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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ

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0175 Chotscho : vol.1
ホッチョ(高昌) : vol.1
Chotscho : vol.1 / 175 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000194
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OCR読み取り結果

NATÜRLICHE GRÖSSE.

a. Großes Fragment eines gewebten Seidenstoffes.
Fundort: der schmale Gang neben der „Bibliothek", Ruine „K", Chotscho.
b. Fragment eines Seidenstoffs mit gefärbtem Muster.
Fundort: Ebenda.
c. Fragment eines Seidenstoffs mit gefärbtem Muster.
Fundort: „Manuskriptraum" aus dem Kloster auf dem rechten Ufer, Toyoq.
Herr Professor von Falke beschreibt diese Fragmente wie folgt:
a. „Seidenstoff mit gewebter Musterung: Kreise von zirka 20—22 cm Durchmesser
„aneinander gereiht, darin je zwei symmetrisch einander gegenüberstehende Hirsche.
„Deren Körper- und Beinstellung ist pferdeähnlich gebildet, doch trägt der Kopf auf
„gradem Hals Geweihe. In den Kreisbändern stehen radial nach außen akanthusartige
„Blätter. Das Muster war ursprünglich grün mit weißer Einfassung auf rotem Grund;
„heut verblichen und stark verronnen. [Die Tafel zeigt den Stoff von hinten, so daß das
„Muster rot auf grün erscheint]. Die Zwickelfüllung zwischen den Kreisfeldern ist nicht
„mehr deutlich erkennbar."
„Der Stoff gehört zu jenen kunstgeschichtlich wichtigen Seidengeweben des hohen
„Mittelalters, welche die Übertragung spätantiker und persischer Kunstformen nach
„Ostasien veranschaulichen. Die geweihragenden Hirsche kommen zwar im Formen-
„schatz der spätniken sassanidischen Seidenweberei, soweit er erhalten ist, nicht
„vor. Doch beweist schon die symmetrische Musteranordnung in Kreisen, die in der
„hellenistischen Weberei unter Anlehnung an Mosaikpavimente im 5.—6. Jahrhundert
„n. Chr. aufkam und gleichzeitig von Persien übernommen wurde, den westlichen,
„vorderasiatischen Ursprung der Darstellung. Die Zeichnung der Tiere und insbesondere
„der Akanthusborte (nur auf der Vorderseite des Originals erkennbar) stimmt am
„meisten mit einer Gruppe ostiranis cher Seidenstoffe des 8.—10. Jahr-
„hunderts überein, welche die Tierbilder der Sassanidenzeit in einer auffallend
„starren, barbarisch wirkenden Stilisierung weiterführen. Als die nächstähnlichen
„Analogien des vorliegenden Stückes sind zwei ostiraische Seidenstofffragmente mit

„Pferdepaaren in Kreisen in dem an spätantiken und frühmittelalterlichen Textilien
„sehr reichen Schatz der Kathedrale von Sens zu nennen. Über die Herstellungszeit
„des Hirschengewebes vor dem 10. Jahrhundert kann bei der nahen Verwandtschaft
„mit der ostiraischen Gattung kein Zweifel bestehen. Es ist aber infolge der sehr ver-
„riebenen Oberfläche des Gewebes heut schwer zu sagen, ob ein iranisches Original-
„gewebe vorliegt oder einer jener chinesischen Stoffe vorderasiatischen Stils, wie sie
„im Horiushitempel und im Shosoin zu Nara mehrfach erhalten sind. Da die Akanthus-
„borte sonst in den chinesischen Nachahmungen nicht vorkommt, während Originale
„der ostiraischen Gruppe von Pelliot in Kansu gefunden worden sind, ist der Hirschen-
„stoff mit einiger Wahrscheinlichkeit den Originalen zuzurechnen."
b. u. c. „Fragmente eines feinen leichten Ganzseidegewebes, dessen Musterung
„— blau, weiß, grün und vergälbes rot — nicht durch Weberei, sondern durch Färbung
„erzielt worden ist. Das spricht eher für mittel- oder ostasiatische Arbeit, womit ja die
„freie schwungvolle Zeichnung des Vogelflügels b und der Stil der Entenköpfe c über-
„einstimmt. Die Textilmusterung durch Färberei — sei es Abdeckverfahren oder
„Modelldruck — war im Mittelmeergebiet schon zur Zeit Herodots bekannt und erhob
„sich im 6. Jahrhundert n. Chr. mit den aus ägyptischen Gräbern stammenden Vor-
„hängen, auf welchen antik-mythologische und christliche Bilder großen Maßstabs ein-
„gefärbt sind (im Musée Guimet, Kunstgewerbemuseum Berlin, Victoria & Albert-
„Museum in South Kensington) zu höchst ansehnlichen Kunstleistungen. Im Westen je-
„doch, einschließlich Persiens, erscheint die Färberei nur auf Wolle, Baumwolle oder
„Leinen, nicht auf Seidengeweben. In den japanischen Tempelschätzen der Nara-
„periode dagegen sind verschiedene ostasiatische Seidenstoffe des frühen Mittelalters
„vorhanden, die in Färberei sassanidische Webemuster nachahmten. In welcher Technik
„die Färberei ausgeübt wurde, ist den vorliegenden Stücken nicht mit Sicherheit zu
„entnehmen; man kann bloß sagen, daß die technischen Merkmale der Wachs-
„abdeckung, des sog. Batikverfahrens, hier nicht vorhanden sind."

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