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0241 Iranische Felsreliefs : vol.1
Iranische Felsreliefs : vol.1 / Page 241 (Color Image)

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doi: 10.20676/00000244
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sondern daß selbst ihre Wohnhäuser schlechthin hellenistische waren, das hat in überraschender Weise
zuerst der von de Sarzec, Palais de Gondéa' genannte, über den Ruinen uralter Mauerteile erbaute
arsakidische Palast von Tello gelehrt. Sein restloses Verständnis ergab sich aus dem 1889 und 1900
von Fisher und Geere ausgegrabenen kleinen parthischen Palaste von Nippur. Hier sind die Peri-
style besser erhalten oder besser ausgegraben als in Tello. In Orchoe-Warka gab es wie in Assur
peripterale Tempel, und von ihnen sind auch einige Details publiziert, die das in Assur gewonnene
Gesantbild wesentlich ergänzen¹). Da ist ein dorisches Antenkapitell mit Eierstab-geschmücktem
Echinos, am Halse mit Perlstab und darunter Rosette und Blatt (15), ferner sind da: ionische Säulen-
kapitelle, die in seltsam mißverstandener Weise den Echinos als beinahe selbständiges dorisches Kapitell
vom dem ionischen Volutenstück trennen. Die Voluten sind ganz strukturlos und ziemlich unglücklich
angebracht (12—14), auch ein korinthisches Kapitell mit schematisiertem Akanthos, eine Büste auf
der Frontseite, ohne Voluten kommt vor (16). Schachbrettmuster, Rauten, Zickzacklinien, sich schnei-
dende Kreise, Schuppenmuster und dergleichen bilden Flächenfüllungen in unendlichem Rapport;
Spiralranken und Weinranken sind deren Bordüren. Die in die Augen fallende Degeneration aller
Formen erklärt sich allein aus der Anfertigung durch eingeborene Arbeiter, denen der Geist der griechi-
schen Formenwelt etwas absolut Fremdes blieb. Sie zeigt zugleich, wie sehr doch die Kunstübung
dieser Landschaften von jener Syriens und Ägyptens abgewichen war. Noch deutlicher erscheint das in
der baktrisch-indischen Kunst. Wo käme man hin, wollte man die Kapitelle von Gandhāra, Takht i Bāhāi
und Djamalgiri nach syrischen Parallelen zeitlich anordnen! Zeigen schon die westlicheren hellenisti-
schen Provinzen wie Kleinasien, Syrien, Ägypten so sehr beträchtliche Unterschiede in der Abwandlung
der Formen, wieviel mehr die östlichen, Mesopotamien und Iran. Ein Vergleich der wenigen bekannten
Detailformen von dort mit solchen aus Syrien z. B., muß daher zu ganz falschen Ergebnissen führen.
Die Architektur der Sasaniden bildet die Backsteinarchitektur der Arsakiden weiter. Der
Quaderbau dagegen hört auf. Das einzige Beispiel einer Säulenverblendung ist das so bedeutende Bau-
werk von Pāi Kuli, dessen Inschrift vermutlich die Anfänge der Regierung Ardashīrs I. schildert, ein
Gegenstück zu Dareios-Monument von Bisutūn. Beschrieben hat es, viel zu wenig, Rawlinson in
E. Thomas' Early Sasanian Inscriptions²). Als an Stelle des Quaderhaues getreten könnte man
den unerhört schlechten Bruchsteinbau und Konglomeratbau auffassen, der uns in vielen Bauten ent-
gegentritt. Nebenher geht der uralte Lehmziegelbau. Das Ursprungsland der sasanidischen Archi-
tektur ist die Persis, die sich schon längst von der Entwickelung des übrigen arsakidischen Reiches
losgelöst hatte und in völliger Abgeschiedenheit vom Westen auf einem Fundamente weitergebaut
hatte, welches zeitlich dem Ende der altorientalischen Kunst näher stand als die spätere arsakidische
Kunst und inhaltlich von dem überkommenen Erbe noch vieles bewahrt hatte. Daher ergießt sich
mit der sasanidischen Kunst ein neuer Strom altorientalischer Elemente über das ganze iranische
Reich und über die Tigrisländer. Auf der anderen Seite erfolgt durch die Berührung mit dem
sterbenden römischen Reiche und seinem Erben, dem byzantinischen, eine neue Aufnahme spät-
hellenistischer und byzantinischer Elemente. Daher besitzt die sasanidische Kunst, und besonders
die Architektur, die wir aus den zahlreichen Palastbauten, Schlössern, Burgen, aus Mauern und
Stadttoren, Straßentoren, Nützlichkeitsbauten, wie Staudämmen, Brücken, Wasserleitungen, ziemlich
genau kennen, einen von der arsakidischen sehr wesentlich verschiedenen Charakter.
Diesen ungefähren Überblick über die Entwickelung der seleukidischen und arsakidischen Archi-
tektur nach ihren wenigen Denkmälern vorausszuschicken, war um den richtigen Standpunkt für
das Verständnis und die chronologische Fixierung der auf Tafel XLVII und XLVIII abgebildeten Bauten
zu gewinnen.