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0226 Iranische Felsreliefs : vol.1
Iranische Felsreliefs : vol.1 / Page 226 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000244
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Standarte, wie Flandin angibt) umfaßt. Links von ihm steht das Gefolge, in zwei Reihen geordnet,
sämtlich mit der üblichen Respektsbewegung den rechten Arm erhoben. Rechts naht sich dem König
sein siegreicher Feldherr, hinter ihm ein Standartenträger und dann persische Soldaten, die Gefangene
vor sich hertreiben. Die teils stolze, teils demütige Haltung dieser Gefangenen, deren Arme vor der Brust
gekreuzt und gefesselt sind, ist sicher zum Ausdruck gebracht. Im unteren Streifen zeigt die linke Seite
wiederum Perser, Krieger mit entblößtem Kopf, die das siegreiche Heer darstellen sollen; das ledige
Pferd an der Spitze möchte wohl das Schlachtroß des siegreichen Feldherrn sein, den wir rechts oben
an der Spitze der Gefangenen gesehen haben. Auf der gegenüberliegenden, rechten unteren Seite steht
an der Spitze eine Figur, die in den erhobenen Händen einen Kopf und einen Helm mit herabfallendem
breitem Band hält. Neben ihm ein Knabe, wohl der Sohn des enthaupteten Feindes; es folgen von
Persern geführte Gefangene, ein Elefantenreiter und Männer, die mehr oder weniger deutlich kenntliche
Gegenstände tragen, u. a. auch eine große bauchige Vase, wie sie zur Aufbewahrung von gemünztem
Geld gebraucht wurde.
Das Relief nimmt in künstlerischer Hinsicht die letzte Stelle unter den Reliefs von Shāpūr ein;
auch die Ausführung ist eine rohe und oberflächliche und läßt fast vermuten, daß es sich um ein nicht
vollendetes Werk handelt, und daß erst eine Überarbeitung der im all-
gemeinen gezeichneten Figuren eine schärfere Charakteristik der Figuren
und eine Wiedergabe des Details bringen sollte. Auch die en face sitzende
Herrscherfigur in der Mitte läßt sich durch den Mangel eingehenderer Be-
handlung nicht näher identifizieren; die Kopfbedeckung mit den darunter
hervorquellenden Lockenbüscheln, die sonst einen Anhalt für die nähere
Bestimmung des Dargestellten zu geben pflegt, ist nur andeutungsweise
behandelt; der Kinnbart ist hier ausnahmsweise rechteckig geschnitten.
Wir werden bei dieser sitzenden Herrscherfigur unwillkürlich an die in
der Bibliothèque nationale befindliche prachtvolle, mit eingelegtem Berg-
kristall und farbigen, gemusterten Glasflüssen versehene Goldschale er-
innert, deren Mitte eine Kamee aus Bergkristall mit einer auf dem Thron
sitzenden Herrscherfigur zeigt (Abb. 102), die man mit Recht als
Khosrau II. bezeichnet hat (Abg. Dieulafoy V. Pl. XXII und Smirnow: Argenterie Orientale, St. Peters-
burg 1909, Pl. XXIV; behandelt von E. Babelon: Cabinet de Médailles, Paris 1900, pag. 163 ff.). Hier
wie dort das gleiche Sitzen in Vorderansicht, dieselbe Stellung der Beine, Haltung des Schwertes,
ähnliche Haartracht und, soweit man die minutiöse Wiedergabe des Gewandes auf dem Kristall mit
den summarischen Andeutungen des Reliefs vergleichen kann, dieselbe Tracht. Es scheint uns sehr
wahrscheinlich, daß es sich bei dem Relief um ein Denkmal desselben Herrschers, also Khosrau II.,
handelt, um die Verherrlichung eines Sieges über einen Feind, über den nur das zu sagen ist, daß die
Römer wohl nicht in Frage kommen.
Trotz der erwähnten Mängel kann nicht geleugnet werden, daß im Gegensatz zu den schematisch
und steif wiedergegebenen Personenreihen der linken Reliefseite, in den rechten Darstellungen bei der
Vorführung der Gefangenen gelegentlich ein Pathos zum Ausdruck kommt, wie er sich selten in den
sasanidischen Denkmälern findet.