National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0275 |
Die Teufel des Avesta und Ihre Beziehungen zur Ikonographie des Buddhismus Zentral-Asiens : vol.1 |
| The Devils of Avesta and their Relationship to Iconography of Buddhism in Central Asia : vol.1 |
Citation Information
OCR Text
im Leben entscheidend sind: die Geburt und
der Tod. Anhalt irgendwelcher Art in dem
einen oder anderen Sinne ist nicht da. Aber
soviel ist klar, daß in Z. 3 zuerst vom Tode
die Rede ist, dann aber, nachdem „ich" und
„Sterblicher" erwähnt sind, folgt zweimal das
Zeichen der Geburt, allerdings durch Striche
quer und durch leere Innenfläche vom ersten
Zeichen verschieden. Hier setzt nun sofort
die Göttin ein mit einem längeren Absatz, in
dem keines der beiden Zeichen mehr vorkommt,
ja, sie fallen daraufhin überhaupt weg, nur in
dem Gegenstück zur Paradiesschale erscheint
die Anfangshieroglyphe von 5, die aber einen
ganzen mit „ich" als Subjekt formierten Satz
darstellen muß. Daraus geht hervor, daß mit
der vorletzten Gruppe von 3 an die Wendung
eine persönliche des Priesters wird, also ist
für 1 eine persönliche Wendung, etwa ein „ich"
oder sogar „du" ausgeschlossen; die Formel,
welche beginnt, ist eine allgemein gültige, und
die persönliche Wendung kommt erst, als die
Göttin sich bemerkbar macht. So ist also klar,
daß die ersten zwei Zeichen zu der Formel selbst
gehören, und daß in ihnen keine persönliche
Bezugnahme oder Anrede enthalten sein kann.
Es ist also die rein äußerliche Analyse so weit ge-
diehen, daß wir den Inhalt nach den abgetrennten
Abschnitten 1—7, Abschnitt für Abschnitt,
etwa so formulieren können:
1. Der Priester rezitiert eine Formel, in der
menschliches Dasein und die Sterblichkeit
erwähnt sind.
2. Eine Flügelgottheit wird im Knistern des
brennenden Räucherwerks hörbar.
3. Der Priester redet von sich aus das über-
irdische Wesen an, nennt es wiederholt,
offenbar erregt, weist darauf hin, daß eine
Göttin zu einem Sterblichen kam, denn er
sei ja nur ein Sterblicher, ein auf der Erde
Geborner.
4. Die Göttin antwortet; indem sie auf das
Paradies hinweist, nennt sie ein Wort, das
den Grund andeutet, warum die Menschen
sterben müssen.
5. Der Priester nennt sich bescheiden einen
Sohn der einst zugrunde gehenden Erde,
des entstellten Paradieses.
6. Die Göttin wiederholt mit einer wohl trö-
stenden Anrede das in 4 zitierte Vergehen.
7. Der Priester führt die in Absatz 1 begonnene
Rezitation zu Ende.
Wenn wir nun versuchen, diese durch die
Figuren und durch die etruskischen Gegen-
stücke errungenen kurzen Sätze in Worte
umzusetzen, so müssen wir vor allem von den
etruskischen Werten der Schriftelemente, die
ja hier offenbar auch sachlich nicht in Frage
kommen können, vollständig absehen und die
medischen Werte finden. Eine Aufgabe, wie
die vorliegende, ist aber mit so wenig Material,
wie diese Zeilen bieten, scheinbar menschen-
unmöglich, und doch sind es gerade die wenigen
Worte der lispelnden Göttin, die den Weg
weisen. Drei Zeichen, davon das erste zweimal
gesetzt, verraten dem Priester die Anwesenheit
einer Göttin selbst. Die Wiederholung des
ersten Zeichens in 2 begegnet im Folgenden,
was der Priester spricht (3), einer ähnlichen
Wiederholung in der Mitte des Satzes unter
einem Zeichen, das dem ersten in 2 ähnlich
ist, aber den Halbkreis umdreht. Diese
Gruppierung kann nur den Sinn haben, daß
die Anrede, der Lage des Priesters ent-
sprechend, nicht das erste Wörtchen wiederholt,
so wie es für ihn paßt, sondern das darauf-
folgende Wort. Das verschiebt den Gegensatz
in wunderbarer Weise so, daß in 3 der Titel
oder der Name der Göttin wiederholt wird,
in 1 aber das anredende Wort. Das Wort
muß kurz sein, es muß irgendwie dem kni-
sternden Geräusch entsprechen, und daraus
müssen sich dann erst die folgenden Worte
lösen. Es liegt hier ein Fall vor, der zum
Schönsten gehört, was diese Inschriften ent-
halten; denn alles übrige ist grauenvoll. So
ist dieser Text wegen seiner Kürze und
Klarheit, Schönheit und Vielseitigkeit, trotz
der Kürze die einzige Perle in diesem Wirrsal
von Entsetzen. Die sachliche Bedeutung, die
sich nun rasch und leicht ergeben wird, ist
aber monumental. Das angewandte System
verwendet ebenfalls nur Strich und Bogen,
Ecken und Kurven, Schraffierungen und Kom-
binationen, aber in ganz anderer, geradezu
beispiellos genialer Art. Folgen wir den oben
gewonnenen Stützpunkten, prüfen wir sie, ob
sie bestehen bleiben können; gelingt das, so ist
das Gerippe fertig, aber nicht nur für diese
Inschrift allein, denn die Zeichen kehren wieder
und müssen in den anderen Inschriften wieder
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