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0174 Iranische Felsreliefs : vol.1
Iranische Felsreliefs : vol.1 / Page 174 (Grayscale High Resolution Image)

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doi: 10.20676/00000244
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die Anschauung zu stützen, daß auch jene alten Beispiele
keine singulären, sondern typische sind, führe ich noch eine
Münze aus Malta an (Perrot-Chipiez II, pag. 292, nach Duruy,
Hist. d. Rom. I, pag. 425). — Diese Beispiele lassen sich wohl
um einige vermehren, doch wird das Material bei der mangel-
haften Kenntnis jener Zeiten und Länder immer ein dürftiges
bleiben.
Die wichtigsten Schlüsse aber sind gesichert. Der Typus
des Genius mit den entfalteten Genienflügeln und einer ägyp-
tischen Krone auf dem Haupte läßt sich in Syrien, wo sich
hettitische, assyrische und ägyptische Einflüsse von alters her
mischten, schon seit dem neunten Jahrhundert nachweisen.
Gleiche und ähnliche Motive haben sich weit über Kleinasien
und die phönizischen Länder verbreitet. Also ist dieser Typus
von den Persern nicht neu geschaffen, sondern schon vor-
gefunden worden. Von dem Gedanken ausgehend, daß das
Relief ein Porträt des Kyros sei, hatte man sich vorgestellt,
daß der persische Künstler, um eine bestimmte Idee zu sym-
bolisieren, seinen Helden die Flügel der assyrischen Genien und die ägyptische Krone geliehen habe.
Das führte zu dem inneren Widerspruch, daß so etwas eigentlich erst nach der unter Kambyses erfolgten
Unterwerfung Ägyptens möglich sei. Diese ganze Vorstellungsweise beruht auf lauter falschen Voraus-
setzungen. Ein solcher Eklektizismus für den einzelnen Fall ist auch psychologisch nicht überzeugend.
Eine schöne Bestätigung dafür, daß keine unmittelbare Beziehung zu Ägypten vorliegt, ergibt
die Betrachtung des Kopfschmuckes. Die seltsamen ägyptischen Kronen sind schon früh im Auslande
nachgebildet worden. Für das hier besonders wichtige Kleinasien führe ich den prachtvollen hettitischen
Cylinder, im Besitz des Mr. Danicourt, bei Menant II, pag. 18, Fig. 112, an, welcher in die Amarnazeit
gehört. Später haben sie die Phönizier auf ihren Kunstindustrieobjekten überall hingeführt. Die von
dem Genius in Pasargadae getragene Krone tragen in Ägypten häufig die Toth und sein Vogel, die Ibis,
und der junge Horus. Abb. 77 gibt eine der schönen Bronzestatuetten des Horuskindes des Berliner
Museums (I.-Nr. 2381). — Prof. Schaefer weist mich nun auf ein wichtiges Detail hin: Die Scheiben am
Stirnrand der Schilfkronen bedeuten Sonnenscheiben und müssen daher im ägyptischen glatt, unge-
mustert dargestellt sein. In Pasargadae haben sie konzentrische Kreise, als stellten sie ein an ägyp-
tischen Bekrönungen häufiges Ornament dar¹). Daraus geht hervor, daß der Kopfschmuck einfach
dekorativ, ohne Verständnis seines ursprünglichen Sinnes, verwandt ist, und es ist daher auch ohne Be-
lang, ob diese Krone in Ägypten ursprünglich etwa eine Götter- oder eine Königskrone war.
Für die zeitliche Bestimmung des Reliefs ist aus dem ägyptischen Kopfschmuck also nichts zu
folgern. Dagegen muß es auffallen, daß der ganze Typus in Persepolis unter dem kanonischen Repertoir
der Skulptur nicht vorkommt. Bei Besprechung des Gebäudes S. (Tafel XXX und XXXI) werde ich
darauf hinweisen, daß auch der Gegenstand des einen seiner zwei Reliefreste in Persepolis nicht vor-
handen ist. Daß dies nicht ein Zufall, sondern darin begründet ist, daß diese Reliefs von Pasargadae
einer älteren Zeit angehören, läßt sich aus dem Stile des großen Reliefs beweisen.
Auf den Reliefs von Pasargade gibt es zwei Arten geflügelter Wesen: die Menschstierkolosse des
Torgebäudes und die Drachen in den Kampfdarstellungen. In beiden Fällen sind es zweiflügelige Wesen,
ein vierflügeliges kommt nicht vor. Die Flügel haben immer drei Reihen großer Schwungfedern. Bei
den Torkolossen blättern sich die Federn in freiem, schönem Schwunge auf. Die Drachenflügel dagegen
sind gestreckt und haben eine feine, sorgfältige Schraffur, welche die Härchen der Federn darstellt.