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0085 Iranische Felsreliefs : vol.1
Iranische Felsreliefs : vol.1 / Page 85 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000244
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Meiner Ansicht nach ist die erste Figur, welche einen hohen runden persischen Helm trägt, ein Mann
und vielleicht der älteste Sohn des Königs, jener Warahrān, welcher als Vizekönig oder Schah die ihm
schon von Hormizd I¹). übergebene Provinz Sakastān (Seistān) verwaltete und nach dem Tode seines
Vaters als Warahrān III. (mit dem Beinamen Sagānshāh) während der kurzen Zeit von vier Monaten den
Thron innehatte²). Neben ihm steht die Königin und zwischen beiden ein jüngerer Prinz. Diese drei Figuren
sind als die nächsten Angehörigen des Königs dadurch von den anderen unterschieden und ausgezeichnet,
daß ihre Kopfbedeckungen mit den typischen gefalteten Bändern geschmückt sind, die bei sämtlichen
anderen Figuren fehlen und wohl nur der königlichen Familie zukamen. Die Königin und der jugendliche
Prinz sind mit ähnlichen Kopfbedeckungen neben dem Könige auf Münzen (Abb. 27) dargestellt, ein
Umstand, der auch dafür spricht, auf dem Relief dieselben Persönlichkeiten zu sehen³). Dieser jugendliche
Prinz war eine Zeitlang der präsumptive Thronfolger, was daraus hervorgeht, daß er auf den Münzen neben
seinen Eltern dargestellt ist, scheint aber nie zur Regierung gelangt zu sein; denn nach dem Tode des
Königs besteigt nach der kurzen Zwischenregierung des erwähnten Warahrān III. ein Sohn Shāpūrs,
Narsê, den Thron. Dieser Narsê war demnach der Oheim Warahrāns II., und ich möchte ihn in der letzten
Figur, die auf der linken Seite des Reliefs dargestellt ist, erkennen. Er trägt die nur die Königen und
königlichen Prinzen, nicht den sonstigen Großen auf den Reliefs eigentümliche Haartracht und zeigt eine
große Ähnlichkeit mit den Porträts des späteren Königs Narsê, die wir aus seinen Reliefs von Naqsh i
Rustam und Shāpūr (Taf. IX und XLI) kennen. Getrennt von der nächsten königlichen Familie, von der
Königin und den königlichen Prinzen, ist dieser entfernte Verwandte durch den bartlosen älteren Mann,
der, wie die auf der rechten Seite dargestellten Großen, die Respektsbewegung mit der rechten Hand aus-
führt. Vielleicht handelt es sich hier um den Môbedhān môbedh, den Oberpriester, um das Haupt der Magier,
deren Macht seit der Gründung der sasanidischen Dynastie, seitdem durch Ardāshr mit ihrer Hilfe die
Religion des Zoroaster zur Kirche organisiert worden war⁴), stetig zunahm, besonders unter einem unkriege-
rischen und schwachen Herrscher. Als solcher erscheint Warahrān II. nicht nur in der Überlieferung, die, wie
wir erwähnt haben, die Besserung seines Lebenswandels den Bemühungen des Oberpriesters zuschreibt,
sondern wir erkennen auch seine klerikale, der Priesterschaft geneigte Gesinnung aus Inschriften. Eine
solche, religiösen Charakter tragende Inschrift ist aller Wahrscheinlichkeit nach unter seiner Regierung
auf dem großen Relief Shāpūrs I. in Naqshi Rustam angebracht worden, während sich eine ähnliche zweite
neben dem mittleren Relief von Naqsh i Radjab befindet und gleichfalls ihm zugeschrieben wird.
Wie schon gesagt, ist das Relief an einem vorspringenden Felsgrat angebracht, dessen unterer
Teil für den in der Nähe stehenden Beschauer das Relief etwas verdeckt. Hieraus erklärt es sich, daß
auf einigen Zeichnungen, z. B. bei Ker Porter und Kiash, nicht das ganze Relief und die Königsfigur
nur halb dargestellt ist.