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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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| 0151 |
Alt-Kutscha : vol.1 |
| 古代クチャ : vol.1 |
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II,34 II,34
sie fegt, lief sie in Übereile hin, umklammerte die
Füße des Maitrakanyaka und rief: „Verlasse mich
nicht, mein Söhnchen, gehe nicht!" Aber Menschen,
deren Sinn verstockt ist durch die Macht unwürdiger
Leidenschaft, sehen nie das, was allein frommen kann,
hören nicht die Stimmen der Wohlgesinnten, die die
Wirklichkeit zeigen und nur gute Anordnungen im
Sinne haben. Mit dem Fuße, wie mit einer Keule,
stieß wütend Maitrakanyaka das Haupt seiner dem
Jammer unterliegenden, auf die Erde hingeworfenen
Mutter. Wiederum von ihrem Kummer erfaßt, von
dem, was er getan hatte, gehetzt, beeilte er sich,
mit den Kaufleuten abzureisen. Da stand die Mutter
auf und sprach: „O Sohn, zuviel habe ich wohl getan,
deiner Abreise Einhalt zu tun; aber es droht Unheil
dir dadurch, daß du mich an den Kopf schlugst,
möge dieser Tat Unglücksfrucht ein Ende finden.
Nicht einmal im Traume sollst du empfinden müssen,
was die Gurus dazu sagen." Nun zog der Bodhi-
sattva Maitrakanyaka nach und nach durch viele
Städte und Märkte, durch Flecken und Dörfer, die
mehr als schön waren, vorbei an vielen Gärten und
Teichen, Flüssen mit Buschwerk, an Bergen und
Waldanflügen, an Kultorten und Klöstern und ge-
langte an die Meeresküste. Als das Schiff fertig
beladen war, stach es in die See. Des Meeres
großes, reines Wasser geht hin und her unter den
kräftigen Bewegungen der mächtigen Atemzüge der
Rachen der Meerdrachenfürsten, des Meeres Wasser
leuchtet mit seinem Wogenkranz in Bündeln von
roten und fahlen Strahlen, rot gefärbt durch das
Licht ganzer Bälle von Rubinen; furchtbar ist des
Meeres Wasser, durch Wogenbrandung, die auf-
gepeitscht ist, wenn es sich bricht an den Gipfeln,
die die Erde tragen, die Erde, die sich lang hinstreckt
aus Bangigkeit vor den Donnerschlägen, deren Feuer-
garben-Schlünde sprühen aus der erhabenen Hand
des höchsten aller Götter, des Gottes, dessen Donner-
stimme der aller Asuras gewachsen ist. Die See,
die bis zum Himmel hochspringt durch zusammen-
wirbelnde, vom Sturme hochgepeitschte Wogen-
brandungen, die gleichsam spielend gefaßt wird durch
die Arme, welche tausend Flüsse bilden, die ihr
Wassermassen zuschleppen, deren Wässer in Reihen
auftauchen und in furchtbaren Windungen Schlangen
mit schüttelnden Häuptern wirbeln läßt, hat in ihren
Tiefen Strahlenbündel, aus Edelsteinen sprühend, so
bildet sie ein Wellenrad, besetzt mit funkelnden
Perlenketten; furchtbare Muscheltiere hat sie infolge
glühenden Giftbrodems, mächtig lohend im Hervor-
brechen aus den Schlangenrachen; zerspalten ist sie
in ihren Berggipfeln durch die Klauenhacken der
Timi-Fische; in Gruppen schwimmen die Fische,
während das Wasser durch die zappelnden Füße der
Timi-Fische gepeitscht wird; die See hat Ufer, die
aus hohen Wellen hervortreten, an ihren Buchten
ertönt das wirre Geschrei dorthin geflüchteter Wasser-
vögel, überall liegen große Fische, von den Fängen
der Wasservögel erlegt, die, wenn die Flut wieder-
kehrt, wieder im Wasser wirbeln, leuchtende
Schneckenhäuser zeigt die See, die eine Edelstein-
säule in sich schließen, so ist sie bedeckt mit weißen
Schnecken, die den Strahlen des Mondes gleichen.
Schrecklich ist die See, da sie das Machtgebiet eines
alten Drachen ist, ihre Wasserfläche durchbrechen
schreckliche Makaras, dort gleicht sie einer gespreizten
Hand im Hin- und Herfliegen von Geflügel, in ihren
Tiefen geborsten, so daß der Riß weit hinabblicken
läßt: kurz, sie gleicht, weil von den verschiedensten
Spielreigen umgeben, einem Zauberbaum, da erregte
Wogen sie schütteln, wie Elefantenzähne die Baum-
stämme. Dies bemerkte er, als er aber daran war,
hinauszufahren über die breite Bucht, die seltsam war
durch viele und sehr verschiedene ungewöhnliche
Dinge, in der eine ganze Herde von Schlangen und
großen Fischen sich herumtreibend und herum-
getrieben zeigte im Schlunde eines bald groß, bald
klein erscheinenden Kessels, je nachdem sein Rand
sich erblicken ließ, da kam das Fahrzeug in Not,
weil der König der Fische, der Makara selbst, von
einer so mächtigen Größe, wie die Bergzacken,
welche die Erde tragen, darüber hinausschwamm und
dann sich wieder umwandte und dadurch Wasser-
wogen sich erhoben so groß und stark, daß sie unter
furchtbarem Getöse größten Widerhalls die Erde
hochzuheben schienen, und so begann das Schiff
schnell in den Grund der Wassermasse zu fahren
mit all den Schiffsgenossen, die nichts tun konnten,
als niedergeschlagen zu sein oder zu weinen oder
zu schreien, während ihre Glieder vor Todesangst
schlotterten. Unter furchtbar sich aufbäumenden
Wellen, die die Erde hochzuheben schienen, und
schrecklichen Stürmen von der Welt Enden her,
klatschte das Fahrzeug auf in den Wassermassen
des Meeres und barst in der Mitte. Mit unterdrücktem
Schrei starb einer, der bereute, zwischen den Zähnen
im weiten Rachen eines großen Fisches, anderen
entflohen die Lebensgeister mit unterdrückter Stimme,
die Kehle voll des eingedrungenen Wassers, andere
flohen auf großen Holzstücken in der Hoffnung, die
weite Wassermasse zu durchqueren, und begannen
ein verstärktes Geschrei, ganz zitternd und vor Er-
müdung erschöpft, da auch von ferne her die Wellen
herankamen. Aber Maitrakanyaka, der Bodhisattva,
wurde auch durch dies große Unglück nicht von
Furcht, Niedergeschlagenheit, Zaghaftigkeit oder Er-
müdung befallen, sondern hielt seine große, aus-
dauernde Kraft aufrecht. Er ergriff schnell ein Brett
und fuhr darauf los. So wurde er zwar hin- und
hergeworfen durch die kreisenden Wogen, welche
spielend hin- und hergingen, je mit dem Winde
gehend oder mit entstandener Wucht aufgepeitscht,
und mit vom Fasten matt gewordenen Augen, Lippen
und Händen erreichte er in erst vielen Tagen und
Nächten mit Mühe und Not die südliche Küstengegend
des großen Meeres, dessen Masse ihn nicht unter-
sinken ließ. So hatte er die unergründliche Wasser-
masse durchkreuzt und erreichte das Ufer. Da ließ
er das Brett los und gedachte des Wortes seiner
Mutter. Den Kopf in die Hände gelegt, sprach er
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