National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0123 |
Die Teufel des Avesta und Ihre Beziehungen zur Ikonographie des Buddhismus Zentral-Asiens : vol.1 |
| The Devils of Avesta and their Relationship to Iconography of Buddhism in Central Asia : vol.1 |
Citation Information
OCR Text
der Kopf auf der Backe vier senkrechte Striche
hat, die sicher nicht bedeutungslos sind. Jeden-
falls nun liegen auch hier Zusammenrückungen
vor, deren Hauptelemente außer dem Gehörn,
das Auge, die vier Striche, das Ohr und die
Maulpartie mit der vorgewölbten Stirne sein
mögen. Es ist mehr wie wahrscheinlich, daß
der Umriß des Kopfes mit dem Maul eine
etwas verschobene Variation der gehörnartigen,
einen zuckenden Blitz darstellenden Hiero-
glyphe bildet, die als erste des Hauptdämonen-
namens am Anfang der Kolonne 2, Z. 1 er-
scheint. Der Umriß des Stierkopfes erscheint
somit als Reduplikation des Gehörns auf der
Stirne, das ja noch mehr der eben erwähnten
Hieroglyphe gleicht. Dadurch aber ist auch
die Gleichung der zweiten Hieroglyphe, die
wir einen von Blut umronnenen, von oben
gesehenen Pfahl nannten, mit dem umrahmten
starren Auge nähergerückt. Eine weitere An-
gleichung bietet das Ohr und diese Angleichung
ist ebenso überraschend, als förderlich für die
Lösung des ganzen Problems. Es ist vor allem
klar, daß in dieser Reihe der Stierkopf die
Grundlage ist und die zuletzt aus Z. 1 herab-
geholten Variationen der Elemente eine Auf-
lösung furchtbarster Art. Zu beachten ist dabei
folgendes. Die Blutlache um den Pfahl, wie
wir die seltsame Umgebung des Kerns nannten,
bietet starke Varianten. Zwei derselben, leider
etwas schlecht erhalten, also als Ausgangs-
punkte unverwendbar, finden sich noch in
Fig. 19, Z. 1, 2 selbst, andere und zwar wohl-
erhaltene auf Fig. 20, Z. 1, 3, eine ganz ab-
weichende, sachlich aber sicher zugehörige in
der merkwürdigen Inschrift Fig. 31, Z. 1. Wir
haben oben (54) schon darauf hingewiesen, daß
auf Fig. 26, Z. 3 zwei ganz groteske, sicher
zugehörige Umbildungen vorliegen müssen.
Dadurch nun, daß die größere der beiden
eine Verlängerung hat, und zwar aufrecht-
stehend, wie sonst die liegenden Arme usw.,
geht hervor, daß, abgesehen von anderen Um-
formungen eine Annäherung an diese Reihe
stattgefunden hat und auch die zweite Variation
zeigt Unterscheidungen, die aufs deutlichste
beweisen, daß hier einer der beweglichsten
Typen vorliegen muß. Was nun die zwei
Formen in Fig. 20 betrifft, so ist ihr Unter-
schied gegenüber der Figur in Fig. 19, Z. 1
eigentlich gering, aber sicher nicht sinnlos;
denn sie sind unter sich wieder verschieden.
Die Lösung dieser Variationen nun verlangt
umfassende Untersuchungen, die Erstaunliches
bieten. Der Ausgangspunkt dafür ist das um-
randete starre Auge des Stierkopfs und der
parallelen anderen dämonischen Köpfe. Dieses
Auge ist eine Annäherung an eine ganze Serie
von größeren und kleineren Hieroglyphen,
deren Grundschema eine eiförmige oder
spindel- oder gar kegelförmige Figur ist, die
zwischen zwei Halbscheiben hervortritt. Bis-
weilen erscheint in Profilstellung an Stelle dieses
Eies ein länglicher Bolzen, der, um als solcher
in seiner Länge und Funktion erkannt zu werden,
verursacht, daß die bezügliche komplizierte
Figur samt der Scheibe schief gestellt wird
(Fig. 19 Z. 3, Fig. 24 Z. 2). Die Lösung eines
Eies und damit eines neuen schaffenden
Elements, einer neuen Zeugungsmöglichkeit
aus der Schale ist angeähnelt an das Auge
und damit ist zum Ausdruck gebracht, daß ein
sehendes Wesen die Schale dieses Eies ist. Das
Wesen aber, das alles sieht und das diese stete
Selbstverjüngung oder, derber ausgedrückt,
Selbstbeschattung und Selbstbegattung zeigt,
ist die Sonne; wir haben also das Recht, alle
die erwähnten Figuren auch als Variationen
des Sonnenbildes aufzufassen. Es gehört also
zweifellos auch die doppelte, mit dem doppelten
Längsstreifen versehene Sonnenscheibe in die-
selbe Reihe. Es ist dabei zu beachten, daß
in dieser letztgenannten Scheibe offenbar die
normale Form der stets sich aus sich selbst
verjüngenden Sonne vorliegt, während die
anderen Formen groteske Entstellungen, Miß-
geburten einer Gegenschöpfung genannt werden
müssen. Diese durch die Formen der Hiero-
glyphen schon deutliche Zweiteilung beweist,
daß wir es mit dem System des Zarathuṣtra
zu tun haben müssen, wobei die normal sich
verjüngende Sonne das gute, die durch wider-
liche Produktionen bezeichnete Scheibe aber
das böse Prinzip darstellen muß. Der Ausgangs-
punkt der letzteren grotesken Formen kann
nur die fast eiförmige querliegende Scheibe
in Fig. 19, Z. 1 sein, die wir Eingang in die
Unterwelt mit einem Verwesungsring genannt
haben und deren spontan aufflammende und
vernichtende Tätigkeit die in 54 skizzierte Hiero-
glyphenreihe drastisch erwähnte. Der Ursprung
dieses Verwesungsringes, dieser dämonischen
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