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0157 Iranische Felsreliefs : vol.1
Iranische Felsreliefs : vol.1 / Page 157 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000244
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Wir haben hiermit einen Überblick über die ganze persepolitanische Reliefskulptur gewonnen.
Mit kurzen Worten möchte ich noch auf die Skulptur en ronde bosse aufmerksam machen, von der geringe
Reste bekannt sind. Auf Stolzes Tafel 16 bemerkt man im Vordergrunde einen Stiertorso von geringen
Dimensionen. Ein Gegenstück zu ihm ist der weit berühmtere Löwe von Hamadan, der vielleicht noch
aus medischer Zeit stammt und seit der islamischen Eroberung der Talisman der Stadt war¹). Aus lite-
rarischer Überlieferung stelle ich dazu eine Statue der Artystone, Tochter des Kyros, τὴν μάλιστα
στέρξας τῶν γυναικῶν Δαρεῖος εἰκὼ χρυσῆν σφυρήλατον ἐποιήσατο. Her. VII, 69. Dies genügt gerade,
zu zeigen, daß die freie Skulptur in der altpersischen Kunst nicht ganz fehlte. Sie dürfte noch ge-
bundener gewesen sein als die Reliefkunst.

Daß die Perserkönige griechische Bildwerke in ihren Residenzen aufstellten, ist bekannt. Arrian
(Anab. VII, 19, 2) erzählt, daß Alexander viele solcher Statuen aus Pasargadae, Susa, Babylon und an-
deren Orten ihren ursprünglichen Besitzern restituiert habe. Unter ihnen war die berühmte Doppel-
statue des Harmodios und Aristogeiton des Antenor. Nach Pausanias I, 8, 5 hat erst Antiochos dies Bild-
werk nach Athen zurückgesandt. Als andere fortgeführte Statuen werden eine Kolossalstatue des mi-
lesischen Apollon, die nach Egbatana, und eine Artemis von Brauron, die nach Susa gebracht wird, ge-
nannt. Auch griechische oder halbgriechische Künstler, wie Telephanes von Phokaea und der Lyder
Pythios, haben für Dareios und Xerxes gearbeitet.

Diese griechischen Bildhauer und Bildwerke haben die persische Kunst, wie man sieht, nicht be-
einflußt. Es ist hier wohl am Platze, noch kurz auf das Verhältnis der persischen zur griechischen Kunst
einzugehen. Daß man aus der Notiz bei Hamza, Hûmâi habe rhomaeische Arbeiter an ihren Bauten
arbeiten lassen, keine kunstgeschichtlichen Folgerungen ziehen darf, habe ich schon an anderer Stelle
ausgesprochen. Auch mit der Nachricht des Diodor (I, 46), φασί τοὺς Πέρσας . . . τεχνίτας ἐξ Αἰγύπτου
παρελαβόντας κατασκευάσαι τὰ περιβόητα βασίλεια τά τε ἐν Περσεπόλει καὶ τά ἐν Σούσοις καὶ τά ἐν Μηδίᾳ
ist kunstgeschichtlich nicht viel anzufangen. Wegen der wenigen Details, der ägyptisierenden Hohl-
kehlen auf den Türen, und der paar geflügelten Sonnenscheiben auf den Baldachinen kann man un-
möglich an Mitarbeiterschaft ägyptischer Steinmetzen denken. Diese wenigen Formen können auf vielen
Wegen nach Persepolis gekommen sein. Die ganze Technik, die Prinzipien der Komposition, die Stoffe
und die Vortragsweise sind nicht ägyptisch beeinflußt. Haben Ägypter und andere Völker an diesen
Werken mitgearbeitet, so haben sie doch an ihnen keine Spuren hinterlassen.

Ebenso verhält es sich mit den Beziehungen zur griechischen Kunst. Wenn überhaupt äußer-
liche Beziehungen der persischen Reliefs, etwa im Faltenwurf, zu griechischen Denkmälern beobachtet
werden können, so kann das sich nur auf den altionischen Kunstkreis beziehen, der uns vorwiegend aus
Ephesos, vom Artemision her bekannt ist, und dessen eigentliche Heimat wir in Milet suchen. Ein ge-
naueres Eingehen auf diese Beziehungen ergibt aber überzeugend, daß alle Ähnlichkeit in nichts besteht,
als in einer gewissen gleichmäßigen Höhe der reintechnischen Fähigkeit, die in den allgemeinen Kultur-
bedingungen des großen Reiches genügend motiviert ist. Welch ganz anderer Geist aber spricht aus
jedem griechischen Kopfe, jedem Körper, jedem Gewand und jedem Gliede! Wie absolut anders würden
griechische Künstler den Stoff der Tributzüge, der Audienzen, der Grabreliefs behandelt haben! Weder
die Prinzipien der Komposition, noch die Stoffe der Darstellungen, noch die Vortragsweise lassen auch
nur einen Hauch griechischen Geistes verspüren. Wenn je Griechen an diesen Werken mitgearbeitet
hätten, wenn je griechische Einflüsse auf die Kunst hätten einwirken wollen, so müßte man schließen,
daß diese persische Kunst so strenge Bedingungen, einen so starren Kanon und noch eine solche lebendige
Kraft besessen hätte, daß selbst so machtvolle Momente nicht imstande gewesen wären, ihr Spuren
ihrer Wirkung aufzuprägen.