National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0504 |
Die Teufel des Avesta und Ihre Beziehungen zur Ikonographie des Buddhismus Zentral-Asiens : vol.1 |
| The Devils of Avesta and their Relationship to Iconography of Buddhism in Central Asia : vol.1 |
Citation Information
OCR Text
Realien auch nur anzufassen, von noch schlim-
meren „Forschern" zu schweigen, so ist es
doch besser, wenn sie die Hand von einer
Literatur lassen, die vielleicht, die chinesische
ausgenommen, die vielseitigste, wertvollste
und ungeheuerlichste der Erde ist. Um die
letzten zwei Hieroglyphen zu lösen, muß ich
eine Stelle der „Edelsteinmine" des Tāranātha
hier einsetzen. Sie steht in meiner Übersetzung
S. 45. Saroruha, ein großer Paṇḍita hat
während einerPredigt über die Tantras folgende
Vision:
„Er sah ein altes Weib Holz sammeln, und
als das Holz unter Zaubereinflüsse kam, war
hier Lachen, dort Weinen. Als er nachher
nach Hause gegangen war, fragte er darüber
seinen Lehrer. Da gab ihm dieser den Be-
scheid: „Was das Lachen betrifft, so war
Lachen, weil du in deiner Predigt den Predigt-
worten des Vajradhara ähnlich sprachst, was
aber das Weinen betrifft, so war das Weinen,
weil du nicht zum Ausdruck bringen kannst,
wie es Vajradhara im Geiste denkt." Nun
sprach er die Bitte aus, ihm seine Zweifel
lösen zu wollen. Da war der Bescheid: „Da
ich nicht imstande bin, sie zu lösen, so
wende dich an den heiligen Sauhirten". (Es
war das der damals schon gestorbene Anaṅga-
vajra, der ebenfalls von seinem Lehrer Padma-
vajra dieselbe Anweisung erhalten hatte.)
Auf die Frage, wo denn dieser sich aufhalte,
war die Antwort, er wohne im Norden, in
einem armseligen Neste. Da ging er dorthin
auf die Suche. Aus einer zerfallenen Stadt
im Norden zog der heilige Sauhirt hinter einer
großen Schweineherde her. Als dieser dann
sich mit einem Weibe niedriger Kaste traf,
die eine große Holzlast aufgeladen hatte, da
erkannte er, daß die beiden symbolisch seien.
Was die Behinderung durch die Holzlast be-
trifft, so begriff er, daß er in seinem Selbst
aufräumen müsse mit dem noch nicht abge-
schafften Zorn, was das Zusammenleben mit
einem Weibe niedriger Kaste betreffe, so weise
es auf die Ausfegung der Geister, und was
endlich das Hin- und Herführen der Schweine-
herde betreffe, so weise es auf die Beseitigung
der geistigen Finsternis (also dveṣa, lobha,
moha, vgl. die allegorischen Tiere auf Fig 39a).
Er sprach die Bitte aus, ihn als Lehrer zu
erhalten und bediente sich der Worte: „Einen
Freund niedriger Kaste kenne ich zwar nicht,
bitte aber um Aufklärung." Da antwortete
jener: „Das ist eine Unverschämtheit" und
schlug ihn voll Wut. Und die Schweine des
Mannes aus der Stadt liefen fort in den elend
aussehenden inneren Raum eines allgemein
zugänglichen Hofraumes, der Mann (i. e. der
Ankömmling) aber legte sich nachts mit
dem Kopfe auf die Schwelle des Hofes.
Vor dem Eingang in diesen Hof stand die
Herberge. Als sie nun da lagen, fingen
die Säue während der langen Nacht an,
zu raufen und verschmutzten den Brunnen.
Der Mann schlug die Schweine, und das Weib
niedriger Kaste, die Göttliche, suchte sie zurück-
zuhalten, und trotz dieser scheinbar sehr ge-
meinen Verrichtung biß kein Zahn. Als sie
nun dort manchen Tag und manche Nacht
lagen, da sprach einmal am Morgen der spuk-
hafte Mann: „Der Mann da, der am Eingang
der Türe liegt, auf was paßt er denn auf?"
Die Göttin beschied: „Er liegt da, seitdem
er gebeten hat, Schüler werden zu dürfen, um
Präexistenzformen (tattvātā) zu erfahren." Da
sprach der Mann: „Hochmut darüber, daß er
sich Paṇḍita nennen kann aller Welt gegenüber,
paßt sich nicht für das „Gefäß dieser Existenz-
form".
Und nun erhielt er die erwünschte Unter-
weisung. Ich erinnere mich des Anblicks einer
Gruppe riesiger Säue, umgeben von einer
wahren Wolke schmutzbedeckter Jungen in den
zerfallenen, ruinösen Winkelgassen von Alt-
Qaraṣahr, der drastischste Anblick einer Reihe
ähnlicher Szenen, die wie die Scharen schäbiger,
dem Ankömmling überaus lästiger, von Unge-
ziefer bedeckter Hunde typisch für den Orient
sind! Hier ist der Ausgangspunkt zur Lösung.
Der zitierte Text bedarf keiner besonderen Er-
klärung, nur die eine! Das Holz, das die
Hexe, nennen wir doch direkt ihren Namen:
Vajravārāhī trägt, ist allerdings eine Allegorie,
die Aussicht auf den Pfähltod und damit die
Befreiung vom Erdendasein, die der „Held"
(vīra) ersehnt. Also schon das Erscheinen
mit dieser Hoffnung unmittelbar, ohne beerdigt
oder verbrannt zu werden, in den Himmel
einzugehen, war für den angehenden Zauberer
günstig. Damit ist aber auch das Lokal, wo
die Spukszene sich abspielt, genauer bestimmt.
Es ist eine Leichenstätte, die ja auch der Ort
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