachdem das Einweihefest
vorüber war, auf Wagen, Traglasten, Bündeln und
Körben, auf Kamelen, Rindern und Eseln fort und
zog dem Meere zu. Nach und nach nun durch
Dörfer, Städte, Flecken und Kultorte ziehend, ge-
langte er an die Meeresküste. Mit Vorsicht wählte
er sein Fahrzeug für die Meerfahrt, und befuhr es,
um sich Reichtum zu erraffen. Mit günstigem Winde
gelangte er an die Edelsteininsel. Und es wurde
denn auch, da er überallhin seine Augen aufmachte,
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sein ganzes Schiff voll von Edelsteinen, als wären
es Sesamkörner, gehülster Reis, Beeren und Bohnen.
Endlich kam er, da sein Schiff sehr günstigen Wind
erhielt, nach Jambudvīpa. Die Karawane nun blieb
an der Meeresküste, der Kaufmann Śroṇakoṭikarna
aber nahm Dāsaka und Pālaka zu sich, ging aus
der Mitte der Karawane heraus zur Seite und be-
gann das metallene Kleingeld auf dem Zählbrett
abzuzählen. Den Dāsaka schickte er zurück: „Dāsaka,
schau, was die Karawane macht!" Er ging hin,
soweit er sehen kann, schläft die Karawane, also
legt er sich auch schlafen. „Dāsaka braucht lange",
also wird Pālaka abgeschickt. „Pālaka, schau, was
die Karawane macht!" Er ging hin, soweit er sehen
kann, sieht er die Karawane packen, also fängt er
auch an aufzuladen. Dāsaka denkt sich, Pālaka wird
Śroṇakoṭikarna schon Mitteilung machen, Pālaka
denkt sich, Dāsaka wird es tun. Die ganze Nacht
war die Karawane mit Verladen beschäftigt und brach
dann noch auf. Śroṇakoṭikarna aber, in tiefen Schlaf
versunken, war liegen geblieben. Die Karawane
war schon fort, als der Morgen kam. Da sprechen
sie: „Ihr Herren, wo ist denn Śroṇakoṭikarna, der
Kaufmann?" „Er ist vorausgegangen." Nun eilen
sie nach vorne und fragen: „Wo ist denn Śroṇakoṭi-
karna?" „Geht hinten nach." Als sie nach hinten
gekommen waren, fragten sie: „Wo ist der Kauf-
mann?" „Geht in die Mitte." Sie kommen nach
der Mitte: da ist er aber auch nicht. Da sagt Dāsaka:
„Mir fällt jetzt ein, Pālaka wird den Śroṇakoṭikarna
rufen", und Pālaka sagt: „mir fällt ein, Dāsaka wird
ihn rufen." „Ihr Herren, da ist keine schöne Sache
vorgekommen, daß uns der Kaufherr abhandenge-
kommen ist: kommt, kehrt mit uns um!" Man ruft
ihnen zu: „Ihr Herren, kehren wir um, gebt bei uns
allen auch alles verloren; kommt, wir richten das
unter uns ein. Bis dahin darf aber den Eltern des
Śroṇakoṭikarna nicht bekannt werden, daß die Ware
aufgehoben wird." Also einigten sie sich und zogen
weiter. Nun hören aber die Eltern des Śroṇakoṭi-
karna, er sei angekommen. Also gingen sie ihm
entgegen. „Wo ist der Kaufmann Śroṇakoṭikarna?"
„In der Mitte geht er." Sie gingen nach der Mitte
und frugen. „Er kommt in der Nachhut." Sie gingen
zur Nachhut und frugen. „Er geht voraus!" In dem
Durcheinander ist seine Ware zur Seite gepackt
worden. Nachher nun sagen sie: „Freunde, den
Kaufmann Śroṇakoṭikarna haben wir wohl übersehen."
Ein anderer kommt zu ihnen allein und sagt: „Śroṇa-
koṭikarna ist angekommen." Nachdem sie ihm ihr
Ohr geliehen hatten, gingen sie hin, konnten ihn
aber nicht finden. Wieder einmal kam ein anderer:
„Euer Wohlergehen, meine Freunde, unser Śroṇa-
koṭikarna ist jetzt gekommen." Auch diesem liehen
sie ihr Ohr, gingen hin, sahen ihn aber nicht. Von
nun an begannen sie niemand mehr zu glauben. In
den Gärten, wo ihre Familiengötter wohnten, ließen
die Eltern nun Schirme, Fächer, Krüge, Schuhwerk
mit aufgeschriebenen Inschriften hinstellen: „für
eine leichte, fröhliche Wiederkehr, für eine schnelle
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