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0268 Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2
絹織物の美術史 : vol.2
Kunstgeschichte der Seidenweberei : vol.2 / 268 ページ(白黒高解像度画像)

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doi: 10.20676/00000240
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zwischen den noch ziemlich gotischen Granatmotiven kleine Renaissancevasen. Auf dem in
Danzig mit drei Meßgewändern vertretenen Granatstoff Tafel 233 äußert sich das Renaissance-
empfinden in dem scharfen Kontrast zwischen dem weißen Muster und dem blauen Grund,
in der ruhig klaren Flächenteilung durch das spitzovale Kranznetz. Ein florentinisches Orna-
ment ist das die Herzstücke innerhalb des Blütenkranzes einfassende gerollte Band, das uns
bereits auf Abb. 528 und den beiden Bortenstoffen Abb. 541 und 542 begegnete.
Florenz hat den besten Anspruch auf die Arbeiten eines unbekannten Meisters, der
aus schwerem Goldstoff auf besondere Bestellung Einzelstücke mit abgepaßten Mustern ge-
webt hat. Da solche Kraftstücke der Webekunst sehr freigebige Besteller zur Voraussetzung
haben, ist die Zahl der Denkmäler gering. Urkundlich datiert ist ein Antependium in
S. Francesco zu Assisi, das Papst Sixtus IV im Jahre 1475 dieser Kirche geschenkt hat
(Abb. 543 und 544). Es besteht aus einem breiten Goldgewebe Stück und einem oberen Rand-
besatz von Reliefstickerei aus Gold und Seide. Auf ersterem kniet in der Mitte der Stifter
vor dem heiligen Franciscus; rechts und links umrahmen Kränze den Eichbaum der Rovere
nebst der Inschrift „Sixtus IIII. Pont. Maximus". Den Grund füllen von den Kränzen
ausgehende Eichenzweige und ein blattumwundener Ast dient als Rahmen. Venturi¹) gibt
den Entwurf des Ganzen dem Antonio Pollajuolo, dessen Beziehungen zur Textilkunst
durch die berühmten Bildstickereien im Dommuseum von Florenz beglaubigt werden. Die
Zuweisung scheint mir vollkommen zutreffend; Kopf und Hände des heiligen Franciscus,
in das Goldgewebe eingestickt, zeigen durchaus die Art des Meisters, während die Heiligen-
figuren des gestickten Oberteils an die Tugendbilder seines Bruders Piero Pollajuolo in den
Uffizien erinnern. Jedenfalls ist der Stil evident florentinisch. Die Ausführung des Ge-
webes ist ungemein reich und kostbar; auf glattem Goldgrund erhebt sich das Muster aus
dichten Gold- und Silbernoppen, wobei dunkle Samtlinien die Umrisse und Innenzeich-
nung herstellen. In der Textur ganz identisch, aber schlichter im Entwurf ist ein Ante-
pendium des Doms von Toledo mit dem Kardinalswappen des Erzbischofs Pedro Gonzales
de Mendoza († 1495), den man den tercer rey Kastiliens nannte, in der Mitte (Abb. 545).
Das Grundmuster aus starken Ästen, welche Distelblüten mit gotisierenden Blättern ein-
schließen, erscheint altertümlicher; eine reife Renaissanceform ist bloß der gleich den
Eichenkränzen des Rovereantependiums vierfach gebundene Fruchtkranz um das Mendoza-
wappen. Die Verteilung der natürlich gezeichneten Granatäpfel, Birnen, Mispeln zwischen
den Blättern ist offenbar von den Robbiakränzen und den Ghibertitüren beeinflußt; auch das
darf für die florentinische Herkunft dieser Goldstoffe angeführt werden. An den Papst und
an den Primas von Spanien reiht sich als dritter Auftraggeber Matthias Corvinus, der kunst-
liebende König von Ungarn (1458–1490). Von den Goldstoffen, die er mit seinem Wappen
weben ließ, ist eine Kasel — technisch den Antependien ganz gleich — in der Ofener Burg-
kapelle, früher in dem bosnischen Kloster Fojnicza erhalten (Abb. 546); eine vollständige
Bahn desselben Gewebes besitzt Graf Erdödy in Galgocz.²) Wenn Antonio Pollajuolo nicht
bloß die Figuren des Sixtusantependiums, sondern wie zu vermuten das ganze Muster ent-
worfen hat, so muß ihm auch der Corvinusstoff zugeschrieben werden. Denn der Frucht-
kranz über den kraftvoll gezeichneten Adlern verrät dieselbe Hand.³) Ein drittes Gold-
stoffantependium, heut im Besitz der Kirche S. Maria del Monte bei Varese, hat derselbe