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0159 Alt-Kutscha : vol.1
Ancient Kucha : vol.1
Alt-Kutscha : vol.1 / Page 159 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000192
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II,34

steht." Der Bodhisattva antwortete: „Was hast du
getan, als du, Betörter, im Elend des Samsāra
dich noch herumtriebst? Was war es, weswegen
dieses eiserne Rad unter sprühenden Flammen auf
deinem Haupte kreist?" Der Mann sprach: „Viel
Unheil zeigte mir die Schicksalsgöttin, die den
Kreislauf mir erscheinen ließ; durch meine Anhäng-
lichkeit in ihrer Tätigkeit gebunden, hatte sie nur
den Wunsch, mir nach dem Besserwerden den
Frieden geben zu können; sie ist es, welcher die
Weisen auf Erden den Beinamen edelstes Ziel der
Menschheit geben. Das Schicksal wollte es, o Guter,
daß ich, belastet durch etwas mir Verwehrtes, an
meiner Mutter mich schwer verging; ich, dessen
ganzes Wesen Bosheit war, trat auf den Kopf meiner
Mutter. Darum kreist auf meinem Haupte das Rad
aus Eisen mit sprühenden Flammen." Die Wendung
auf ihn, die jener Mann ausgesprochen hatte, traf
das Herz des Bodhisattva Maitrakanyaka, und sich
überlegend, wie er davor sich am besten schützen
könnte, sprach er zu sich: „Einem andern will ich
Tor meinen Schutz angedeihen lassen und nun ist
er es, der mich, ohne es zu wissen, tadelt; wie,
trage ich denn schon für die Außenwelt ein Zeichen,
wie schuldbunden ich selbst bin, ja, auch ich, ich
elendiger Mensch, habe dies Verbrechen an meiner
Mutter begangen bei einer Sache, die ich hätte be-
achten sollen. Um der Gefahr zu entgehen, das zu
ernten, was mir aus dieser Sünde reifen würde, bin
ich über das Weltmeer gefahren."
Kaum hatte er dies gesprochen, erhob sich ein
fortdauernder, tiefer Ton von Donner einer regen-
schwangeren Wolke, die aus einem Himmel kam,
der so klar war wie ein junges, eben entfaltetes
Lotusblumenblatt.
„Warum sieht der Mann, dessen Auge die Welt
auf sich fesselt, nicht, wie mächtig bei allen Geborenen
das Karman wirkt, und ihre Schlinge reißt ihn mit
sich; gebunden durch das, was sie umgibt, durch
die Kette des Elends an ein furchtbar eisernes
Schicksal, mißachten solche in ihrer Blindheit das
Wort einer ehrwürdigen Person und nehmen ihr
Unglück als Zuflucht; gelöst daraus, wenn Schicksals-
schläge heroengleich ihre Elendsketten brachen, er-
reichen sie wohl ein Menschendasein, bleiben aber
völlig betört, fern vom Erwachen!"
Kaum hatte er dies gesprochen, so sprang, wie
durch den Sturm seines Karman getrieben, das Rad,
furchtbar durch Ausstreuen sprühender Brandmassen,
von dem Kopfe jenes Mannes über auf das Haupt
des Bodhisattva Maitrakanyaka und begann zu kreisen,
um ihn zu zermalmen. In einem Augenblick rötete
sich durch Blutströme, die vom Scheitel herabschossen,
der ganz davon überronnene Körper, wie der hin-
sinkende Leib des Elefanten, wenn ein Wurfgeschoß
sein Haupt gespalten hat. Und während Bodhisattva
Maitrakanyaka Hah! Hah! rufend zusammenzuckte
infolge des fürchterlichen, den Kopf zermalmenden
Schmerzes, rief der Mann ihm zu: „Was dir herz-
liche Freude bringen konnte, die Orte, die herrlich

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waren durch die Lieder der Götterfrauen, hast du
verlassen, nun koste, was du dir als Schicksal ge-
schaffen hast, aus; du hast nun das Äußerste er-
reicht, den Ort endloser Qual. Wer wäre wohl so,
daß er, wenn er die Wohnungen der Götter erreicht
hat, in denen er unter unvergleichlichen Schönheiten
himmlische Reize genießen könnte, Wünsche hegen
nach dem Abgrund der Hölle, deren Flammenzungen
nie erlöschen?" Der Bodhisattva sprach: Wälder
voll von Lockrufen munterer Gefährten, Wälder,
in deren Wipfeln Blüten sich entfalten, verlassen die
Elefanten und ertragen den Verlust; so hat auch
mich mein Wille wie eine Liane hierher mitgeschleppt.
Ihre Königreiche, strahlend von Besitztümern und
lotusaugigen Frauen, verlassen die Helden und sterben
in der Schlacht, so hat auch mich mein Wille wie
eine Liane hierher mitgeschleppt. Wie Menschen
zur Vollendung, zur Erreichung der heiligen Wonne
der Götter gelangen, das Erfassen der Seligkeit bis
zum Ende ohne Leiden, ist der Inhalt der Gelübde
großer Asketen, so hat auch mich mein Wille wie
eine Liane hierher mitgeschleppt. Wer wird solchen
von jedem Leid befreiten Asketen den Staub der
Füße auf das Haupt bringen, Leuten die alle Ab-
gründe des Hoffens schrecklich wie beißendes Gift
durch viele Leiden überwunden haben? Welcher
Schmerz wäre so übergroß, welches Unglück so der
Ausgangspunkt von Jammer aller Art, daß es weiter
wirken könnte bei denen, deren Seelenzustand fernsteht,
vom Giftfeuer der Gier gepeinigt zu sein?
Und dann, o Freund, mein Schicksal hat mich fort-
gerissen, und so weile ich jetzt in der Ferne; aber
es zieht die Frucht des Karmans uns im Leben
dahin, wo sie sich ihnen bieten kann; wieviel tausend,
wieviel hundert Jahre wird dies flammende Eisenrad
auf meinem Haupte sich drehen?" Der Mann ant-
wortete: „Sechzigtausend Jahre, sechzighundert Jahre
wird dies flammende Rad auf deinem Haupte sich
drehen." Der Bodhisattva antwortete: „Dies Rad,
das leuchtende, gelbe Spitzflammen in Masse sprüht,
wer wird es dann tragen kommen? denn wenn es
mich zermalmt hat, wird doch wieder ein anderer
kommen." Der Mann sagte: „Wer jetzt an seiner
Mutter frevelt und dann kommen wird, auf dessen
Haupt wird das Rad sich drehen, wenn es deines
verlassen hat." Da sprach des Bodhisattva, dessen
Herz litt durch den schrecklichen Schmerz seines
brennenden Hauptes, indem er gedachte dessen,
was er alles aus Mitleid so vielen Lebenden erwiesen,
zu dem Manne also: „Alle verehrungswürdigen Büßer
die schon im Himmel wohnen, längst völlig Sieger
über die umhüllende Blindheit der angeerbten Gier,
alle die edlen Unsterblichen in Scharen in strahlenden
Kronen und mit funkelnden Ketten und Armbändern
mögen es hören! Wenn mein Vergehen an meiner
Mutter ein Rad erschüfe rotgelb durch die flammende
Glut, so groß wie die ganze Welt, so würde dies
mich doch nicht davon abbringen, das Heil des
Lebenden zu fördern; ich würde beharren, es zu er-
tragen eine Myriade von Jahren, ja ein Weltalter