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『東洋文庫所蔵』貴重書デジタルアーカイブ
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Iranische Felsreliefs : vol.1 |
| イランの岩壁彫刻 : vol.1 |
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Auch die regelmäßigen rechteckigen Vertiefungen sind Rudimente ehemaliger Holzformen. Es
ist durchaus unangängig, sie wie Dieulafoy als Andeutung des Werkzolles zu erklären. In diesem
Falle müßten sie von den Quadern abhängig sein. Statt dessen nehmen sie gerade gar keine Rücksicht
auf den Fugenschnitt, sondern durchkreuzen ihn vielfach. Also sind sie rein dekoratives Element.
Vielleicht besaßen sie einmal, wie Perrot vermutet, eine Farbe, wiewohl ich auch bei genauer Nach-
prüfung keine Spur davon entdecken konnte. Sind die Vertiefungen aber dekorativer Art, so ist auch
ihre Herkunft klar: die im Holzbau aller Zeiten und in Kleinasien noch heute übliche Verzierung in
ausgestemmter Arbeit. — Verwandte Schmuckformen sind die geometrischen Muster der phrygischen
Felsenfassaden; Brandenburg¹) hat recht, wenn er in ihren Musterungen die ausgestemmte Arbeit des
hölzernen Vorbildes erblickt. Franz v. Reber²) wollte nur Malerei, vermutlich auf Holz, zugeben und
hält diese für unter Einwirkung textiler Vorbilder stehend. Alfred Körte³) wollte Kacheln darin
sehen, deren Dekoration doch sicher selbst sekundär ist. Das klingt wie das Nachleben Semperscher
Ideen. — Tatsache ist, daß diese gestemmte Verzierung, mit Zuhilfenahme der Farbe, in Holz
allgemein ausgeführt wird. Die Frage, aus welchem Material die einfache geometrische Ornamentik
geschaffen wurde, ist damit nur lose verknüpft; es ist zu berücksichtigen, daß Technik allein kein
Ornament hervorbringt; selbst in der primitivsten Kunst der Flechterei ist zur Erzeugung des ein-
fachsten Rautenmusters ein methodischer Wechsel der Richtungen der Flechtelemente erforderlich.
Dieser Richtungswechsel ist willkürlich. Nicht aus der Technik allein, sondern in erster Linie aus
der Freude am Schmücken wurde das Ornament geboren. Daher ist auch die einmal erfundene
und schön gefundene Form alsbald unabhängig vom Material und von der Technik und frei über-
tragbar. — Die phrygischen Denkmäler, wie die persischen, sind über eine derart primitive Stufe
der Ornamentik längst hinaus. So ist also nur folgender Schluß berechtigt: Die in Fels oder Stein
dargestellte Ornamentik kommt an Häusern als ausgestemmte Holzarbeit vor, also liegt auch diese
Technik der steinernen Nachahmung zugrunde. In Persien aber verbietet sich die Annahme von Holz-
wänden. Die Wandflächen müssen aus Lehmziegeln bestanden haben. Ihre holzgemäße Ornamentik
ist also selbst schon eine Übertragung und zeigt, ebenso wie die abgekürzte Holzkonstruktion,
daß dieser Haustypus schon eine lange Entwicklung zurückgelegt hat, bei der das Holz als ursprüng-
licher alleiniger Faktor zurückgetreten ist. — Es wäre an sich sehr möglich, daß bereits an dem vor-
bildlichen Hause die ursprünglichen Holzteile auch ganz verschwunden und nur noch in Stein nachgeahmt
waren, so daß jenes Haus eine Mischbauweise aus Stein und Lehm gezeigt hätte. Das wäre noch ein
Schritt weiter auf der von dem alten Holzhause ausgehenden Entwicklung.
Im lykischen Hause hat sich also eine urtümlichere Form, eine ältere Stufe dieser Art Häuser
erhalten. Das Prototyp der persischen Monumente ist mithin eine recht junge Form. Dann ist diese
Form aber gleichzeitig mit ihren steinernen Nachbildungen selbst. Und wir können konstatieren, daß
die beiden Grabtürme ein gleichzeitig existierendes Wohnhaus wiedergeben, dessen Einzelheiten, dank
der Treue der Erzählung, die für alle alte orientalische Kunst charakteristisch ist, noch wohl er-
kennbar sind.
Die Antwort auf die Frage, wo dieses Wohnhaus stand, kann nach allem Gesagten kaum noch
zweifelhaft sein: in der Persis selbst. Ich möchte bei dieser Gelegenheit einen Überblick geben über die
Haustypen, die uns in Iran und seinen Nachbarländern im Original oder in Nachbildungen, in alter und in
neuerer Zeit bekannt sind. Die mit den achaemenidischen und älteren iranischen Typen näher verwandten
Formen werde ich dabei etwas herausheben. — In den Gebirgsländern Kleinasiens, mit zum großen Teil
analogen klimatischen Bedingungen und zum Teil stammverwandter Bevölkerung, kommt neben dem
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