National Institute of Informatics - Digital Silk Road Project
Digital Archive of Toyo Bunko Rare Books
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| 0082 |
Iranische Felsreliefs : vol.1 |
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Schwieriger ist die Deutung des Gegenstückes, der unter dem Pferde von Ormuzd liegenden Ge-
stalt, die meist als eine Personifikation des bösen Prinzips, als „Ahrimân" gedeutet worden ist¹). Die
Abwesenheit einer Kopfbedeckung, der anscheinend nackte Körper, der wilde, ungeordnete Bart- und
Haarwuchs, die Schlangenköpfe, welche im Stirngelock sichtbar werden, sprechen jedenfalls dafür, daß
es sich hier wohl nicht um die Darstellung einer historischen Persönlichkeit handelt. Dem vom König
überwundenen irdischen Feinden entspricht der vom Gott überwundene geistige Feind, „der lügnerische
und boshafte Geist, der Angru mainjû" oder Ahrimân²).
Wenn man gesagt hat³), daß das Gesicht Leid und Qual ausdrücke, so scheint mir dies übertrieben
zu sein. Von einer seelischen Empfindung kann bei diesem Relief keine Rede sein. Das Ungöttliche und
Böse ist in der Figur Ahrimâns nur durch äußere Mittel, durch die Schlangenköpfe⁴), vor allem auch
durch den ungepflegten Bart und das wirre Haar im Gegensatz zu den „künstlich angeordneten Locken
des Gottes und des Königs, angedeutet worden.
Wenn Ker Porter (a. a. O. I. pag. 556) in dieser Figur den „Dämon des arsakidischen Götzen-
dienstes" sieht, und Perrot hier Zohâk oder Azi-Dahâka⁵), eine andere Personifikation des bösen Prinzips,
erkennen will, so ist der Unterschied eben kein großer; denn auch diese beiden Forscher stimmen darin
überein, daß es sich um die Darstellung einer dem Gott Ormuzd und seinem irdischen Stellvertreter, dem
König Ardashîr feindlichen Macht handelt.
Obgleich die richtige Deutung dieses Reliefs, als Investitur Ardashîrs durch Ormuzd, durch die
schon seit langem bekannten Inschriften unzweifelhaft erwiesen ist, ist es wunderbar, daß Marcel
Dieulafoy⁶) von dem Vorhandensein dieser Inschriften gar nichts zu wissen scheint und hier
Ardashîr erkennen will, der seinem Sohne Shâpûr die Herrschaft übergibt. Der Umstand, daß der Vater
vom Sohn den Ring zu empfangen scheint, und die respektvolle Handbewegung des letzteren macht ihn
dann wieder in seiner Annahme stutzig, und er stellt die Frage auf, ob nicht doch vielleicht der vermeint-
liche Shâpûr „eine Gottheit" wäre, von der Ardashîr auf dem Schlachtfeld⁷), wo er die Parther nieder-
schlug, die Krone empfinge. Madame Jane Dieulafoy⁸) scheint noch weniger wie ihr Gatte sich mit der
Literatur der Denkmäler von Naqsh i Rustam beschäftigt zu haben; denn sie sieht hier zwei Könige, „qui
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