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0143 Alt-Kutscha : vol.1
Ancient Kucha : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / Page 143 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000192
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II,33 II,33

dann diesen Quark aufbehalten?' Da sagt sie mir
darauf: 'Das hieße sich ja ins eigne Fleisch beißen,
wenn ich deine Konfektstückchen aufessen wollte!'
Deswegen, weil sie dies getan hat, verzehrt sie nun
ihr eignes Fleisch. Wieder steht das Fest eines
Mondhauses bevor und ich mache herrliches Konfekt
und schickte es den Verwandten. Das Hausmädchen
ißt diese herrlichen Dinge unterwegs auf und über-
reicht dort schlechtes Zeug. Und die gaben mir zu
hören: 'Dir geht es wohl recht ellendig, daß du uns
schlechtes Zeug schickst?' Da hab ich mir denn
das Mädchen gelangt: 'Mädel, du hast wohl gar das
schöne Konfekt genascht und dann mit Kram auf-
gewartet?' Und sie antwortet mir: 'Würde die
nicht Bluteiter schlucken, die deine Süßigkeiten ver-
zehrte?' Und als Lohn für das, was sie getan hat,
schluckt sie Eiter und Blut. Mir aber war der Ge-
danke gekommen, dort möchte ich meine Wieder-
geburt finden, wo ich den Lohn dieser Aller für das,
was sie getan haben und wie sie dafür büßen müssen,
sehen könnte. Und so bin ich durch den Einfluß
dieses törichten Wunsches die Großmeisterin von
Gespenstern geworden, während ich, weil ich dem
ehrwürdigen Mahākātyāyana einen Reisklöß gereicht
habe, in dem mir dadurch nahegereichten Götterlande
der dreiunddreißig Devas hätte wiedergeboren werden
können. Śroṇa, du wirst nach dem Neste Vāsava-
grāma gehen, dort lebt meine Tochter, die hält ein
Hurenhaus. Ihr sollst du sagen: 'Ich habe deinen
Vater, deine Mutter, den Bruder, das Weib deines
Bruders und das Dienstmädchen gesehen. Die lassen
dir sagen: „Schmachvoll ist es, was dir reifen wird
aus dem, wie du's treibst, gib das Schandleben auf!'
'Schwester, du sagst ja selbst: 'Gemeine Betrüger
sind wir, Leute aus Jambudvīpa': Niemand wird mir
glauben.' "Śroṇa, wenn sie dir nicht glaubt, dann
sage ihr nur: 'Im alten väterlichen Wohnhaus sind
vier eiserne Kessel voll mit Goldsand in einem
Gestell und in der Mitte ein goldener Ablutionskrug
mit einem Brāhmanastock. Die hol' heraus, genieße
davon, was dein Herz entzückt; aber wenn die Zeit
kommt, wo man mit Totenklößen der Zeit Genüge
tut, dann gib auch in unserm Namen eine Gabe
davon dem ehrwürdigen Mahākātyāyana.' Vielleicht
sagt dann das, was wir verschuldet hat, wird geringer,
schwindet und hört auf." Śroṇa versprach es ihr.
Da seit der Zeit, wo er so herumwanderte, nun
zwölf Jahre verflossen waren, so sprach sie zu ihm:
"Śroṇa, du wirst jetzt nach Vāsavagrāma gehen."
"Schwester, ich werde gehen." Er war noch in dem
Palaste, da gab sie den Gespenstern den Auftrag:
"Geht, ihr Freunde, legt den Śroṇakotikarṇa schlafend
im väterlichen Garten nieder und kommt dann wieder
zurück!" So wurde Śroṇa von ihnen nach Vāsava-
grāma in den väterlichen Garten gelegt. Als er
aufwacht, sind so weit er sehen kann, Glocken und
Schirme, auch Fächelwände mit Inschriften beschrieben:
"Für eine leichte, fröhliche Wiederkehr, für eine
schnelle Wiederkehr, falls Śroṇakotikarṇa noch lebt;
aber wenn er das Zeitliche gesegnet hat, gestorben

ist, daß er eine bessere Daseinsform als die, welche
er verlassen, erlange." Da denkt er: "Wenn ich für
Vater und Mutter schon als verstorben gelte, wie
kann ich da noch ihr Haus betreten; ich gehe zu
dem ehrwürdigen Mahākātyāyana und werde Mönch."
