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| 0195 |
Iranische Felsreliefs : vol.1 |
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Die Ruine des Gebäudes R liegt etwa 200 m östlich vom Gebäude S. Über die Erde erhebt sich von
ihm jetzt nur noch der Türlaibungsstein mit dem Relief, und über diesem stand einst die Inschrift des
Kyros. Die sonstigen Reste sind sehr geringe, und es liegt dafür nur eine mangelhafte Aufnahme von
Flandin und Coste vor (Pl. 197). Eine in meiner Hand befindliche Photographie Professor Sarres zeigt noch
verschiedene Reste in der Umgebung des Reliefs, so daß eine aufmerksame Untersuchung auch ohne
Schürfung noch mehr ergeben sollte als der Flandinsche Plan. In seinem Texte spricht Flandin nur von:
„traces de fondations d'un édifice construit en assises d'un fort volume, les unes blanches, les autres noires."
Cl. J. Rich, der die Ruine 1821 sah, schreibt nur (l. c. pag. 241): "There are the remains here of two lines
of pilasters like a portico, all of white marble." Die Spur einer runden Basis, die Flandin entdeckte, beweist
aber, daß Säulen und keine Pfeiler die Decke stützten. Sicher läßt sich aussagen, daß dieser Raum wieder
ein Breitraum mit drei hintereinanderliegenden Schiffen war.
Unklar bleibt die Anzahl der Säulen. Flandin zeichnet Fundamente wie von zweimal 6 Säulen.
Doch setzen an die äußeren dieser Fundamente die Fundierungssteine für Orthostaten an, welche beweisen,
daß Lehmmauerwerk an diese äußeren Steine anschloß. Also sind diese Steine wohl die Fundamente von
Türpfosten und nur ungenau aufgenommen; ihre Distanz wäre für Türen zu weit. Die Tiefendimension
des Raumes, durch die Türlaibung mit dem Relief gegeben, ist 22 m. Das ist annähernd die gleiche wie
beim Gebäude S und spricht sehr dafür, daß auch die gleiche Breite wie bei jenem und also zwei Reihen
von 4 Säulen vorhanden waren. Die Wohnpaläste von Persepolis haben eine Tür in der Rückwand des
Saales; dennoch darf man aus der Tür des Gebäudes R allein nicht folgern, daß es ein Wohnpalast war.
Man muß sich mit der Konstatierung des „Audienzsaales" begnügen, ob er nun einem apadāna oder
einem hadish angehörte. Die Türlaibung ist 158 cm breit, mithin waren auch die Mauern nur 158 cm
stark; das ist nicht viel, aber ein ganz angemessenes Maß.
Die Bedeutung der Apadana als
Paläste, die den großen Zeremonien dien-
ten, hatten wir schon kennen gelernt.
Das Gebäude S ist ein Apadana. Wie die
Skulpturen, die Tributzüge und besonders
das Audienzrelief am Hundertsäulensaal
diese Deutung stützten, so auch bei dem
Apadana in Pasargadae.
Die einzige existierende Abbildung
der geringen Reste befindet sich bei
Stolze, Tafel 137. Das eine Fragment
zeigt ein Paar gewaltiger Raubvogel-
klauen. (Abb. 84.) Ihre Stellung läßt
schließen, daß sie die Hinterklauen eines
Ungeheuers sind; ob dies ein Skorpion-
oder ein Vogelgreif war, ist nicht mehr zu
unterscheiden. Wie jene Drachen von
Persepolis, richtete sich das Ungeheuer
scheinbar auf den Hinterklauen auf.
Dennoch kann es nicht, wie schon Stolze
bemerkt, einer Kampfszene angehören,
da die nackten menschlichen Füße, die
man rechts neben den Vogelklauen sieht,
sich in gleichem Sinne nach rechts be-
wegen. Da die Füße barfuß, die Beine
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