Also ging Śroṇakotikarṇa dahin, wo der ehrwürdige
Mahākātyāyana sich befand. Es hatte aber der ehr-
würdige Mahākātyāyana den Śroṇakotikarṇa schon
von weitem gesehen, also rief er ihm zu: "Komm
her, Śroṇa, sei willkommen, hast du, o Śroṇa, nun
diese Welt gesehen, aber auch die andere?" Śroṇa
antwortete: "Ich habe sie gesehen, verehrungswürdiger
Mahākātyāyana, ich möchte, verehrungswürdiger Ma-
hākātyāyana, das Mönchtum auf mich nehmen, denn
du sollst mir die heilige Disziplin verkünden; unter
deinen Augen will ich als Mönch leben, unter deinen
Augen tugendhaften Wandels sein." Aber der Ehr-
würdige: "Erfülle, Śroṇa, die früher gegebenen Vers-
prechen, richte die Botschaften aus, wie du sie an-
genommen hast." Also ging Śroṇa zu dem Hammel-
schlächter: "Mein lieber Mann, deinen Vater habe
ich gesehen, er sagt: 'Recht unerfreulich ist, was dir
einst zufällt aus deinem Beruf, gib dieses Sünden-
geschäft auf.'" "Aber, Mann, seit mein Vater tot ist,
sind zwölf Jahre vergangen, ist je einer gesehen
worden, der aus dem Jenseits wiederkam?" "Mein
lieber Mann, da komme ich ja her!" Aber jener
glaubt es nicht. "Mein lieber Mann, wenn du es
nicht glauben willst, so läßt dir dein Vater sagen:
'Unter deinem Schlachthaus steht ein Topf mit
Goldsand voll, den nimm heraus, genieße davon nach
Herzenslust; aber nimm die Gelegenheit wahr,
jedesmal, wenn die Zeit ist für die Seelenklöße, und
reiche jedesmal in unserm Namen dem ehrwürdigen
Mahākātyāyana eine Gabe. Vielleicht wird die
Wirkung dessen, was ich getan habe, schwächer,
schwindet, löst sich auf.'" Jener denkt: "So etwas
habe ich doch nie gehört, aber nachsehen will
ich, und wenn es so ist, muß alles wahr sein."
Darum grub er nach, bis alles da war, und nun
glaubte er daran. Nun ging er zu dem, der mit
Weibern, die ihm nicht gehörten, zu schaffen hatte.
Angelangt bei ihm, redete er ihn an: "Mein freund-
licher Herr, deinen Vater habe ich gesehen, der
sagt: 'Recht unerfreulich ist, was dir reift aus diesem
deinem Lebenswandel, höre auf mit diesem wider-
lichen Lasterleben!'" Jener aber antwortet: "Mensch,
heute sind es ja zwölf Jahre, daß mein Vater tot
ist, hast du je einen gesehen, der aus dem Jenseits
wiedergekommen war?" "Freundlicher Herr! daher
komme ich ja eben!" Das glaubt jener nicht. Da
sprach Śroṇa: "Wenn du, mein Gönner, es nicht
glaubst, unter dem Feueropferhauschen hat dein
Vater ein Gefäß hingestellt, das mit Goldsand gefüllt
ist. Er sagt: 'Das hol' heraus, genieße davon nach
Herzenslust; aber nimm die Gelegenheit wahr, wenn
die Zeit ist für die Totenklöße, und reiche jedesmal
in unserm Namen dem ehrwürdigen Mahākātyāyana
eine Gabe. Vielleicht wird dann die Wirkung dessen,
was ich getan, schwächer, schwindet, löst sich auf.'